Fachkräftemangel: Deutschland droht Lücke von 723.000 bis 2029
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
**Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben am 7. September 2026 ihre erweiterten Ausbildungskapazitäten in der Steiermark offiziell eingeweiht. Mit einer Investition in Millionenhöhe und einer deutlichen Flächenvergrößerung reagiert das Staatsunternehmen auf den steigenden Bedarf an technischen Fachkräften.
Die Maßnahme erfolgt vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden Arbeitskräftemangels, der laut aktuellen Prognosen in den kommenden Jahren weite Teile der Wirtschaft vor strukturelle Herausforderungen stellen wird.**
Die feierliche Eröffnung der erweiterten Lehrwerkstätte in Graz markiert einen wichtigen Schritt in der Ausbildungsstrategie der ÖBB. Das Unternehmen investierte insgesamt 1,7 Millionen Euro in den Standort, um zusätzliche 640 Quadratmeter Fläche für die Ausbildung bereitstellen. Durch diese Erweiterung ist es dem Konzern möglich, pro Jahr 20 weitere Lehrlinge in den technischen Betrieb aufzunehmen.
Hohe Nachfrage nach Ausbildungsplätzen bei den Bundesbahnen
Die Bedeutung der betrieblichen Ausbildung zeigt sich auch in den aktuellen Konzernzahlen. Zum Stichtag am 7. September 2026 befinden sich insgesamt 2.421 Lehrlinge in der Ausbildung bei den ÖBB. Allein im laufenden Monat starteten 721 Nachwuchskräfte ihren beruflichen Weg im Unternehmen.
Trotz des allgemeinen Trends zu unbesetzten Lehrstellen im Markt verzeichneten die ÖBB für das aktuelle Ausbildungsjahr rund 10.000 Bewerbungen, was die Attraktivität des Verkehrsunternehmens als Arbeitgeber unterstreicht.
Der Ausbau in Graz ist Teil einer breiteren Initiative, die auch andere Akteure der Branche verfolgen. So wurde etwa das Bauunternehmen PORR im Rahmen der Erhebung zu den Ausbildungs-Champions 2026 als bester Vertreter seiner Sparte ausgezeichnet. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 561 Auszubildende in seinen Heimmärkten, davon 418 in Österreich, was eine leichte Steigerung zum Vorjahr darstellt.
Prognosen warnen vor massiver Fachkräftelücke bis 2029
Die Notwendigkeit verstärkter Ausbildungsanstrengungen wird durch aktuelle Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untermauert. Einer Studie vom 6. September 2026 zufolge könnte die Fachkräftelücke in Deutschland bis zum Jahr 2029 auf rund 723.000 Personen anwachsen. Dies entspräche fast einer Verdopplung gegenüber dem für 2025 prognostizierten Wert von 370.000 fehlenden Arbeitskräften.
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Als Hauptursachen für diese Entwicklung nennen die Forscher das Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben, einen mangelnden Fokus auf den Nachwuchs sowie eine rückläufige Zuwanderung.
Besonders betroffen sind neben dem Verkauf und der Pflege auch technische Berufe, die für die Infrastruktur entscheidend sind. In der Bauelektrik wird bis 2029 eine Lücke von 17.400 Fachkräften erwartet, in der Mechatronik könnten 13.600 Stellen unbesetzt bleiben.
Wirtschaftliche Folgen und soziale Rahmenbedingungen
Experten warnen zudem vor den ökonomischen Konsequenzen des Personalmangels. Im Kontext von geplanten staatlichen Investitionsprogrammen, wie etwa einem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, könnten fehlende Fachkräfte dazu führen, dass finanzielle Mittel primär in Preissteigerungen fließen, statt den realen Ausbau der Infrastruktur voranzutreiben. Weiterbildung und gezielte Arbeitsanreize gelten hierbei als zentrale Gegenmaßnahmen.
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Gleichzeitig weisen Arbeitnehmervertreter auf die sozialen Hürden in der Ausbildung hin. Der DGB machte Anfang September darauf aufmerksam, dass das Armutsrisiko unter Auszubildenden gestiegen sei. Bei einer Mindestausbildungsvergütung von 724 Euro brutto müssten Lehrlinge im Schnitt 41 Prozent ihres Einkommens für die Miete aufwenden.
In Regionen wie Rheinland-Pfalz und dem Saarland fanden zudem über 17 Prozent der Interessenten im Jahr 2024 keinen Ausbildungsplatz, weshalb Forderungen nach einem Zukunftsfonds Ausbildung und einer Anpassung der Vergütung laut werden.
Während im Handwerk regional unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten sind – so meldete Unterfranken ein Plus von 3,8 Prozent bei neuen Lehrverträgen –, bleibt der Tenor in der Industrie eindeutig. Die Geschäftsführung von Fachbetrieben betont, dass ein Verzicht auf Ausbildung angesichts der demografischen Entwicklung keine tragfähige Option für die Zukunft darstelle.
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