Evonik: 1.850 Stellen bis Ende 2026 – aber keine Zwangskündigungen
04.06.2026 - 14:18:24 | boerse-global.deBis Ende 2026 sollen rund 1.850 Stellen gestrichen werden, ein Großteil davon bereits im laufenden Jahr. Das Unternehmen setzt dabei auf freiwillige Abgänge – betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2032 ausgeschlossen.
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Konzern baut Bürokratie ab
Das Restrukturierungsprogramm zielt darauf ab, die interne Hierarchie zu verschlanken und überflüssige Führungsebenen zu entfernen. Konzernchef Christian Kullmann macht keinen Hehl daraus, dass es ihm um den Abbau von Verwaltungsballast geht. Besonders die Führungsriege soll schrumpfen, um schlagkräftiger zu werden.
Schon Anfang der Woche wurde bekannt: Rund 1.000 der geplanten Stellenstreichungen werden noch 2026 umgesetzt. Die langfristigen Tarifvereinbarungen schützen die Belegschaft jedoch: Bis 2032 gibt es keinen Zwang zu betriebsbedingten Kündigungen. Der Stellenabbau erfolgt über Aufhebungsverträge und natürliche Fluktuation.
Abfindungen im dreistelligen Millionenbereich
Die Kosten für den Personalabbau sind gewaltig. Allein für die aktuelle Phase zahlt Evonik rund 100 Millionen Euro an Abfindungen. Personalvorstand Thomas Wessel bezifferte die Abfindungszahlungen des vergangenen Geschäftsjahres auf etwa 97 Millionen Euro – Investitionen, die sich langfristig durch geringere Personalkosten rechnen sollen.
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Die Börse reagierte verhalten: Am 4. Juni fiel die Evonik-Aktie um 5,68 Prozent auf 15,78 Euro. Analysten führen den Kursrutsch jedoch auf den Dividendenabschlag zurück. Der Börsenwert des Konzerns liegt weiterhin bei rund 7,35 Milliarden Euro.
Regionale Wirtschaft im Umbruch
Evonik ist kein Einzelfall in Nordrhein-Westfalen. In Dortmund-Ellinghausen baut der Möbelriese Ikea mehr als 250 Stellen ab. Die schwedische Kette schließt ihre IT-Tochter Ikea IT Germany GmbH bis Ende Oktober und streicht zudem 170 Positionen in der Einkaufs- und Logistikabteilung.
Auch die Fraunhofer-Gesellschaft kündigt massive Einschnitte an: Rund 1.200 Vollzeitstellen sollen wegen struktureller Defizite und sinkender Drittmittel wegfallen.
„Ruhrpott-Rebellion" gegen Stellenabbau
Angesichts der Jobverluste formiert sich Widerstand. Ein Bündnis aus 14 Gewerkschaften und Verbänden hat Proteste angekündigt. Die „Ruhrpott-Rebellion" plant Demonstrationen im Juli: am 3. Juli in Gelsenkirchen, am 4. Juli in Duisburg, Höhepunkt am 11. Juli mit Kundgebungen in Dortmund und Essen.
Während Evonik seine Verwaltung zusammenlegt, ziehen sich andere deutsche Industriegiganten aus Investitionen zurück. Boehringer Ingelheim stoppte kürzlich geplante Investitionen von 900 Millionen Euro in Deutschland für die Jahre 2027 bis 2030 – Grund sind Änderungen im gesetzlichen Krankenversicherungssystem. Im Gegensatz zu Evonik sind beim Pharmakonzern aber keine Stellenstreichungen geplant.
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