Fachkräftelücke: Qualifizierung könnte 38.204 Stellen besetzen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 06:53 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDurch die Weiterbildung und Höherqualifizierung von Hilfskräften könnte die Fachkräftelücke in deutschen Ausbildungsberufen um knapp 17 Prozent sinken. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft hervor, über die die „Rheinische Post“ berichtet.
Im Jahr 2025 fanden demnach rund 1,3 Millionen arbeitslose Helfer rechnerisch keine passende Stelle in ihrem gewünschten Zielberuf, während mehr als 225.000 qualifizierte Fachkräfte in Berufen mit üblicherweise beruflicher Ausbildung fehlten.
Bis zu 38.204 Stellen könnten besetzt werden
Durch die Qualifizierung arbeitsloser und beschäftigter Helfer könnten laut Studie bis zu 38.204 Stellen für ausgebildete Fachkräfte besetzt werden. Das entspräche 16,9 Prozent der ermittelten Fachkräftelücke in Ausbildungsberufen.
Das Kompetenzzentrum stützt sich auf Daten der Bundesagentur für Arbeit und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass auf dem Arbeitsmarkt nicht grundsätzlich Arbeitskräfte fehlten, sondern vor allem passende Qualifikationen.
Pflege bietet besonders großes Potenzial
Besonders groß ist das Potenzial in Gesundheits- und Pflegeberufen. In der Altenpflege standen 2025 einer Fachkräftelücke von 15.233 Stellen insgesamt 25.113 arbeitslose Helfer gegenüber.
In der Gesundheits- und Krankenpflege gab es eine Fachkräftelücke von 13.390 Stellen und 4.549 arbeitslose Helfer. Beide Fachkraftberufe zählen zu den reglementierten Berufen, in denen ein formaler Berufsabschluss Voraussetzung für die Tätigkeit als Fachkraft ist.
Auch beschäftigte Helfer als Zielgruppe
Nach Berechnungen des Kompetenzzentrums könnten auch bereits beschäftigte Helfer zur Verringerung der Engpässe beitragen. Würden sich 4,9 Prozent der beschäftigten Helfer in der Altenpflege und 6,6 Prozent der beschäftigten Helfer in der Gesundheits- und Krankenpflege qualifizieren, ließen sich die jeweiligen Engpässe rechnerisch vollständig schließen.
Das Kompetenzzentrum sieht deshalb in der Qualifizierung von An- und Ungelernten ohne beruflichen Abschluss ein wichtiges Potenzial für die Fachkräftesicherung.
Die Studie beschreibt einen strukturellen Gegensatz auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Einer großen Zahl arbeitsloser oder bereits beschäftigter Helfer steht ein Mangel an Personen mit anerkanntem Berufsabschluss gegenüber. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Zahl verfügbarer Arbeitskräfte, sondern ihre formale Qualifikation und die Passung zwischen vorhandenen Kompetenzen und offenen Stellen.
Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang in der Pflege. Dort gelten die genannten Fachkraftberufe als reglementiert. Helfer können die fehlenden Fachkräfte daher nicht unmittelbar ersetzen; erforderlich ist eine anerkannte Ausbildung beziehungsweise die vorgeschriebene Qualifizierung. Die in der Studie genannten Anteile unter beschäftigten Helfern zeigen zugleich, dass das Potenzial nicht nur bei Arbeitslosen liegt. Betriebe könnten vorhandene Beschäftigte weiterentwickeln, müssten dafür aber Ausfallzeiten, Finanzierung und organisatorische Belastungen bewältigen.
Qualifizierung als Teil der Fachkräftesicherung
Für Unternehmen und Arbeitsmarktpolitik verschiebt sich damit der Schwerpunkt von der reinen Vermittlung hin zu berufsabschlussbezogener Weiterbildung. Die rechnerische Verringerung der Lücke um 16,9 Prozent wäre kein vollständiger Ausweg, könnte Engpässe aber gezielt dämpfen. In der Praxis hängt der Erfolg davon ab, ob genügend Ausbildungsplätze, Ausbilder und berufsbegleitende Angebote vorhanden sind und ob Interessierte die Anforderungen bewältigen können.
In Pflegeberufen kommen zusätzliche Bedingungen hinzu: Qualifizierungen müssen gesetzliche Vorgaben erfüllen, und die Arbeitsbedingungen beeinflussen, ob Beschäftigte dauerhaft im Beruf bleiben. Weiterbildung kann deshalb offene Stellen besetzen, ersetzt aber weder bessere Personalbindung noch ausreichende Ausbildungskapazitäten. Für Pflegeeinrichtungen und Betroffene bedeutet die Untersuchung vor allem, dass berufliche Entwicklungspfade für Helfer zu einem konkreten Instrument gegen den Personalmangel werden.
