Fachkräftemangel: 64,7% der Steuerberater melden Personallücken
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die deutsche Wirtschaft spürt wieder deutlich mehr Personalengpässe. Laut Ifo-Umfrage vom Juli melden 23,2 Prozent der Unternehmen fehlende Fachkräfte – nach 21,1 Prozent im April. Der langfristige Durchschnitt von 31,7 Prozent bleibt jedoch unterschritten.
Beratungsbranche besonders betroffen
Besonders dramatisch ist die Lage in der Rechts- und Steuerberatung: 64,7 Prozent der Betriebe klagen über Personalmangel. Auch die Telekommunikation erreicht mit 31,1 Prozent den höchsten Stand seit Oktober 2023. Der Dienstleistungssektor insgesamt liegt mit 25,7 Prozent über dem Schnitt.
Die Industrie verzeichnet einen Anstieg um 4,5 Prozentpunkte auf 18,7 Prozent. Spitzenreiter dort: die Papierindustrie mit 35,0 Prozent. Im Bauhauptgewerbe melden 32,6 Prozent der Unternehmen Engpässe, der Handel kommt vergleichsweise glimpflich davon (16,2 Prozent).
Demografischer Wendepunkt erreicht
2026 markiert eine Zäsur: Erstmals scheiden mehr Ältere aus dem Arbeitsmarkt aus, als Junge nachrücken. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet 1,1 Millionen Renteneintritte, aber nur 780.000 neue Erwerbstätige. Bis 2030 könnte die Lücke auf über 600.000 Personen pro Jahr anwachsen.
Besonders hart trifft es Ostdeutschland. Ohne Zuwanderung droht die Zahl der Erwerbsfähigen dort bis 2035 um 13 Prozent auf 6,78 Millionen zu sinken, bis 2045 sogar um ein Fünftel. Der Ausländeranteil stieg von 3,1 Prozent (2010) auf 9,9 Prozent (2025) – ein notwendiger Puffer gegen den Kollaps in Pflege, Medizin und Handwerk.
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Produktivität als Schlüssel
Um den Lebensstandard zu halten, müsste die Produktivität jährlich um mindestens 1,6 Prozent wachsen. In den letzten sechs Jahren schaffte Deutschland nur 0,3 Prozent. Eine McKinsey-Studie warnt: Ohne Gegenmaßnahmen könnte das BIP bis 2030 um 0,7 Prozent pro Jahr schrumpfen.
KI gilt als Hoffnungsträger: Schon 25 Prozent der Betriebe nutzen generative KI – 2023 waren es nur 5 Prozent. Laut IAB verändern sich durch KI 1,6 Millionen Arbeitsplätze, wobei sich Gewinne und Verluste mittelfristig ausgleichen dürften.
Konjunktur erholt sich – Arbeitszeit sinkt
Immerhin: Der BVR verdoppelt seine BIP-Prognose auf 1,0 Prozent. Der Auftragsbestand der Industrie lag im Juni 9,3 Prozent über dem Vorjahr – der höchste Wert seit 2015. Doch die Wochenarbeitszeit sank 2025 um 0,3 Stunden, rechnerisch ein Verlust von 460.000 Vollzeitstellen. Das verarbeitende Gewerbe baute zudem 174.000 Jobs in zwölf Monaten ab.
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