Fachkräftemangel: Stellantis bündelt mehr als 2.000 Ingenieure gegen Qualitätsmängel
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der sich verschärfende Fachkräftemangel zwingt zahlreiche Betriebe dazu, ihre Öffnungszeiten einzuschränken oder Produktionskapazitäten neu auszurichten. Gleichzeitig versuchen Industriekonzerne, aufgelaufenen Qualitätsmängeln mit einer massiven Bündelung von Fachpersonal entgegenzuwirken. Die Reaktionen auf die angespannte Personallage reichen von internen Krisenstäben bis hin zu einer verstärkten Automatisierung.
Konzerne bündeln Ingenieurswissen gegen Qualitätsmängel
Wie drängend das Thema Qualitätssicherung geworden ist, zeigt das Vorgehen des Autokonzerns Stellantis. Konzernchef Antonio Filosa kündigte beim Branchentreffen Automotive News Congress in Detroit die Einrichtung von knapp 50 Kontrollräumen zur Qualitätsüberwachung an.
Mehr als 2.000 Ingenieure sollen konzernweit eingebunden werden, um Qualitätsprobleme zügig zu lösen. Stellantis verfolgt damit das Vorhaben, bis zum Jahr 2028 in sämtlichen Segmenten und Absatzmärkten des Konzerns beim Thema Qualität im ersten Viertel der Branche zu liegen.
Automatisierung und Plattformen gegen Engpässe in der Fertigung
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Während Großunternehmen tausende Spezialisten für interne Qualitätsprogramme zusammenziehen, spüren mittelständische Betriebe den Mangel im laufenden Betrieb.
Laut einer Erhebung für den Fertigungsausblick des Anbieters Xometry, für die 200 Führungskräfte in Deutschland und Frankreich sowie 150 Entscheider in den USA befragt wurden, fehlen Fachkräfte unter anderem in den Bereichen computergestützte Fertigung und Maschinensteuerung.
Zugleich sind europäische Einkäufer bereit, höhere Preise für geprüfte Qualität, Verlässlichkeit und fertigungsgerechte Konstruktionsunterstützung zu akzeptieren.
Um fehlendes Personal auszugleichen, setzen Industrie- und Handwerksbetriebe zunehmend auf digitale Hilfsmittel. Plattformen dienen dazu, ungenutzte Maschinenkapazitäten zu koordinieren und externes Fachwissen einzubinden. Zudem kommt Künstliche Intelligenz bei der Preisbildung, der Angebotserstellung sowie bei Konstruktionsprüfungen zum Einsatz.
Deutsche Führungskräfte beziffern die Rendite entsprechender Investitionen auf 41 Prozent, französische Manager berichten von 60 Prozent. Auch für das Handwerk empfiehlt sich der Einsatz digitaler Assistenten, um administrative Aufgaben wie E-Mails, Angebote oder Berichte vorzuformulieren und vorhandenes Wissen erfahrener Beschäftigter zu sichern.
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Rückläufige Zuwanderung und trübe Stimmung im Handwerk
Erschwert wird die Personalgewinnung durch Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt. In strukturschwachen Gebieten Ostdeutschlands leidet die regionale Wirtschaft unter anhaltender Abwanderung und Personalmangel, obgleich günstige Immobilienpreise, Fördermittel and verfügbare Gewerbeflächen Standortvorteile bieten.
Gleichzeitig verringert sich der Zustrom aus dem Ausland: Polnische Arbeitskräfte kehren vermehrt aus Deutschland in ihr Heimatland zurück. Ein wirtschaftlicher Aufschwung in Polen, bessere Lebensbedingungen sowie attraktive berufliche Perspektiven vor Ort lassen die Zuwanderung sinken und verschärfen die Personallücke hierzulande weiter.
Welche wirtschaftlichen Folgen die Kombination aus Preisdruck und begrenzten Kapazitäten hat, belegt die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Freiburg. Im südbadischen Handwerk stagnierte die Lage im dritten Quartal 2026 zum dritten Mal in Folge auf niedrigem Niveau.
Nur noch 46 Prozent der befragten Betriebe beurteilten ihre Lage als gut, verglichen mit 71 Prozent im Vorjahr, während 15 Prozent eine schlechte Lage meldeten.
Der regionale Konjunkturindikator sank auf 12,7 Punkte, nachdem er im Vorjahr noch bei 34,1 Punkten gelegen hatte. Zwar verzeichneten 81 Prozent der Betriebe gestiegene Einkaufspreise, doch lediglich 29 Prozent konnten diese über höhere Verkaufspreise weitergeben.
