Fachkräftelücke: 723.000 Stellen bis 2029 – Handel besonders betroffen
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 22:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt in einer aktuellen Arbeitsmarktfortschreibung vor einer drastischen Zunahme der personellen Engpässe in der Bundesrepublik.
Den Berechnungen der Kölner Experten zufolge wird die Fachkräftelücke bis zum Jahr 2029 auf insgesamt 723.000 Personen anwachsen. Damit würde sich der Mangel innerhalb weniger Jahre fast verdoppeln, ausgehend von einer prognostizierten Lücke von 370.000 Fachkräften für das Jahr 2025.
Wie aus den am 7. September 2026 veröffentlichten Daten hervorgeht, entspricht diese Entwicklung einem Anstieg der unbesetzten Stellen für qualifiziertes Personal um 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2025. Trotz dieser Engpässe geht das IW davon aus, dass die allgemeine Erwerbstätigkeit in Deutschland weiter zunimmt.
Die Zahl der Beschäftigten könnte bis 2029 auf 35 Millionen steigen, was einem Zuwachs von 5 Prozent entsprechen würde. Die Trendfortschreibung des Instituts basiert auf einer umfassenden Datenbasis, die bis Ende 2024 zurückreicht und insgesamt 1.300 verschiedene Berufe abdeckt.
Größte Engpässe im Handel und sozialen Sektor
Besonders kritisch bewerten die Studienautoren die Situation im Einzelhandel. Die größte absolute Fachkräftelücke wird für den Beruf des Verkäufers prognostiziert, wo bis 2029 schätzungsweise 39.100 qualifizierte Kräfte fehlen werden. Diese Berufsgruppe umfasst derzeit rund 870.000 Beschäftigte.
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Neben dem Handel verzeichnen vor allem soziale und pflegerische Berufe erhebliche Defizite. In der Kinderbetreuung wird mit einer Lücke von 29.900 Fachkräften gerechnet, dicht gefolgt von der Sozialarbeit mit einem Fehlbedarf von 23.600 Personen. Im Bereich der Pflege prognostiziert das IW ein Defizit von 18.700 Stellen, während in der Bauelektrik rund 17.400 Fachkräfte fehlen dürften.
Strukturelle Verschiebungen und demografische Ursachen
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Während in vielen Dienstleistungssektoren der Bedarf steigt, zeigen die Daten des IW in anderen Bereichen einen Rückgang der Beschäftigungspotenziale. Besonders deutlich wird dieser Trend in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit einem Minus von 147.000 potenziellen Stellen sowie im Sektor Verkehr und Logistik, wo ein Rückgang um 145.000 verzeichnet wird.
Als Hauptursachen für die sich verschärfende Fachkräftelücke nennt das Institut eine Kombination aus demografischen Faktoren und veränderten Rahmenbedingungen. Ein wesentlicher Treiber sei der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge bei gleichzeitigem Mangel an nachrückenden jungen Arbeitskräften. Zudem erschwere eine abnehmende Zuwanderung die Besetzung offener Stellen.
Angesichts dieser Prognosen mahnen die Experten des IW politisches Handeln an. Um den drohenden wirtschaftlichen Folgen des Arbeitskräftemangels entgegenzuwirken, müsse die Politik verstärkt auf Arbeitsanreize setzen. Darüber hinaus gelte eine erleichterte Zuwanderung von Fachkräften als notwendige Maßnahme, um die Funktionsfähigkeit des deutschen Arbeitsmarktes langfristig zu sichern.
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