Eurozone-Inflation, Iran-Krieg

Eurozonen-Inflation steigt wegen Iran-Krieg auf Drei-Jahres-Hoch

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 11:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Inflation im Euroraum ist im September wegen stark gestiegener Energiepreise auf 3,8 Prozent geklettert. Damit wächst der Druck auf die EZB, ihre Zinsen weiter anzuheben.

Die Inflation in der Eurozone steigt: Die Finanzmärkte erwarten fest eine Zinserhöhung der EZB. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa
Die Inflation in der Eurozone steigt: Die Finanzmärkte erwarten fest eine Zinserhöhung der EZB. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa

Die Inflation in der Eurozone ist im September wegen hoher Energiepreise deutlich auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen.

Teuerung deutlich beschleunigt

Die Verbraucherpreise legten im Jahresvergleich um 3,8 Prozent zu, wie das Statistikamt Eurostat in Luxemburg nach einer ersten Schätzung mitteilte. Höher lag die Inflationsrate zuletzt im September 2023. Im August hatte sie 3,2 Prozent betragen.

Die Rate liegt damit weit über dem Preisziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die mittelfristig eine Jahresinflation von zwei Prozent anstrebt. Ökonomen erwarten, dass die EZB die Leitzinsen ein drittes Mal in diesem Jahr erhöht. Der für Sparer und Banken wichtige Einlagenzins würde dann auf 2,75 Prozent steigen.

Öl und Sprit als Preistreiber

„Es sind vor allem die massiven Preiserhöhungen bei Energie, die die Inflation auf den höchsten Stand seit Herbst 2023 steigen ließen“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er verwies darauf, dass Unternehmen die höheren Energiepreise zunehmend an ihre Kunden weitergäben. Dieses Verfestigen der Inflation werde der EZB nicht gefallen.

VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel rechnet mit einer Zinserhöhung der EZB im Dezember. Bei der Oktober-Sitzung dürften die Währungshüter die Leitzinsen zunächst konstant halten.

Energiepreise steigen fast 19 Prozent

Die Energiepreise stiegen im September im Euroraum um 18,8 Prozent im Jahresvergleich, nach 14,3 Prozent im August. Mit dem Iran-Krieg zogen die Rohölpreise an den Börsen kräftig an; dadurch verteuerten sich auch Benzin und Diesel. Zusätzlich beschleunigte sich der Preisauftrieb bei Dienstleistungen.

In Deutschland stieg die Inflationsrate auf 3,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2023. Steigende Preise für Heizen und Tanken waren die wichtigsten Treiber. Von Oktober bis Jahresende sollen die Steuern auf Kraftstoffe durch einen erneuten Tankrabatt um rund 17 Cent je Liter sinken.

Energie macht den Unterschied

Der Inflationssprung im Euroraum ist vor allem ein Energieproblem. Wenn Öl- und Kraftstoffpreise stark steigen, verteuern sich zunächst Mobilität, Heizung und Transport. Über höhere Produktions- und Lieferkosten können anschließend auch Waren und Dienstleistungen teurer werden. Die Kerninflation von 2,4 Prozent in Deutschland zeigt zugleich, dass der Preisauftrieb außerhalb von Energie und Lebensmitteln deutlich geringer ist.

Entlastung an der Tankstelle

In Deutschland soll der ab Oktober geltende Tankrabatt den Preisdruck vorübergehend dämpfen. Die Steuersenkung von rund 17 Cent je Liter kann die gemessene Inflation kurzfristig senken, ändert aber nichts an der Ursache des Ölpreisschocks. Zudem hängt die tatsächliche Entlastung davon ab, wie stark die Maßnahme an den Tankstellen weitergegeben wird.

Dilemma für die EZB

Für die Europäische Zentralbank entsteht ein schwieriger Zielkonflikt: Höhere Zinsen können die Nachfrage bremsen und verhindern, dass sich der Energiepreisschub in Löhnen, Dienstleistungen und weiteren Preisen festsetzt. Gegen den ursprünglichen Ölpreisanstieg wirken sie jedoch nur indirekt. Eine weitere Zinserhöhung würde Kredite verteuern und Investitionen sowie Baufinanzierungen belasten. Für Haushalte bedeutet die Entwicklung daher zugleich höhere laufende Ausgaben und voraussichtlich anhaltend hohe Finanzierungskosten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Inflationsrate steigt im September auf 3,3 Prozent“ (30.09.2026)

Der Bericht bestätige den starken Energieeffekt und hebe für Deutschland besonders die Rekordpreise für Benzin, Diesel und Heizöl hervor. Anders als die dpa-Meldung zur Eurozone richte er den Schwerpunkt auf die deutsche Entwicklung und ergänze, dass auch Dienstleistungen und mögliche höhere Strom- und Gaspreise den Preisdruck verstärken könnten.

n-tv: „Kraftstoffe als größte Preistreiber: Deutsche Inflationsrate steigt im September auf 3,3 Prozent“ (30.09.2026)

Der Artikel bestätige die Bedeutung des Iran-Kriegs und der gestiegenen Ölpreise für die Teuerung. Er setze einen anderen Schwerpunkt auf den deutschen Tankrabatt und führe die Erwartung an, dass die EZB ihre Zinsen im Dezember weiter anheben könnte; offen bleibe, wie dauerhaft der Energiepreisschub auf andere Preise übergreife.

Beide Berichte stellten Energie und Kraftstoffe als zentrale Preistreiber heraus. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Blickwinkel: Während die dpa-Meldung die Eurozone und die EZB in den Mittelpunkt rücke, konzentrierten sich die anderen Beiträge auf deutsche Verbraucherpreise, Entlastungen und die Weitergabe höherer Kosten.

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