EU-Zollrecht: Neue Gebühren für Kleinsendungen ab Juli
02.07.2026 - 20:33:07 | boerse-global.de
Gleichzeitig mahnt Peking zur Fairness und zum Erhalt offener Märkte. Hintergrund sind hochrangige Gespräche in Brüssel und tiefgreifende Änderungen im europäischen Zollrecht.
Strategische Neuausrichtung
Vizekanzler Lars Klingbeil betont die Notwendigkeit eines härteren Kurses. In sicherheitsrelevanten Bereichen wie Infrastruktur und Verteidigung soll Deutschland verstärkt auf europäische Produktion setzen. Diese Local-Content-Klauseln zielen darauf ab, die heimische Wertschöpfung zu stärken und Abhängigkeiten in kritischen Lieferketten zu reduzieren.
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigt sich gelassen gegenüber möglichen Gegenreaktionen Pekings. Er verweist auf die gegenseitigen Abhängigkeiten und die Bedeutung der EU als weltweit größter Absatzmarkt mit rund 450 Millionen Verbrauchern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche betont das Ziel einer pragmatischen Außenwirtschaftspolitik.
Ende der Zollfreiheit für Kleinsendungen
Seit Anfang Juli hat die EU die bisherige Zollfreigrenze für Pakete unter 150 Euro abgeschafft. Stattdessen wird eine pauschale Zollgebühr von drei Euro pro Produktkategorie für Sendungen aus Drittländern erhoben. Ab November kommt eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr hinzu, bevor das System 2028 vollständig in den EU Customs Data Hub integriert wird.
Branchenverbände wie der HDE unterstützen den Schritt. Dem Fiskus seien durch die alten Regelungen jährlich mindestens 400 Millionen Euro entgangen. Zudem stünden durch ungleiche Wettbewerbsbedingungen rund 40.000 Arbeitsplätze im deutschen Handel unter Druck.
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Experten erwarten, dass das Volumen an Kleinpaketen über Logistikknoten wie den Flughafen Leipzig/Halle um bis zu zwei Drittel einbrechen könnte. 2025 wurden dort noch über 116.000 Tonnen Fracht aus China und Hongkong registriert. Als Reaktion auf die neuen Kostenregeln dürften chinesische Anbieter verstärkt eigene Warenlager in Deutschland errichten.
Peking fordert Fairness
Die chinesische Regierung reagiert mit Mahnungen. Nach einem Treffen zwischen Handelsminister Wang Wentao und Wirtschaftsministerin Reiche in Brüssel fordert Peking freien Marktzugang und ein stabiles Geschäftsklima. Insbesondere Exportkontrollen für seltene Erden und Magnete sowie die EU-Gesetzgebung zur Cybersicherheit stehen im Zentrum der Diskussionen.
China sichert zu, dass die Kontrolle kritischer Rohstoffe die europäischen Lieferketten nicht beeinträchtigen werde. Derzeit würden etwa 90 Prozent der deutschen Anträge auf seltene Erden genehmigt.
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Neue Überwachungsmechanismen
Um die Spannungen abzubauen, haben sich EU und China auf einen neuen Mechanismus zur Überwachung der Handelsströme geeinigt. Dies gilt als Reaktion auf das massive Handelsdefizit der EU mit China, das 2025 bei 359,8 Milliarden Euro lag.
Analysten sehen die Beziehungen an einem Umkehrpunkt. Für Herbst 2026 ist eine weitere Sitzung des Handels- und Investitionskonsultationsmechanismus geplant. EU-Kommissar Maros Sefcovic soll dann nach China reisen. Zudem planen Berlin und Peking die Wiederbelebung eines gemeinsamen Wirtschaftsausschusses.
