Fatigue, MS-Register

Fatigue bei MS: 63,5% bleiben komplett unbehandelt

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das MS-Register Baden-Württemberg zeigt für 2023 eine hohe Fatigue-Rate und große Versorgungslücken bei betroffenen Patienten.

MS-Fatigue betrifft viele Patienten, bleibt aber oft unbehandelt
Ein leerer Schreibtisch mit einem ausgeschalteten Laptop in einer ruhigen, schattigen Büroumgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Daten des MS-Registers Baden-Württemberg unterstreichen die hohe Relevanz von Fatigue für Patienten mit Multipler Sklerose (MS). Wie aus den Erhebungen für das Jahr 2023 hervorgeht, stellt die krankheitsspezifische Erschöpfung das zweithäufigste Symptom der Erkrankung dar.

Demnach waren im genannten Zeitraum 44,4 % der im Register erfassten MS-Patienten von dieser Problematik betroffen. Trotz der hohen Prävalenz weist die Versorgung der Betroffenen erhebliche Lücken auf.

Hohe Betroffenheit und Defizite in der medizinischen Versorgung

Die Auswertungen des MS-Registers für das Jahr 2023 verdeutlichen eine Diskrepanz zwischen der Häufigkeit des Symptoms und dessen therapeutischer Berücksichtigung. Den Daten zufolge blieben 63,5 % der MS-Patienten, die unter Fatigue litten, im Erfassungszeitraum gänzlich unbehandelt.

Diese Zahlen stehen im Kontext einer generell hohen Betroffenheit innerhalb der Patientengruppe: Fachbeiträge weisen darauf hin, dass in wissenschaftlichen Studien sogar bis zu 90 % der MS-Erkrankten von Fatigue berichten. Damit leide faktisch fast jeder zweite Mensch mit einer MS-Diagnose unter dieser Form der Erschöpfung.

Die Bedeutung dieses Symptoms für den Alltag der Betroffenen ist erheblich. Fachleute betonen dabei die Notwendigkeit einer klaren Differenzierung. Fatigue dürfe nicht mit einer herkömmlichen Müdigkeit gleichgesetzt werden, wie sie gesunde Menschen nach körperlicher oder geistiger Anstrengung erleben.

Diese Unterscheidung sei essentiell für das Verständnis der Erkrankung, da die MS-bedingte Fatigue oft unabhängig von vorangegangenen Aktivitäten auftrete und sich durch herkömmliche Ruhephasen kaum bessern lasse.

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Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und den Berufsalltag

Die korrekte Einordnung der Fatigue hat direkte Konsequenzen für die berufliche Situation der Erkrankten. Die Abgrenzung zwischen der krankheitsspezifischen Erschöpfung und normaler Müdigkeit spielt eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit.

Da Fatigue die Leistungsfähigkeit massiv einschränken kann, ohne dass dies für Außenstehende immer unmittelbar ersichtlich ist, stellt sie oft eine Hürde für den Verbleib im Arbeitsleben dar. Eine fehlerhafte Einschätzung der Symptomatik könne laut Fachbeiträgen zu einer Fehlbeurteilung der beruflichen Belastbarkeit führen.

Für Arbeitgeber und Experten im Bereich der Arbeitsplatzgestaltung bedeutet dies, dass bei MS-Erkrankten verstärkt auf ergonomische Anpassungen und flexible Arbeitszeitmodelle geachtet werden muss, um der Fatigue-Problematik Rechnung zu tragen. Da das Symptom im Register als zweithäufigste Begleiterscheinung geführt wird, ist es für die betriebliche Wiedereingliederung und den Erhalt der Erwerbsfähigkeit von zentraler Bedeutung.

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Therapiemöglichkeiten und Grenzen der Medikation

Hinsichtlich der Behandlungsmöglichkeiten zeigt sich ein differenziertes Bild. Die Therapie der MS-Fatigue ist den aktuellen Erkenntnissen zufolge primär nicht-medikamentös ausgerichtet. Hierzu zählen unter anderem Energiemanagement-Schulungen, moderates körperliches Training oder verhaltenstherapeutische Ansätze.

Der Einsatz von Medikamenten wird in der Fachwelt hingegen zurückhaltender bewertet. Präparate wie Amantadin, Modafinil und Aminopyridine kommen zwar zum Einsatz, erzielen jedoch nur in Einzelfällen eine signifikante Wirkung.

Die medikamentöse Schiene bildet daher momentan keine flächendeckende Lösung für die Mehrheit der Patienten ab, was die hohe Quote der unbehandelten Fälle im Jahr 2023 teilweise miterklären könnte.

Die Forschung konzentriert sich daher weiterhin darauf, sowohl die diagnostische Erfassung als auch die multimodalen Therapiekonzepte zu verbessern, um die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Betroffenen nachhaltig zu sichern.

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