Fachkräftemangel, Steuerfachkräfte

Fachkräftemangel: Steuerfachkräfte verdienen bis zu 85.000 Euro

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesländer und Firmen locken mit Prämien und Spitzengehältern. KI-Stellen explodieren um 66 Prozent, während die Zuwanderung drastisch sinkt.

Deutscher Arbeitsmarkt: Rekord-Wettbewerb um Fachkräfte und hohe Gehälter
Ein Schreibtisch mit einem Vertrag, Stift und Laptop, der statistische Diagramme zur Personalgewinnung anzeigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der deutsche Arbeitsmarkt erlebt einen beispiellosen Wettbewerb um Fachkräfte. Öffentliche Arbeitgeber und Privatwirtschaft setzen auf immer höhere finanzielle Anreize – von 1.250 Euro Zulage für Lehramtsanwärter bis zu 85.000 Euro Jahresgehalt für Steuerfachkräfte.

Thüringen lockt Lehrer mit 70 Prozent Zuschlag

Um dem akuten Lehrkräftemangel zu begegnen, zahlen Bundesländer kräftige Prämien. In Thüringen erhalten Lehramtsanwärter seit Februar 2026 einen Gehaltszuschlag von 70 Prozent des Grundbetrags – monatlich rund 1.220 bis 1.250 Euro brutto. Voraussetzung: Der Dienst muss in Bedarfsregionen oder Mangelfächern angetreten werden.

Die erste Zwischenbilanz bis Mai fiel verhalten aus: Nur 15 von 124 Anwärtern nutzten das Angebot. Das auf Juli 2028 befristete Projekt soll ab Februar 2027 auf weitere Regionen ausgeweitet werden – darunter Gotha, der Ilm-Kreis und das Weimarer Land.

Brandenburg setzt derweil auf eine Erhöhung der Beamtenbesoldung. Bildungsminister Hoffmann hofft, damit Lehrkräfte aus anderen Bundesländern abzuwerben. Trotz 250 neuer Stellen bleibt die Lage angespannt: Klassen werden zusammengelegt, die Wochenarbeitszeit für Beamte stieg auf 41 Stunden.

Handwerk zwischen Krise und Aufschwung

Das deutsche Handwerk zeigt 2026 ein zwiespältiges Bild. 2025 waren knapp 100.000 Stellen unbesetzt – immerhin 9,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders dramatisch ist die Lage im Gesundheitshandwerk: Weniger als 40 Prozent der offenen Stellen konnten besetzt werden. Augenoptiker, Hörakustiker und Zahntechniker sind Mangelware.

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Doch es gibt Hoffnung. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Anstieg der Ausbildungsverträge um 4,9 Prozent auf 67.800. Während Bauelektrik und Dachdeckerei boomen, kämpfen Metallbau und Holzverarbeitung mit sinkendem Interesse.

Was treibt den Umschwung? Bessere Verdienstmöglichkeiten und wachsende Skepsis gegenüber akademischen Laufbahnen. Angesichts der KI-Entwicklung fragen sich viele Schulabgänger: Lohnt sich das Studium überhaupt noch?

Die „dreifache Migrationswende“ verschärft den Druck

Der Fachkräftemangel bekommt eine neue Dimension. Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft sprechen von einer „dreifachen Migrationswende“. Die Nettozuwanderung stürzte von 663.000 Personen im Jahr 2023 auf 235.000 im Jahr 2025 ab.

Die Gründe: Asylanträge sanken auf 113.000, gleichzeitig wanderten 45.000 Menschen in neue EU-Mitgliedstaaten ab. Besonders schmerzhaft: 97.000 Deutsche verließen 2025 das Land.

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Eine OECD-Studie zur Mobilität griechischer Fachkräfte zeigt den Trend exemplarisch. 2024 wanderten mehr Griechen aus Deutschland ab als zu. Die meisten Rückkehrer haben einen Hochschulabschluss. Ihr Hauptgrund: Familie und soziales Umfeld in der Heimat.

KI-Experten und Steuerfachkräfte händeringend gesucht

In der Privatwirtschaft tobt der Kampf um digitale Kompetenzen. Der KI-Kompetenzmonitor verzeichnet für das zweite Quartal 2026 rund 44.800 Stellen mit KI-Anforderungen – ein Plus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders Informatiker mit Maschinenlern-Kenntnissen sind gefragt. Bayern führt die Rangliste der offenen Stellen an.

Auch klassische Dienstleistungsberufe locken mit Rekordgehältern. Steuerfachkräfte in Berlin oder Kaiserslautern können im Juli 2026 mit Jahresgehältern zwischen 52.000 und 85.000 Euro rechnen. Kanzleien bieten zudem vollständige Homeoffice-Optionen – ein Versuch, überregional Bewerber zu ködern.

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