EZB-Zinspolitik, Joachim Nagel

EZB-Zinserhöhung im Dezember: Nagel sieht kaum einen Ausweg

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 19:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel rechnet wegen des anhaltend hohen Preisdrucks mit einem weiteren Zinsschritt der Europäischen Zentralbank. Die Entscheidung fällt bei der Sitzung des EZB-Rats am 17. Dezember.

EZB-Rat prüft nächsten Zinsschritt

  • Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält eine Zinserhöhung im Dezember für sehr wahrscheinlich notwendig.
  • Der EZB-Rat berät am 17. Dezember über die weitere Geldpolitik.
  • Der Einlagenzins liegt nach zwei Anhebungen im laufenden Jahr bei 2,5 Prozent.
  • Hält eine Zinserhöhung im Dezember für wahrscheinlich: Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. (Archivbild) - Bild: Soeren Stache/dpa
  • Oberstes Ziel der Euro-Währungshüter sind stabile Preise und eine stabile Währung. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
Hält eine Zinserhöhung im Dezember für wahrscheinlich: Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. (Archivbild) - Bild: Soeren Stache/dpa Oberstes Ziel der Euro-Währungshüter sind stabile Preise und eine stabile Währung. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa

Nagel erwartet EZB-Zinserhöhung im Dezember

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im Dezember für sehr wahrscheinlich notwendig. Der EZB-Rat kommt am 17. Dezember zu seiner nächsten geldpolitischen Sitzung zusammen.

Nagel sieht kaum Spielraum

„Aus heutiger Sicht dürfte (...) kaum ein Weg an einer Zinserhöhung vorbeiführen, wenn sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessert“, sagte Nagel laut Redetext am Abend in Berlin. Er ist Mitglied des EZB-Rates und begründete seine Einschätzung mit dem anhaltend hohen Inflationsdruck.

Die EZB hat die Leitzinsen im laufenden Jahr bereits zweimal angehoben. Bei ihrer Sitzung in der vergangenen Woche beließen die Währungshüter den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins bei 2,5 Prozent.

Teuerung liegt deutlich über EZB-Ziel

Im September lagen die Verbraucherpreise im Euroraum 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das war der höchste Wert seit drei Jahren und deutlich mehr als das mittelfristige Inflationsziel der EZB von 2,0 Prozent.

Nach jüngster Einschätzung der EZB müssen sich die Menschen im Euroraum bis mindestens 2027 auf eine erhöhte Teuerung einstellen. Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und verstärkt damit den Preisdruck.

Risiko einer breiteren Preiswelle

Nagel sagte, der Inflationsdruck falle inzwischen sehr wahrscheinlich höher aus als im September erwartet. Wiederholte Preisschübe bei Energie könnten auch die Preise anderer Waren und Dienstleistungen stärker nach oben treiben und zunehmend auf Lohnforderungen durchschlagen.

Höhere Leitzinsen verteuern Kredite, bremsen dadurch die Nachfrage und können die Inflation dämpfen. Zugleich belasten sie Investitionen und können die Konjunktur schwächen.

EZB hält an Zwei-Prozent-Ziel fest

Die EZB strebt für den inzwischen 21 Länder umfassenden Euroraum mittelfristig eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an. Bei dieser Marke sieht die Notenbank ihr wichtigstes Ziel erfüllt: einen stabilen Euro und den Erhalt der Kaufkraft der Menschen zu sichern.

Die von Joachim Nagel erwartete Zinserhöhung würde eine geldpolitische Reaktion auf den deutlichen Abstand zwischen der aktuellen Inflation und dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent markieren. Im Euroraum lag die Teuerungsrate im September bei 3,8 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie angestrebt. Für die Notenbank verschärft sich damit die Aufgabe, die Preisentwicklung zu bremsen, ohne die Konjunktur unnötig stark zu belasten.

Energiepreise als zentraler Treiber

Der aktuelle Preisdruck hängt vor allem mit höheren Energiepreisen zusammen. Solche Schocks wirken zunächst direkt auf Kraftstoff, Heizung und Strom, können aber über Transportkosten auch weitere Waren und Dienstleistungen verteuern. Nagel verwies zudem auf das Risiko, dass wiederholte Energieschübe die Lohnforderungen verstärken und dadurch eine länger anhaltende Preisaufwärtsbewegung auslösen.

Höhere Leitzinsen verteuern Kredite für Unternehmen und private Haushalte. Das kann Investitionen, Bauvorhaben und Konsum bremsen, reduziert aber zugleich die Nachfrage und kann so den Inflationsdruck dämpfen. Für Sparer kann ein höheres Zinsniveau vorteilhaft sein, während Kreditnehmer mit steigenden Finanzierungskosten rechnen müssen.

Entscheidung im Dezember

Der Einlagenzins liegt derzeit bei 2,5 Prozent; über eine weitere Anhebung entscheidet der EZB-Rat bei seiner Sitzung am 17. Dezember. Maßgeblich bleibt, ob sich der Inflationsausblick bis dahin verbessert. Die geldpolitische Debatte dürfte deshalb zwischen dem Schutz der Kaufkraft und den Risiken einer zusätzlichen Belastung der europäischen Wirtschaft abwägen.

n-tv: „EZB-Ratsmitglied drängt auf weitere Zinserhöhungen im Kampf gegen Inflation“ (02.11.2026)

Der Beitrag berichtet, EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir habe für weitere Zinserhöhungen plädiert und vor einer dauerhaft hohen Inflation gewarnt. Damit bestätigt er den restriktiven Kurs, setzt den Schwerpunkt aber auf Kazimir und die Möglichkeit weiterer Schritte statt auf Nagels konkrete Einschätzung zur Dezember-Sitzung.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70452369 |