EZB Inflation: Verbraucher sehen wegen Iran-Krieg dauerhaft höhere Preise
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 10:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Verbraucher im Euroraum stellen sich wegen des Iran-Kriegs und des damit verbundenen Ölpreisschocks auf anhaltend höhere Inflation ein.
Inflationserwartungen steigen auf kurze und lange Sicht
Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten die Befragten im Schnitt für die kommenden zwölf Monate eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. Im Juli hatten sie noch mit 2,9 Prozent gerechnet. Auch mittelfristig bleiben die Erwartungen erhöht: Für die nächsten drei Jahre sehen die Verbraucher im Durchschnitt eine Teuerungsrate von 2,9 Prozent nach zuvor 2,7 Prozent. Auf Sicht von fünf Jahren legten die langfristigen Erwartungen ebenfalls leicht zu.
Iran-Krieg treibt Energiepreise in die Höhe
Als Hauptgrund für den Anstieg nennt die EZB deutlich gestiegene Energiepreise infolge des Iran-Kriegs. Besonders beim Tanken und Heizen spürten die Menschen den Ölpreisschock. Die Notenbank hält fest, dass die Unsicherheit über die Inflationserwartungen für die nächsten zwölf Monate zwar abgenommen habe, aber weiterhin über dem Niveau vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten liege.
EZB-Ziel verfehlt, weitere Zinsschritte im Blick
Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent im Euroraum an. Der Iran-Krieg hat die Teuerung im Währungsraum im August jedoch auf 3,2 Prozent getrieben und damit erneut klar über das Ziel gehoben. Als Reaktion erhöhte die Notenbank den für Sparer und Banken wichtigen Einlagenzins zuletzt auf 2,5 Prozent. Volkswirte rechnen damit, dass bis zum Jahresende weitere Anhebungen folgen könnten.
Risiko für Wirtschaft und Kreditkosten
Steigende Zinsen verteuern Kredite für private Haushalte und Unternehmen. Das kann die Nachfrage dämpfen und damit helfen, die Inflation zu bremsen. Gleichzeitig wächst für die Wirtschaft im Euroraum die Gefahr, dass eine zu starke Straffung der Geldpolitik die Konjunktur merklich belastet oder gar abwürgt.
Umfrage in elf Euroländern
Die EZB stützt sich bei ihrer Einschätzung der Erwartungen auf die monatliche Online-Befragung "Consumer Expectations Survey". Sie umfasst rund 19.000 Verbraucherinnen und Verbraucher aus elf Euroländern, darunter Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien. Die aktuelle Erhebung, auf die sich die jetzt veröffentlichten Ergebnisse beziehen, fand zwischen dem 6. und 24. August statt und ergänzt andere Datenquellen in den geldpolitischen Analysen der Notenbank.
Inflationserwartungen als entscheidender Faktor für die Geldpolitik
Steigende Inflationserwartungen der Verbraucher gelten in der Geldpolitik als besonders sensibel, weil sie das tatsächliche Preisgeschehen verstärken können. Wenn Haushalte fest damit rechnen, dass Energie, Lebensmittel oder Dienstleistungen teurer werden, neigen sie dazu, größere Anschaffungen vorzuziehen und höhere Preise eher zu akzeptieren. Unternehmen wiederum richten sich bei ihrer Preis- und Lohnpolitik an diesen Erwartungen aus. So kann sich ein anfänglicher Ölpreisschock zu einer breiteren Teuerungswelle ausweiten, die sich schwerer bremsen lässt.
Für die Europäische Zentralbank sind die jetzt gemessenen Erwartungen deshalb mehr als eine Stimmungsgröße. Sie ergänzen die amtlichen Inflationsdaten und helfen abzuschätzen, ob die Menschen der Notenbank zutrauen, die Teuerung wieder in Richtung des Zielwerts von zwei Prozent zu führen. Bleiben die Erwartungen über längere Zeit deutlich darüber, sieht die EZB ihre Glaubwürdigkeit gefährdet. Das erhöht den Druck, die Zinsen weiter anzuheben oder länger hoch zu halten, auch wenn die aktuelle Inflationsrate bereits etwas zurückgeht.
Belastung für Haushalte, Unternehmen und Staaten
Der aktuelle Preisschub durch den Iran-Krieg trifft viele Haushalte an einem empfindlichen Punkt: Energieausgaben für Heizung, Strom und Mobilität machen einen wesentlichen Teil des Budgets aus. Steigende Kreditkosten durch höhere Leitzinsen kommen vor allem bei Immobilienfinanzierungen und Unternehmenskrediten hinzu. Für Firmen verteuern sich Investitionen, und Unsicherheit über die künftige Nachfrage kann Projekte ausbremsen. Gleichzeitig stehen viele Staaten im Euroraum vor der Herausforderung, hohe Schuldenstände mit höheren Zinslasten zu bedienen, ohne ihre Haushalte zu überlasten.
Unsichere Perspektive zwischen Energiekrise und Konjunkturrisiken
Wie sich die Lage weiter entwickelt, hängt stark von der Dauer und Intensität des Konflikts im Nahen Osten und dessen Folgen für die globalen Energiemärkte ab. Bleiben Öl- und Gaspreise länger hoch oder steigen weiter, dürfte das die Inflation im Euroraum hartnäckig über Ziel halten und die EZB zu einer restriktiveren Linie zwingen. Eine zu starke Zinsbremse birgt jedoch das Risiko, eine ohnehin schwache Konjunktur in eine Rezession zu drücken. Für Verbraucher und Unternehmen bleibt die Kombination aus teurer Energie, hohen Lebenshaltungskosten und wachsenden Finanzierungskosten damit vorerst ein zentrales Risiko für Planungssicherheit und Wohlstand.
