Evonik-Übernahme: BASF stellt Kündigungsverzicht bis 2032 in Aussicht
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deBerichte über anstehende Standortübernahmen und die zunehmende Auseinandersetzung mit globalen wirtschaftlichen Einflussen verlangen den betrieblichen Interessenvertretungen in Deutschland derzeit eine aktive Rolle ab.
Ob Einstiege ausländischer Finanzinvestoren, innerdeutsche Großfusionen in der Chemiebranche oder industriepolitische Rettungsmodelle im Automobilsektor: Für Betriebsräte und Gewerkschaften steht die Sicherung von Standorten, Beschäftigung und Tarifstandards im Mittelpunkt des Geschehens.
Qiagen vor Übernahme durch EQT: Belegschaft fordert Transparenz
Beim Dax-Konzern Qiagen, dessen Holding im niederländischen Venlo und operative Zentrale in Hilden liegt, steht ein Eigentümerwechsel bevor. Der schwedische Finanzinvestor EQT bietet rund 9,6 Milliarden Euro für das Unternehmen. Management und Aufsichtsrat befürworten die Transaktion bereits, und Branchenanalysten rechnen mit einer Annahme durch die Aktionäre, sodass ein Abschluss Mitte 2027 möglich erscheint.
Die Belegschaft erfuhr von der geplanten Übernahme allerdings erst über die Medienberichterstattung. Die Betriebsratsvorsitzende Maria Luisa Campobasso forderte daraufhin eine frühzeitige Einbindung sowie verlässliche Zukunftsperspektiven für das Werk in Hilden, an dem rund 1500 der weltweit rund 5500 Beschäftigten an über 35 Standorten tätig sind.
Betriebsräte in der Krise: Wie Sie mit dem Wirtschaftsausschuss aktiv Einfluss sichern. Der bewährte Praxis-Leitfaden vom VNR Verlag liefert Ihnen das nötige Werkzeug, um die Geschäftsleitung zur Transparenz zu zwingen. Wirtschaftsausschuss-Guide kostenlos als PDF-Download
Ein Sprecher des Investors EQT verwies auf Zusagen im Bereich Forschung und Entwicklung sowie auf Regelungen für die Mitarbeitenden. Hildens Bürgermeister Claus Pommer erklärte, die Stadt bleibe der größte Standort und das europäische Hauptquartier des Konzerns.
Der Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf-Mettmann, Gregor Berghausen, wertete das Angebot als Vertrauensbeweis, äußerte jedoch zugleich den Wunsch nach mehr Übernahmen durch deutsche Akteure.
BASF und Evonik: Beschäftigungssicherung bei Verhandlungen im Fokus
Auch im Chemiesektor ringen Konzerne und Arbeitnehmervertreter um Sicherheiten. BASF-Chef Markus Kamieth stellte in einer Videobotschaft in Aussicht, bei einer Übernahme von Evonik auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 zu verzichten. Tarifverträge und die gelebte Sozialpartnerschaft sollten demnach unangetastet bleiben.
Zudem sollten Essen und Nordrhein-Westfalen durch mindestens ein Vorstandsressort vertreten sein. Für die Chemieparks von Evonik mit rund 3500 Beschäftigten stellte Kamieth in Aussicht, dass Standorte wie Marl und Wesseling eigenständig weiterbetrieben werden könnten.
Wer sich mit dem Thema betriebsbedingte Kündigung oder Standortsicherung befasst, muss seine Mitbestimmungsrechte genau kennen. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie mit Musterdokumenten dabei, faire Sozialpläne für die Belegschaft zu verhandeln. Kostenlosen Sozialplan-Ratgeber jetzt herunterladen
Mit diesen Zusagen will BASF Vorbehalte der Gewerkschaften und der Landesregierung abbauen; Kamieth argumentierte, die deutsche Industrie müsse sich konsolidieren, bevor ausländische Investoren zugreifen.
BASF und Evonik hatten entsprechende Gespräche im September bestätigt. Evonik wies eine erste Offerte von rund 14 Milliarden Euro beziehungsweise rund 22,15 Euro je Aktie als unzureichend zurück. Am 22. Oktober notierte das Evonik-Papier mit einem Minus von rund 1,3 Prozent bei 20,62 Euro.
Die RAG-Stiftung hält rund 43 Prozent an Evonik, während der Konzern parallel eine Übernahme des US-Rivalen Ashland prüft. Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft IG BCE und zugleich Aufsichtsratsmitglied bei BASF, erklärte sich im Kontrollgremium für befangen, schloss eine Leitungsfunktion bei der RAG-Stiftung kategorisch aus und formulierte Bedingungen für eine Einigung beider Seiten.
Widerstand gegen Transformationspläne im VW-Werk Zwickau
In der Automobilindustrie sorgt derweil der Umgang mit Produktionsausläufen für scharfe Kritik der Gewerkschaften. Nachdem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer am 21. Oktober 2026 den Vorschlag unterbreitete, für das VW-Werk Zwickau eine neue eigenständige Gesellschaft namens Auto-Union Sachsen mit mehrheitlicher VW-Beteiligung und separaten Tarifverträgen zu gründen, stieß der Vorstoß auf geschlossene Ablehnung der Arbeitnehmerseite.
Der Zwickauer IG-Metall-Chef Thomas Knabel stellte klar, dass die Beschäftigten nicht die Ursache der Probleme seien und warnte vor Eingriffen in Arbeitszeiten und Löhne. Der IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Jan Otto, wies das Modell ebenfalls zurück und lehnte eine Einmischung der Politik in die Tarifautonomie entschieden ab.
Hintergrund der Debatte ist das für 2031 geplante Auslaufen der Fertigung in Zwickau, von dem rund 8000 Arbeitsplätze im Werk sowie Tausende weitere in der Zulieferindustrie betroffen wären. Während der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Körber das Modell befürwortet, betonte die Linke-Fraktionschefin Susanne Schaper, die Hauptverantwortung liege beim VW-Management.
