Fachkräftelücke, Stellen

Fachkräftelücke: 143.000 Stellen offen, bis 2035 auf 373.000

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In Baden-Württemberg sinken Ausbildungszahlen, während KI den Personalbedarf verändert und viele Unternehmen noch keine festen Weiterbildungspläne haben.

KI verändert Arbeitswelt: Fachkräftelücken wachsen, Weiterbildung fehlt
Ein minimalistischer, moderner Arbeitsplatz mit Laptop und technischen Blaupausen vor einem unscharfen Hintergrund einer automatisierten Produktionshalle. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Branchenberichte verdeutlichen einen tiefgreifenden Wandel in der deutschen Arbeitswelt. Der steigende Bedarf an interdisziplinären Fachkräften und gezielten Weiterbildungsmaßnahmen wird als zentrale Antwort auf die durch Künstliche Intelligenz (KI) vorangetriebene Automatisierung beschrieben.

Während herkömmliche Berufsbilder unter Druck geraten, entwickeln sich neue Kompetenzprofile, die technische Versiertheit mit fachspezifischem Wissen kombinieren.

Rückgang bei Ausbildungsverträgen und wachsende Fachkräftelücke

Daten der IHK Baden-Württemberg zum Stichtag 26.08.2026 zeigen eine angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Mit 31.413 neu abgeschlossenen Verträgen verzeichnete die Kammer einen Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders deutlich zeigten sich die Verluste in technischen Bereichen: Die Zahlen für Elektroberufe sanken um 15,6 Prozent, während bei Fachinformatikern ein Minus von 19,1 Prozent registriert wurde. Auch kaufmännische Berufe wie Kaufleute für Büromanagement (-12,9 Prozent) und Industriekaufleute (-11,5 Prozent) sind rückläufig.

Diese Entwicklung verschärft die ohnehin kritische Personalsituation. Die aktuelle Fachkräftelücke in Baden-Württemberg wird auf 143.000 beziffert und soll Prognosen zufolge bis zum Jahr 2035 auf 373.000 ansteigen.

Ähnliche Tendenzen melden regionale Kammern wie die IHK Düsseldorf, die eine aktuelle Lücke von 51.000 Personen ausweist, welche bis 2034 auf 110.000 anwachsen könnte. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) blieb bereits im Jahr 2025 jede dritte Ausbildungsstelle unbesetzt, während die Übernahmequote auf 75 Prozent sank.

Defizite bei betrieblichen Weiterbildungsstrategien

Trotz der Erkenntnis, dass KI-Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen, klafft in vielen Unternehmen eine Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung. Eine forsa-Studie im Auftrag des TÜV-Verbands, die im Frühjahr 2026 unter 500 Unternehmen durchgeführt wurde, ergab, dass zwar 87 Prozent der Betriebe Weiterbildung für wichtig halten, aber lediglich 29 Prozent über eine schriftlich fixierte Strategie verfügen.

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Zwar nutzen bereits 56 Prozent der befragten Unternehmen generative KI, doch nur 27 Prozent bieten entsprechende Schulungen an. Die Investitionsbereitschaft bleibt oft begrenzt: 65 Prozent der Unternehmen stellen maximal 1.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr zur Verfügung, wobei der zeitliche Rahmen bei 74 Prozent der Betriebe lediglich ein bis fünf Tage umfasst.

Dennoch gibt es Anzeichen für eine Professionalisierung: Die IHK Düsseldorf bietet inzwischen 20 spezialisierte KI-Lehrgänge an, die preislich zwischen 2.000 und 3.500 Euro liegen.

Transformation in der Beratungs- und IT-Branche

Besonders stark zeigt sich der Wandel bei den großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. Unternehmen wie KPMG, PwC, EY und Deloitte befinden sich in einer Transformation zu KI-nativen Technologieeinheiten.

So konnte BCG mit KI-bezogenen Dienstleistungen bereits über 40 Prozent seines Umsatzes erzielen. Accenture reagierte mit der Einstellung von 40.000 KI-Experten auf die neue Nachfrage, während PwC einen spezialisierten Engineering-Track einführte.

In der IT-Dienstleistung führen Effizienzgewinne durch automatisierte Codegenerierung und autonome Wartung zu einem Preisdruck. Der CEO von Hexaware wies darauf hin, dass der Wert traditioneller IT-Services durch diese Entwicklungen um bis zu 25 Prozent sinken könnte, was den Übergang zu ergebnisbasierten Preismodellen beschleunigt.

In der Softwareentwicklung erwarten laut einer GitLab-Studie unter DevSecOps-Führungskräften 80 Prozent der Befragten, dass KI ihre Rollen in den nächsten fÜnf Jahren erheblich verändern wird.

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Auswirkungen auf Beschäftigung und Arbeitsorganisation

Die Erwartungen hinsichtlich der Beschäftigungsentwicklung sind geteilt. Laut einer Bitkom-Umfrage unter 850 Unternehmen rechnen acht von zehn Betrieben mit einem verstärkten Fachkräftemangel, während 27 Prozent einen Stellenabbau durch KI für möglich halten.

Bei Tech-Startups ist die Stimmung optimistischer: 62 Prozent erwarten für das Jahr 2026 steigende Beschäftigungszahlen, obwohl bereits 27 Prozent aufgrund von KI auf Neueinstellungen verzichteten.

Auch im Bankensektor führt der Technologieeinsatz zu neuen Forderungen. Der Deutsche Bankenverband (DBV) regte KI-Entlastungstage für Angestellte an, was vom Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) abgelehnt wurde. Verhandlungen hierzu sind für den 08.10.2026 in Berlin angesetzt.

Während Experten wie Bill Gates vor massiven Jobverlusten warnen und Instrumente wie eine Roboter- oder KI-Token-Steuer vorschlagen, zeigen Daten von Indeed, dass der Stellenmarkt bereits reagiert: Seit November 2022 sind die Ausschreibungen insgesamt um 37 Prozent gesunken, wobei sich die Angebote für Büroberufe (White-Collar) sogar halbiert haben.

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