EUDR-Revision, Lobbying-Skandal

EUDR-Revision: Lobbying-Skandal um 1,5 Mio. Euro für Leder-Ausnahme

27.05.2026 - 20:19:10 | boerse-global.de

Die geplante EUDR-Revision entzweit Wirtschaft und Umweltschützer. Während Druckereien mehr Entlastung fordern, deckt ein Bericht massive Lobbyarbeit der Lederindustrie auf.

EUDR-Revision: Lobbying-Skandal um 1,5 Mio. Euro für Leder-Ausnahme - Foto: über boerse-global.de
EUDR-Revision: Lobbying-Skandal um 1,5 Mio. Euro für Leder-Ausnahme - Foto: über boerse-global.de

Während Druckereien und Medienverbände mehr Entlastung fordern, decken Umweltschützer massive Lobbying-Aktivitäten der Luxusgüterindustrie auf.

Druckindustrie: „Entlastung geht nicht weit genug"

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Der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) hat die jüngsten Revisionsvorschläge der EU-Kommission scharf kritisiert. Die geplanten Erleichterungen für die nachgelagerte Lieferkette seien völlig unzureichend, erklärte BVDM-Chefin Kirsten Hommelhoff. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) drohten unter der Bürokratielast zu ersticken.

„Die aktuelle Regelung schafft keine verlässliche Grundlage, um kleinere Betriebe vor übermäßigen Verwaltungspflichten zu schützen", so Hommelhoff. Der Verband fordert eine vollständige Befreiung aller Druckerzeugnisse sowie drastisch reduzierte Registrierungs- und Dokumentationspflichten. Zwar begrüßt der BVDM die geplante Herausnahme bestimmter Produkte aus dem Regelungsbereich – das reiche aber bei Weitem nicht aus.

Ein zentraler Streitpunkt: die Haftung nachgelagerter Unternehmen. Der Verband pocht auf das Versprechen der Kommission, dass Firmen weiter unten in der Lieferkette nicht für Umweltverstöße im Ursprungsland belangt werden dürfen. Hommelhoff warnt zudem vor überzogenen Risikomanagement-Maßnahmen großer Konzerne, die vor allem kleinere Betriebe in Bedrängnis brächten.

Lobbying-Skandal: Luxuskonzern will Leder ausnehmen

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Während Industrieverbände mehr Erleichterungen fordern, schlagen Umweltschutzorganisationen Alarm. Ein brisanter Bericht von Global Witness enthüllt eine koordinierte Lobbykampagne zur Herausnahme von Leder aus der EUDR. Im Zentrum der Vorwürfe: Fabrizio Nuti, Chef der Gerberei Nuti Ivo und Präsident des italienischen Lederverbands UNIC.

Die Zahlen sind beachtlich: UNIC und der europäische Dachverband COTANCE haben in den vergangenen fünf Jahren rund 1,5 Millionen Euro in EU-Lobbying investiert. Die Recherche verknüpft Nutis paraguayische Gerbereien zudem mit Unternehmen, die für die Zerstörung von 111.000 Hektar Wald im Gran-Chaco-Gebiet verantwortlich sein sollen.

Die EU-Kommission erwägt offenbar, Leder tatsächlich von der Produktliste zu streichen. Umweltschützer sehen darin einen gefährlichen Präzedenzfall: „Das würde Industrien mit hohem ökologischem Fußabdruck belohnen und die Glaubwürdigkeit der gesamten Verordnung untergraben", warnen Kritiker.

Naturwiederherstellungsgesetz: Rechtsunsicherheit bremst Umsetzung

Die Konflikte um die EUDR sind kein Einzelfall. Auch beim Nature Restoration Law (WVO) , das seit August 2024 in Kraft ist, gibt es erhebliche Umsetzungsprobleme. NABU und die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) fordern von der Bundesregierung eine klarere Abgrenzung der Pflichten im nationalen Wiederherstellungsplan.

Experten bemängeln die Vermischung von allgemeinen Bemühungspflichten und strikten Erfolgsvorgaben. Diese Unschärfe schaffe Rechtsunsicherheit und gefährde die Akzeptanz in der Bevölkerung und der Industrie. Eine klare Trennung zwischen freiwilligen Programmen und verbindlichen Auflagen sei überlebenswichtig für das gesamte Projekt.

In Österreich übt der WWF scharfe Kritik am Entwurf für die Natura-2000-Schutzgebiete der Osttiroler Gletscherflüsse. Konkrete Schutzziele für Lebensräume und Arten wie die Deutsche Tamariske oder den Eisvogel fehlten völlig. Bereits im März 2026 hatte die EU-Kommission Österreich offiziell zur Nachbesserung aufgefordert.

Weitere regulatorische Fallstricke

Die kommenden Monate werden zur Bewährungsprobe für die EU-Kommission. Mehrere Fristen laufen ab:

  • Schwefelhexafluorid-Verbot: Umweltverbände wie die DUH fordern ein Totalverbot des Pestizids, das über 20 Jahre 7.500 Mal klimaschädlicher ist als CO?. Die Zulassung läuft am 31. Januar 2027 aus.

  • Datenzentren-Flut: Der BUND Hessen schlägt Alarm wegen des steigenden Flächenverbrauchs durch Rechenzentren, besonders im Raum Frankfurt. Der Branchenverband Bitkom erwartet, dass die Stromkapazität deutscher Rechenzentren 2026 erstmals die 3.000-Megawatt-Marke überschreitet.

Die Entscheidungen des Frühjahrs und Sommers 2026 werden die Handels- und Compliance-Landschaft für den Rest des Jahrzehnts prägen. Die EU-Kommission steht vor der Herkulesaufgabe, ökologische Ambitionen mit wirtschaftlicher Realität zu versöhnen – ohne auf beiden Seiten zu scheitern.

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