Fehlzeiten-Report 2026: Psychische Erkrankungen dauern 28,5 Tage
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Berichte thematisieren anhaltend hohe Krankenstände durch Infekte der Atemwege sowie die wachsende Schwierigkeit für Erwerbstätige, das reguläre Rentenalter bei voller Gesundheit zu erreichen. Langwierige Erkrankungen führen im Zusammenspiel mit steigenden finanziellen Abschlägen dazu, dass der Weg in den Ruhestand für viele Beschäftigte mit erheblichen Hürden verbunden ist.
Fehlzeiten durch Atemwegs- und psychische Erkrankungen
Der am 8. Oktober 2026 vorgelegte Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und des AOK-Bundesverbands beziffert den gesamten Krankenstand für das Jahr 2025 auf 23,3 Tage je Mitglied.
Zuvor lag der Wert in den Jahren 2023 und 2024 bei 23,9 Tagen, nachdem 2022 mit 24,5 Tagen ein Höchststand erreicht worden war. Seit Juli 2022 gilt die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) verpflichtend.
Akute Infektionen prägen das Fallgeschehen weiterhin quantitativ: Auf 100 Mitglieder entfielen 2025 rechnerisch 80,3 Krankschreibungsfälle wegen Atemwegserkrankungen, die durchschnittlich nach 5,7 Tagen endeten.
Psychische Erkrankungen machten dagegen 14,1 Fälle je 100 Mitglieder aus, zogen jedoch eine durchschnittliche Ausfallzeit von 28,5 Tagen nach sich. Bei der Auswertung von 14,9 Millionen AOK-Versicherten zeigt sich dieselbe Diskrepanz zwischen 28,5 Tagen bei psychischen Ausfällen und 5,7 Tagen bei Atemwegserkrankungen.
Im Zehnjahresvergleich nahmen die psychisch bedingten Ausfallzeiten spürbar zu. Für das Jahr 2025 registrierte das WIdO 403 Fehltage je 100 Mitglieder, verglichen mit 284 Tagen im Jahr 2016, was einem Zuwachs von 42 Prozent entspricht. Fehltage infolge von Burnout kletterten von 11,0 auf 19,5 Tage je 100 Mitglieder (plus 77 Prozent).
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Regionale Daten der AOK NordWest für Lübeck zeigen für das erste Halbjahr 2026 einen Krankenstand von 7,4 Prozent (Vorjahreszeitraum: 7,7 Prozent) bei durchschnittlich 13,4 Fehltagen je Erwerbstätigen. Auf Atemwegserkrankungen entfielen dort 27,2 Prozent aller Fälle, gefolgt von Muskel- und Skeletterkrankungen mit 12,5 Prozent und psychischen Leiden mit 6,5 Prozent.
Belastungsspitzen in sozialen und kommunikativen Berufen
Besonders lange Fehlzeiten verursachten laut WIdO Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, gefolgt von depressiven Episoden und wiederkehrenden depressiven Störungen.
Bei den psychischen Erkrankungen verzeichnete das Dialogmarketing mit 39,0 Fällen je 100 Mitglieder im Jahr 2025 die höchste Quote. Es folgten die Haus- und Familienpflege (25,6), die Altenpflege (24,9), Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik (24,6) sowie die Kinderbetreuung (23,0).
Die längeren Ausfallzeiten wirken sich unmittelbar auf die Krankengeldausgaben aus. Diese beliefen sich im Jahr 2025 auf 21,6 Milliarden Euro und machten 6,1 Prozent der gesamten Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus.
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Zehn Jahre zuvor lagen sie bei 11,2 Milliarden Euro beziehungsweise 5,2 Prozent. Während die Ausgaben für somatische Krankengeldfälle im Zeitraum von 2021 bis 2025 um 27 Prozent stiegen, legten die Fälle aufgrund psychischer Erkrankungen um 25 Prozent und die entsprechenden Ausgaben um 54 Prozent zu.
Wachsender Druck vor dem Renteneintritt
Psychische Erkrankungen gelten nach Auswertungen von AOK und Robert Koch-Institut als Hauptursache für Frühberentungen. Eine Auswertung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vom 21. September 2026 ergab zudem, dass Beschäftigte ab 50 Jahren bei bestehenden Mehrfachbelastungen vermehrt den Wunsch nach einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben äußern.
Das Ausscheiden vor der regulären Altersgrenze zieht jedoch spürbare Rentenkürzungen nach sich. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums betrug der durchschnittliche monatliche Abschlag bei vorgezogenen Altersrenten im Jahr 2025 monatlich 162 Euro, verglichen mit 103 Euro im Jahr 2020 – ein Anstieg um 57 Prozent. Parallel dazu stieg der Anteil der Altersrenten mit Abschlägen von 23,4 Prozent im Jahr 2020 auf 30,4 Prozent im Jahr 2025.
Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung wurden 2025 rund 356.000 neue Regelaltersrenten bewilligt, was einem Rückgang von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter lag 2025 bei 64,7 Jahren. Während politische Beratungen über Schutzmechanismen für rentennahe Versicherte anhalten, verschärft die Kombination aus anhaltenden Fehlzeiten und Rentenabschlägen die Lage vieler älterer Beschäftigter.
