Exportkontroll-Skandal: Anklage gegen 9 Personen wegen Nvidia-Server-Schmuggel
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Staatsanwaltschaft im taiwanischen Keelung hat am 24. August 2026 Anklage gegen neun Personen wegen der illegalen Umleitung von Hochleistungs-KI-Servern nach China erhoben. Unter den Beschuldigten befinden sich ein Vertriebsmanager von Nvidia Taiwan sowie zwei Vertriebsmitarbeiter des Serverherstellers Supermicro. Den Angeklagten wird vorgeworfen, Exportkontrollen für Nvidia-B300-Server systematisch umgangen zu haben.
Massive Umgehung von Exportkontrollen für KI-Server
Laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Keelung betrifft der Fall insgesamt 130 gekaufte Einheiten der begehrten B300-Server von Nvidia. Davon erreichten 74 Server bereits Festland-China, während die verbleibenden 56 Geräte vom Zoll gestoppt werden konnten.
Die Ermittler beziffern den mutmaßlichen Gewinn der Angeklagten auf insgesamt 21.205.531 US-Dollar. Dies entspreche etwa 18,4 Millionen Euro oder rund 6,7 Milliarden Neuen Taiwan-Dollar beziehungsweise 1,43 Milliarden Chinesischen Yuan.
Gegen die Beteiligten wurden Vorwürfe der Untreue sowie der Urkundenfälschung erhoben. Die Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen in einem Rahmen von 1,5 bis 6 Jahren. Für vier der Hauptangeklagten werde ein Strafmaß von fünf Jahren angestrebt.
Professionelle Täuschung durch gefälschte Dokumente und Standorte
Den Untersuchungsergebnissen zufolge wandten die Beschuldigten komplexe Schmuggelmethoden an, um die strengen Exportrichtlinien zu unterlaufen. Hierzu zählte die Erstellung unrichtiger Dokumente sowie die Angabe vorgetäuschter Endabnehmer.
Um die Rechtmäßigkeit der Lieferungen vorzutäuschen, sollen die Beteiligten sogar die Besichtigung eines gefälschten Rechenzentrums inszeniert haben. Die tatsächliche Lieferung der Hardware erfolgte schließlich über Umwege im Übersee-Handel.
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Im Zuge der illegalen Geschäfte erhielten die zwei angeklagten Supermicro-Vertriebsmitarbeiter laut Aktenlage Leistungsboni in Höhe von 62.800 US-Dollar beziehungsweise 83.900 US-Dollar. Einem ebenfalls beteiligten Geschäftsführer des Unternehmens Albatron wird zudem die Unterschlagung von 39,15 Millionen Neuen Taiwan-Dollar vorgeworfen.
Untersuchungsergebnisse bei Supermicro und globale Auswirkungen
Bereits am 20. August 2026 hatte Supermicro die Ergebnisse einer unabhängigen internen Untersuchung bekannt gegeben. Diese wurde von unabhängigen Direktoren unter Einbeziehung externer Anwälte und forensischer Buchhalter durchgeführt.
Die Prüfung ergab laut Unternehmensangaben keine Belege dafür, dass die aktuelle Führungsebene von der Umleitung der Nvidia-Chip-Server nach China Kenntnis hatte. Es seien keine direkten Verkäufe an beschränkte Parteien festgestellt worden.
Dennoch habe das Unternehmen Personalmaßnahmen in Form von Kündigungen ergriffen und die Export-Compliance gestärkt. Die Finanzberichte des Unternehmens seien weiterhin als zuverlässig einzustufen.
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Der aktuelle Fall steht in einem größeren Kontext rechtlicher Auseinandersetzungen um Server-Exporte. Bereits im März 2026 hatten US-Justizbehörden Anklage gegen drei Personen erhoben, darunter der frühere Senior-Vizepräsident von Supermicro namens Liaw. In diesem parallelen US-Fall geht es um die Verschwörung zum Versand von Servern nach China mit einem geschätzten Volumen von 2,5 Milliarden US-Dollar.
Verschärfung der Exportregeln belastet Finanzmärkte
Die Behörden in Taiwan reagierten auf die Vorfälle mit der Ankündigung, die Exportkontrollen für KI-Chips auf alle Unternehmen in Festland-China auszuweiten. Nicht genehmigte Exporte sollen künftig einen Straftatbestand darstellen. Diese Maßnahmen würden in enger Abstimmung mit den USA erfolgen.
An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für Unruhe. Die Aktie des Chipherstellers TSMC verzeichnete an der taiwanischen Börse infolge der Ankündigung kurzzeitig einen Kursrückgang von fast 5 %. Das chinesische Handelsministerium reagierte seinerseits auf die Entwicklungen und setzte acht taiwanische Unternehmen auf eine eigene Exportkontrollliste.
