Fachkräftemangel: 191.000 Arbeitsplätze in Ostdeutschland ohne Zuwanderung
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer aktuellen Untersuchung die Bedeutung der Zuwanderung für den ostdeutschen Arbeitsmarkt analysiert.
Den Ergebnissen zufolge wäre die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den ostdeutschen Flächenländern ohne Arbeitskräfte aus der Europäischen Union und aus Drittstaaten um 191.000 niedriger. Dies entspricht einem Anteil von 5,3 Prozent der qualifizierten Belegschaften im Jahr 2026.
Internationale Fachkräfte in Engpassberufen unverzichtbar
Die Daten des IW verdeutlichen, dass internationale Fachkräfte insbesondere in Berufsfeldern mit ausgeprägtem Personalmangel eine tragende Rolle spielen. Insgesamt seien 160.000 Personen aus dem Ausland in sogenannten Engpassberufen tätig. Besonders deutlich zeige sich diese Abhängigkeit im Gesundheitswesen und im Dienstleistungssektor.
Nach Angaben des Instituts verfügen inzwischen 25 Prozent der Ärzte in Ostdeutschland nicht über einen deutschen Pass. Auch bei den Berufskraftfahrern liegt der Anteil ausländischer Beschäftigter bei 25 Prozent, während bei den Köchen jeder fünfte Arbeitsplatz durch internationale Kräfte besetzt wird.
Trotz dieser Zuwanderungsgewinne bleibt die demografische Herausforderung bestehen. In Bundesländern wie Sachsen-Anhalt und Thüringen sank die Gesamtbeschäftigung zuletzt dennoch um 6.448 beziehungsweise 12.207 Personen. Seit dem Jahr 2019 verzeichnet das IW zudem einen Rückgang bei deutschen Fachkräften, während gleichzeitig die Zuwanderung aus EU-Staaten abnimmt.
Demografischer Wandel gefährdet Erwerbspersonenpotenzial
Die langfristigen Projektionen des Instituts zeichnen ein kritisches Bild der Bevölkerungsentwicklung. Ohne eine kontinuierliche Migration werde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 66 Jahre) in den ostdeutschen Flächenländern bis zum Jahr 2035 voraussichtlich um 13 Prozent auf 6,78 Millionen sinken. Bis zum Jahr 2045 befürchten die Forscher einen Rückgang von über 20 Prozent.
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Ein Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte verdeutlicht die Dynamik: Während im Jahr 1995 noch 10,05 Millionen Menschen zur erwerbsfähigen Gruppe zählten, waren es im Jahr 2025 nur noch 7,74 Millionen.
Der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtbevölkerung fiel in diesem Zeitraum von 70,9 Prozent auf 62,7 Prozent. Der Ausländeranteil an den Erwerbsfähigen stieg hingegen von 3,1 Prozent im Jahr 2010 auf 9,9 Prozent im Jahr 2025 an.
Wirtschaftliche Risiken und regionale Besonderheiten
In Sachsen-Anhalt, das mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von 36.517 Euro im Jahr 2024 den niedrigsten Wert aller Bundesländer aufwies, ist die Situation besonders angespannt.
Daten der IHK Sachsen-Anhalt belegen, dass zwischen 2021 und 2025 zwar 33.000 ausländische Beschäftigte hinzukamen, im selben Zeitraum jedoch 35.000 deutsche Erwerbstätige aus dem Arbeitsmarkt ausschieden. Im Juni 2025 waren insgesamt 68.420 ausländische Arbeitnehmer im Land beschäftigt.
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Im Vorfeld der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnen Wirtschaftsforscher vor den Folgen einer migrationsfeindlichen Politik. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) berechnete, dass eine solche politische Ausrichtung bis zum Jahr 2031 dazu führen könnte, dass 46.000 Beschäftigte fehlen – im Gegensatz zu 32.000 fehlenden Kräften unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen. Dies würde einen Verlust an Wertschöpfung von bis zu 3,2 Milliarden Euro bedeuten.
Das IWH verweist dabei auf Erfahrungen mit dem Brexit oder der Politik der Lega Nord, wo die Zuwanderung nach politischen Umbrüchen um 32 bis 65 Prozent sank. Besonders kritisch wird dies für die medizinische Versorgung bewertet, da bereits heute jeder fünfte Arzt in Sachsen-Anhalt Ausländer ist.
