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Fed-Zinserhöhung: Neuer Notenbankchef Warsh trotzt Trump und stärkt Glaubwürdigkeit

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 02:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die US-Notenbank Fed hat unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh den Leitzins erstmals seit Ende 2025 angehoben und stärkt damit nach Expertenmeinung ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation. US-Präsident Donald Trump kritisiert den Schritt scharf und fordert weiterhin deutlich niedrigere Zinsen.

  • Die Federal Reserve hat erstmals seit Juli 2023 wieder den Leitzins angehoben. - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa
    Die Federal Reserve hat erstmals seit Juli 2023 wieder den Leitzins angehoben. - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa
  • Der neue Fed-Chef Warsh priorisiert den Kampf gegen die Inflation. (Archivfoto) - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa
    Der neue Fed-Chef Warsh priorisiert den Kampf gegen die Inflation. (Archivfoto) - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Die Federal Reserve hat erstmals seit Juli 2023 wieder den Leitzins angehoben. - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa Der neue Fed-Chef Warsh priorisiert den Kampf gegen die Inflation. (Archivfoto) - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh erstmals seit Sommer 2023 wieder angehoben und damit nach Einschätzung von Volkswirten ihre geldpolitische Glaubwürdigkeit gestärkt.

Fed setzt Ankündigungen in die Tat um

Am Mittwochabend beschloss der Offenmarktausschuss der Fed eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Zuvor war der Leitzins seit Dezember 2025 unverändert geblieben, die letzte Anhebung datierte auf Juli 2023. Angesichts der anhaltend hohen Inflation hatten Marktteilnehmer befürchtet, eine weitere Zinspause könnte Zweifel an der Entschlossenheit der Notenbank wecken.

Ökonomen bewerteten den Schritt daher als wichtiges Signal. Der heutige Zinsschritt sichere nach Einschätzung von VPBank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel die Glaubwürdigkeit der Fed. Auch Jeff Schulze, Leiter der Anlagestrategie beim Franklin Templeton Institute, sieht in der Straffung den Beleg, dass der Ausschuss seinen Ankündigungen konkrete Maßnahmen folgen lässt, um die Inflation wieder in Richtung des Zielwerts zu bewegen.

Spannungen mit Präsident Trump

Die Entscheidung verschärft den Konflikt zwischen der Notenbankführung und US-Präsident Donald Trump. Analyst Elmar Völker von der LBBW betonte, die Fed handle unter Warsh erneut entgegen den wiederholten Forderungen Trumps nach niedrigeren Zinsen und knüpfe damit an den Dauerzwist zwischen dem Präsidenten und Warshs Vorgänger Jerome Powell an. Dieser war regelmäßig Ziel von Beschimpfungen und Rücktrittsforderungen, weil er sich gegen politische Einflussversuche auf die Notenbank gestellt hatte.

Eine von Trump seit Langem verlangte Zinssenkung hielten Fachleute angesichts der aktuellen Konjunkturdaten für unrealistisch. Warsh verwies bei seiner Pressekonferenz darauf, dass die Entscheidung notwendig gewesen sei, um den vom Kongress erteilten Auftrag zur Sicherung stabiler Preise zu erfüllen. Zur Unabhängigkeit der Fed gehöre nach seinen Worten auch, sich auf das eigene Fachgebiet zu konzentrieren.

Trump pocht auf deutlich niedrigere Zinsen

Trump bekräftigte dennoch seinen Wunsch nach einer unabhängigen Zentralbank, bezeichnete die Zinserhöhung aber als Fehler. Die US-Zinsen seien seiner Ansicht nach zu hoch; die USA sollten wegen ihrer aus seiner Sicht hervorragenden Bonität die niedrigsten Kreditkosten weltweit haben. In sozialen Medien hatte er bereits zuvor gefordert, der Leitzins solle bei einem Prozent oder darunter liegen.

Weitere Zinsschritte im Blick

Innerhalb der Fed wächst der Rückhalt für eine weitere Straffung der Geldpolitik. Nach der aktuellen Prognose erwarten 16 der 18 befragten Mitglieder des Offenmarktausschusses mindestens eine weitere Anhebung um 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr, vier von ihnen halten stärkere Schritte für möglich. Für das Jahr 2027 rechnen 14 Mitglieder mit einem Leitzins zwischen 4,00 und 4,25 Prozent, eine knappe Mehrheit davon mit einer Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent.

US-Chefökonom Robert Sockin vom Finanzdienstleister PGIM ordnete die Entscheidung in das historische Muster der Fed ein. Die Notenbank passe ihren Kurs demnach selten mit nur einem einzelnen Schritt an, vielmehr folgten meist weitere Anpassungen nach oben oder unten. Der Volkswirt Maxime Darmet-Cucchiarini von Allianz Trade erwartet eine zweite Zinserhöhung im Dezember.

EZB setzt ebenfalls auf Straffung

Auch die Europäische Zentralbank hat jüngst auf gestiegene Teuerung reagiert. Vor knapp einer Woche erhöhte sie ihren Leitzins angesichts der durch den Iran-Krieg angeheizten Inflation bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Der Einlagenzins für Banken und Sparer wurde dabei von 2,25 auf 2,50 Prozent angehoben. Damit zeichnet sich sowohl in den USA als auch im Euroraum eine Phase straffer Geldpolitik ab.

Signalwirkung für die Inflationsbekämpfung

Die Zinserhöhung der US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh markiert einen geldpolitischen Kurswechsel nach einer längeren Phase der Stabilität. Nach dem Stillstand seit Ende 2025 und der letzten Anhebung im Sommer 2023 verdeutlicht der Schritt, dass die Fed den Kampf gegen die weiterhin erhöhte Inflation nun wieder aktiv führt. Für Finanzmärkte und Unternehmen ist dies ein wichtiger Hinweis darauf, dass Preisstabilität Vorrang vor kurzfristigem Wachstumsinteresse erhält.

Konfliktlinie zwischen Notenbank und Politik

Die scharfe Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Zinserhöhung knüpft an frühere Konflikte zwischen dem Weißen Haus und der Fed-Spitze an. Schon Warshs Vorgänger Jerome Powell stand unter erheblichem politischem Druck, als er die Unabhängigkeit der Notenbank gegen Eingriffe des Präsidenten verteidigte. Dass Warsh trotz der offenen Forderung nach deutlich niedrigeren Zinsen eine Straffung beschließt, unterstreicht den Anspruch der Fed, sich primär an ihrem gesetzlichen Mandat für Preisstabilität zu orientieren und nicht an tagespolitischen Interessen.

Auswirkungen auf Europa und die Finanzmärkte

Für Europa und insbesondere die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist der US-Zinsentscheid ebenfalls bedeutsam. Die EZB hat ihren Einlagenzins jüngst angesichts der durch den Iran-Krieg erhöhten Teuerung erneut angehoben und bewegt sich damit ebenfalls in Richtung eines restriktiveren Kurses. Für Anleger und Kreditnehmer in Deutschland bedeutet die Entscheidung der Fed, dass ein Umfeld höherer Zinsen international verfestigt werden könnte. Dies kann Finanzierungsbedingungen verteuern, stabilisiert aber zugleich die Glaubwürdigkeit der Notenbanken, die Inflationsraten dauerhaft wieder in Richtung ihrer Zielwerte zu lenken.

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