EU-Zollregeln, DHL

EU-Zollregeln ab Juli: DHL und FedEx warnen vor Grenz-Chaos

29.05.2026 - 08:30:41 | boerse-global.de

Wert beschlagnahmter illegaler Medikamente vervierfacht sich auf über 2,3 Millionen Euro. Logistikkonzerne warnen vor neuen EU-Zollregeln.

EU-Zollregeln ab Juli: DHL und FedEx warnen vor Grenz-Chaos - Foto: über boerse-global.de
EU-Zollregeln ab Juli: DHL und FedEx warnen vor Grenz-Chaos - Foto: über boerse-global.de

Besonders besorgniserregend ist die Zunahme gefälschter Arzneimittel – und das kurz vor der Einführung neuer EU-Zollregeln.

Gefälschte Pillen: Wert vervierfacht sich

Der Wert der von deutschen Zöllnern sichergestellten illegalen Arzneimittel ist explodiert. Lag er 2023 noch bei 545.223 Euro, stieg er bis 2025 auf über 2,3 Millionen Euro. Das ist mehr als eine Vervierfachung. Die Zahl der beschlagnahmten Einzelstücke sank zwar von 46.059 auf 5.025 – doch die Gefahr für die Gesundheit bleibt immens.

Die Herkunftsländer: vor allem China und Großbritannien. Die ABDA, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, warnt eindringlich. Viele der Präparate – angeblich Potenzmittel, Abnehmhilfen oder Lifestyle-Produkte – enthielten giftige Substanzen. Weltweit beschlagnahmte Interpol 6,42 Milliarden Dosen gefälschter oder illegaler Medikamente. Der geschätzte Wert: 13,1 Millionen Euro.

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Logistik-Riesen warnen vor Chaos an den Grenzen

DHL, FedEx und UPS schlagen Alarm. In einem gemeinsamen Brief an die EU-Finanzminister vom 27. Mai warnen sie vor einem logistischen Desaster. Grund sind neue EU-Zollregeln, die am 1. Juli 2026 in Kraft treten sollen. Sie zielen auf Billigwaren von Plattformen wie Shein oder Temu ab.

Die Logistikkonzerne halten den Termin für nicht machbar. Ihr Vorschlag: eine pauschale Gebühr von 3,00 Euro pro Sendung statt der geplanten Regelung. Die Sorge: Komplexe Anforderungen könnten zu Engpässen an den EU-Außengrenzen führen. Das würde nicht nur Konsumgüter betreffen, sondern auch Industriekomponenten und medizinische Lieferungen verzögern.

Gitta Connemann, Chefin der Mittelstandsunion, fordert ebenfalls ein Ende der Zollschlupflöcher. Nur so sei fairer Wettbewerb gegen Produkte möglich, die nicht den europäischen Standards entsprächen.

Razzien gegen Steuerbetrug und illegale Netze

Der Zoll hat in den letzten Tagen groß angelegte Aktionen durchgeführt:

E-Zigaretten-Steuerbetrug: Am 20. Mai durchsuchte das Zollfahndungsamt Essen Wohnungen in Düsseldorf und Mönchengladbach. Drei Verdächtige sollen unversteuerte E-Zigaretten aus China eingeführt haben. Der Steuerschaden: über 8 Millionen Euro. Die Beamten sicherten Vermögenswerte von rund 450.000 Euro und ließen 3,7 Millionen Euro einfrieren.

Darknet und Geldwäsche: Mehr als 400 Beamte durchsuchten am 27. Mai rund 40 Objekte in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Acht Festnahmen im Zusammenhang mit einem Drogenring, der seit Juli 2020 aktiv gewesen sein soll. Parallel dazu flog ein Geldwäsche-Netzwerk mit neun vietnamesischen Staatsangehörigen auf. Sie sollen seit November 2025 über 7 Millionen Euro in bar eingesammelt und mehr als 100 Millionen Euro über Kryptowährungen verschoben haben.

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Tabak-Schmuggel: Bei einer Fahrzeugkontrolle auf der A8 bei Dornstadt entdeckten Ulmer Zöllner am 25. Mai 36.000 unversteuerte Zigaretten. Sie waren in einer Zwischendecke eines bulgarischen Lastwagens versteckt. Der Steuerausfall: rund 7.200 Euro.

Reallöhne steigen – doch die Inflation lauert

Das Statistische Bundesamt meldet einen Anstieg der Reallöhne um 1,8 Prozent im ersten Quartal 2026. Die Bruttomonatsgehälter stiegen um 4,1 Prozent – deutlich stärker als die Verbraucherpreise mit 2,2 Prozent. Besonders die unteren Einkommensgruppen profitierten: ein Plus von 7,0 Prozent nach der Anhebung des Mindestlohns auf 13,90 Euro.

Doch die WSI-Experten warnen: Geopolitische Spannungen könnten diesen Trend zunichtemachen. Die Inflation kletterte im April auf 2,9 Prozent – im Februar lag sie noch bei 1,9 Prozent.

EU-Transparenzrichtlinie: Deutschland bremst

Die Bundesregierung verschiebt die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Ursprünglich zum 7. Juni fällig, sollen die ersten Berichtspflichten nun erst im Juni 2028 wirksam werden. Politiker kritisieren das scharf – immerhin klafft in Deutschland eine Lohnlücke von 16 Prozent zwischen Männern und Frauen.

Mittelstandsvertreter warnen derweil vor einem anderen Problem: Steigende Sozialabgaben könnten Schwarzarbeit wieder attraktiver machen. Ihre Forderung: Die Kosten müssen stabilisiert werden, bevor die Schattenwirtschaft weiter wächst.

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