EZB-Spitze: Klingbeil plant deutschen Vorschlag bis 28. Oktober
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 11:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBesetzung mehrerer EZB-Spitzenämter
- Finanzminister Lars Klingbeil stimmt den deutschen Vorschlag mit dem Bundeskanzler ab.
- Die Eurogruppe nimmt Kandidaturen bis zum 28. Oktober entgegen.
- Im November soll das Gremium über die Bewerbungen beraten.
Deutschland bereitet Vorschlag für EZB-Führung vor
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil plant die baldige Klärung eines deutschen Personalvorschlags für die künftige Spitze der Europäischen Zentralbank. Der SPD-Politiker sagte am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Bangkok, Deutschland werde im EZB-Direktorium weiter eine Rolle spielen.
Klingbeil stimmt Namen mit Kanzler ab
„Mit welchem Namen an welcher Stelle wir dann antreten, das kläre ich gerade mit dem Bundeskanzler“, sagte Klingbeil. Im Mittelpunkt steht derzeit die Nachfolge der scheidenden EZB-Direktorin Isabel Schnabel.
Kandidaturen bis Ende Oktober
Eurogruppen-Präsident Kyriakos Pierrakakis hatte mitgeteilt, dass Kandidaturen bis zum 28. Oktober eingereicht werden müssen. Beim nächsten Treffen des Gremiums im November kann darüber beraten werden.
Schnabel wechselt zum IWF
Die EZB hatte Ende September mitgeteilt, dass Schnabel Anfang 2027 vorzeitig ausscheidet und zum Internationalen Währungsfonds wechselt. Die deutsche Top-Ökonomin gehört damit künftig nicht mehr zum Direktorium der Notenbank.
Weitere Spitzenposten werden frei
Zusätzlich halten sich seit Monaten Spekulationen über einen möglichen vorzeitigen Abschied von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Ihre Amtszeit reicht regulär bis Oktober 2027; sie wird wiederholt mit dem Vorsitz des Weltwirtschaftsforums in Davos in Verbindung gebracht.
Kandidaten aus mehreren Ländern
Ab Juni 2027 braucht die EZB außerdem einen neuen Chefökonomen, weil die Amtszeit von Philip Lane endet. Deshalb gilt ein europäisches Paket für mehrere Spitzenposten als wahrscheinlich.
Ambitionen für die EZB-Präsidentschaft hat auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel angemeldet. Spanien unterstützt Pablo Hernández de Cos, den Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, während die Niederlande ihren früheren Notenbankchef Klaas Knot ins Spiel bringen.
Die Personalfrage gewinnt an Bedeutung, weil an der EZB innerhalb kurzer Zeit mehrere Spitzenpositionen neu geordnet werden könnten. Den unmittelbaren Anlass bildet der angekündigte vorzeitige Abschied Isabel Schnabels Anfang 2027. Mit ihrem Wechsel zum Internationalen Währungsfonds verliert das Direktorium eine deutsche Vertreterin und zugleich eine international profilierte Ökonomin.
Für Deutschland geht es damit nicht nur um die Benennung einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers. Die Bundesregierung muss auch entscheiden, ob sie den deutschen Anspruch auf einen bestimmten Posten mit einer größeren europäischen Verständigung über mehrere Ämter verbindet. Der von Eurogruppen-Präsident Kyriakos Pierrakakis genannte Termin am 28. Oktober setzt dafür einen engen politischen Zeitrahmen.
Mehrere Schlüsselposten im Blick
Die möglichen Personalentscheidungen fallen in eine Phase, in der auch die Zukunft der EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowie die Nachfolge des Chefökonomen Philip Lane diskutiert werden. Lagardes reguläre Amtszeit läuft bis Oktober 2027, Lanes Amtszeit endet im Juni 2027. Ein abgestimmtes Paket könnte deshalb nationale Interessen, fachliche Erfahrung und das institutionelle Gleichgewicht im Euroraum miteinander verbinden.
Für Leserinnen und Leser im Euroraum haben die Entscheidungen praktische Bedeutung: Die EZB bestimmt maßgeblich über die Geldpolitik, die Zinsen und damit über Finanzierungsbedingungen für Haushalte, Unternehmen und Staaten. Wer die Spitzenämter übernimmt, beeinflusst zudem die Kommunikation und die strategische Ausrichtung der Notenbank in den kommenden Jahren.
