Fahrzeugproduktion: Bis zu 726.000 Jobs in Europa bis 2040 gefährdet
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 17:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bis zu 726.000 Arbeitsplätze könnten in der europäischen Fahrzeugproduktion bis 2040 wegfallen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).
Die Forscher rechnen mit einem schrittweisen Abbau: 375.000 Stellen bis 2030, 660.000 bis 2035. Aktuell beschäftigt die Branche rund 1,6 Millionen Menschen und erwirtschaftet etwa 250 Milliarden Euro Wertschöpfung.
Deutsche Hersteller im Umbau
Volkswagen plant offenbar massive Einschnitte. Bis zu 100.000 Stellen könnten wegfallen – 50.000 sind bereits vereinbart, weitere 50.000 gelten als gefährdet. Der Vorstand stellt Werke in Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm infrage. Schließungen sind für den Zeitraum 2031 bis 2034 im Gespräch. Auch Standorte in Ungarn und Tschechien stehen auf dem Prüfstand.
Die Konkurrenz reagiert ähnlich: BMW und Audi streichen jeweils 7.500 Stellen. Bei Porsche sind 2.000 bis 6.000 Arbeitsplätze bedroht. Mercedes setzt auf Abfindungsprogramme für rund 5.500 Beschäftigte, bei Opel trifft es etwa 650 Ingenieure.
Ein Experte des Center Automotive Research warnt vor einem Dominoeffekt. Streicht Volkswagen in großem Stil, könnten bei Zulieferern mindestens 150.000 weitere Jobs wegfallen.
Die soziale Schieflage
Der IAQ-Report der Universität Duisburg-Essen beleuchtet die soziale Seite des Wandels. Zukunftsvereinbarungen geraten demnach zunehmend unter Kostendruck. Betriebsräte müssen Zugeständnisse machen, während das Instrument der Vermittlung von Arbeit in Arbeit nur eingeschränkt funktioniert.
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Die Forscher fordern veränderte politische Rahmenbedingungen. Energiepreise und Infrastrukturausbau seien kritische Faktoren für den Erfolg der deutschen Industrie.
Markt in Bewegung
Die Produktion in Deutschland sank im ersten Halbjahr 2026 auf 2,109 Millionen Fahrzeuge – ein Rückgang von drei Prozent zum Vorjahr und 15 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Elektroauto-Zulassungen stiegen dagegen um 48 Prozent auf 368.006 Fahrzeuge. Ihr Marktanteil liegt nun bei 24,8 Prozent.
Die Bundesagentur für Arbeit meldete: Innerhalb eines Jahres verlor die deutsche Industrie 177.000 Arbeitsplätze. Allein 52.000 davon entfielen auf die Automobilbranche und ihre Zulieferer.
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Gewerkschaft stellt sich quer
Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, lehnt Standortschließungen ab. In Werken wie Hamburg, Bremen oder Emden arbeiten mehr als 20.000 Menschen. „Die Wettbewerbsfähigkeit kommt durch Qualität und Produktivität“, so Friedrich. Sollte Volkswagen an den Sparplänen festhalten, droht die Gewerkschaft mit einer Eskalation der Proteste.
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