Fachkräfte-Abwanderung, Spitzenverdiener

Fachkräfte-Abwanderung: 54% der Spitzenverdiener suchen Jobs im Ausland

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 17:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie zeigt: Über die Hälfte der Top-Verdiener in Deutschland orientiert sich beruflich ins Ausland um. Hauptgründe sind höhere Gehälter und geringere Steuerlast.

Deutsche Spitzenverdiener: 54 Prozent suchen aktiv Jobs im Ausland
Ein Schachbrett, auf dem eine König-Figur vom Brett gezogen wird, während andere Figuren zurückbleiben. Im Hintergrund verschwommene Deutschlandkarte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Jobplattform Indeed aus dem Juli 2026.

Besonders betroffen sind Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von mindestens 6.000 Euro. Sie haben entweder schon konkret im Ausland gesucht oder den internationalen Arbeitsmarkt sondiert.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes untermauern den Trend: Innerhalb eines Jahres verließen mehr als 288.000 Deutsche das Land.

Wirtschaftliche Gründe dominieren

Höheres Einkommen und bessere Lebensqualität – das sind die Hauptmotive. Jeweils 51 Prozent der befragten Spitzenverdiener nannten diese Faktoren. Für 42 Prozent spielt zudem die geringere steuerliche Belastung eine zentrale Rolle.

Die meisten wollen nicht nur für kurze Zeit ins Ausland. Rund 77 Prozent der Interessierten planen einen mehrjährigen Aufenthalt oder die dauerhafte Auswanderung.

Bei den Zielregionen liegen die USA vorn: 14,4 Prozent der Suchanfragen entfallen auf die Vereinigten Staaten. Allerdings ist das Interesse im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent gesunken. Stark zugelegt hat dagegen Großbritannien mit einem Plus von 38 Prozent. Das Vereinigte Königreich teilt sich mit der Schweiz den zweiten Platz (jeweils 13,6 Prozent).

Auch die Gesamtbevölkerung zieht es weg

Nicht nur Spitzenverdiener beschäftigen sich mit dem Thema. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zeigt: 21 Prozent der Gesamtbevölkerung haben Interesse an Auswanderung. 2019 lag dieser Wert noch bei 13 Prozent.

Besonders ausgeprägt ist der Wunsch bei jungen Leuten. In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen planen 21 Prozent eine konkrete Auswanderung. Auch hier nennen über die Hälfte bessere Lebensbedingungen als Hauptgrund.

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Auffällig: Personen mit Migrationsgeschichte denken überproportional häufig über einen Wegzug nach. Je nach familiärem Hintergrund liegen die Quoten zwischen 34 und 39 Prozent. Bei Deutschen ohne Einwanderungshistorie sind es nur 17 Prozent.

Steuerdebatte heizt Diskussion an

Die Ergebnisse fallen in eine Zeit intensiver politischer Debatten über die steuerliche Belastung von Leistungsträgern. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner forderte zuletzt die Wiedereinführung der Vermögensteuer. Die MIT-Vorsitzende Gitta Connemann warnte dagegen: Ein solcher Schritt belaste vor allem den Mittelstand.

Innerhalb der Bundesregierung zeichnen sich unterschiedliche Ansätze ab. Teile der SPD drängen auf eine stärkere Belastung hoher Einkommen. Bundesfinanzminister Klingbeil plant zwar eine stärkere Berücksichtigung der Einkommensteuer, lehnt eine Vermögensteuer in seinem offiziellen Konzept aber ab.

Gerüchte über eine staatliche Gebühr für Auswanderer in Höhe von mehreren tausend Euro sind falsch. Behörden stellten klar: Bei der Wohnsitzabmeldung fallen keine regulären Abgaben an, sofern die Meldefristen eingehalten werden.

Industrie warnt vor Standortnachteilen

Neben der Steuerpolitik geraten die allgemeinen Rahmenbedingungen in die Kritik. Evonik-Chef Christian Kullmann fordert eine Verschiebung des Kohleausstiegs in Nordrhein-Westfalen und eine Anpassung des Klimaneutralitätsziels von 2045 auf 2050. Seine Begründung: Defizite in der Netzinfrastruktur und fehlender bezahlbarer Wasserstoff.

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Auch aus der Stahlindustrie kommen mahnende Signale. Salzgitter-Chef Gunnar Groebler warnt: Die geplante Reform des EU-Emissionshandels könnte milliardenschwere Investitionen in umweltfreundliche Produktion gefährden.

Die wachsende Skepsis der Industrie befeuert die Abwanderungstendenzen qualifizierter Fach- und Führungskräfte. Flankiert wird die politische Unruhe durch personelle Veränderungen in der Opposition: Jens Spahn trat am 18. Juli 2026 von seinem Amt als Unionsfraktionschef zurück.

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