Evonik-Abbau, Stellen

Evonik-Abbau: 3.200 Stellen bis 2029, Polyester-Geschäft endet

19.06.2026 - 18:12:23 | boerse-global.de

Evonik streicht bis 2029 rund 3.200 Stellen, der Großteil in Deutschland. Das Polyester-Geschäft wird eingestellt, betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2032 ausgeschlossen.

Evonik startet größten Stellenabbau der Firmengeschichte
Evonik-Abbau - Ein unscharfes Bild eines Arbeiters in einer Fabrikhalle, der die Unsicherheit des Stellenabbaus in der Industrie darstellt. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bis Ende 2029 fallen weltweit rund 3.200 Stellen weg – der Großteil davon in Deutschland.

Rund 2.150 Arbeitsplätze sind an deutschen Standorten betroffen. Die Maßnahmen ergänzen ein bereits laufendes Effizienzprogramm, das bis Ende 2026 weitere 2.800 Stellen streicht. Betroffen sind alle Geschäfts- und Verwaltungseinheiten, besonders die Führungsebenen.

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Polyester-Geschäft wird eingestellt

Ein zentraler Grund für den Umbau: Das unrentable Polyester-Geschäft wird bis 2027 komplett eingestellt. Die Folge: Der Standort Witten mit 266 Beschäftigten schließt. Auch in Marl und Shanghai werden Stellen gestrichen.

CEO Christian Kullmann begründet den Schritt mit der unsicheren Weltlage und schwachem Wirtschaftswachstum. Trotz des massiven Abbaus betont der Konzern die Sozialverträglichkeit. Dank einer Vereinbarung mit der Gewerkschaft IGBCE sind betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis 2032 ausgeschlossen. Der Stellenabbau läuft über Aufhebungsverträge, Altersteilzeit und Abfindungen. Dafür hat Evonik 100 Millionen Euro eingeplant.

Ford streicht 3.500 Stellen in Köln

Auch die Autoindustrie kämpft mit den Folgen der Transformation. Am Ford-Standort Köln sind im Juni 2026 rund 3.500 Stellen in Entwicklung, Verwaltung und Produktion vom Abbau betroffen. Grund ist die schwache Nachfrage nach neuen E-Modellen. Auch hier setzt der Hersteller auf Freiwilligenprogramme.

Die Entwicklung ist Teil eines breiteren Trends. Das verarbeitende Gewerbe hat seit 2019 rund 420.000 Arbeitsplätze verloren, so eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). 2025 sank die Beschäftigtenzahl auf 6,6 Millionen – der niedrigste Stand seit einem Jahrzehnt.

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Experten beobachten, dass der Abbau oft schleichend über die Nichtbesetzung frei werdender Stellen erfolgt. Doch der Druck wächst: Wacker plant 1.500 Stellenstreichungen, Lanxess 550.

BAG verschärft Kündigungsschutz

Flankiert werden die Umbrüche durch neue Urteile des Bundesarbeitsgerichts (BAG). In einer Entscheidung vom 18. Juni 2026 stärkten die Erfurter Richter den Schutz für Arbeitnehmer in Elternzeit. Der besondere Schutz beginnt demnach vor jedem einzelnen Abschnitt einer aufgeteilten Elternzeit neu – auch wenn alle Zeiträume gemeinsam beantragt wurden. Ohne Zustimmung der Landesbehörde ist eine Kündigung unwirksam.

Zudem präzisierte das BAG die Regeln für Massenentlassungsanzeigen. Diese müssen zwingend vor Ausspruch der Kündigung bei der Agentur für Arbeit eingereicht werden. Fehler im Verfahren oder eine vorzeitige Anzeige vor Abschluss der Betriebsratsberatung machen die Kündigung unwirksam.

Immer mehr Führungskräfte arbeitslos

Der Strukturwandel erreicht zunehmend die Managementebene. 2025 stieg die Zahl arbeitsloser Führungskräfte um 14 Prozent auf 49.000. Arbeitsrechtler raten betroffenen Managern zu einer sachlichen Herangehensweise. Bei Aufhebungsverträgen gilt ein Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr als realistischer Richtwert.

Experten empfehlen, sich bei Vertragsverhandlungen nicht unter Druck setzen zu lassen. Eine angemessene Reaktionszeit von ein bis zwei Wochen sollte man sich nehmen.

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