EU-Zollgebühr ab Juli: Chinesische Plattformen verlieren 30–50%
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit dem 1. Juli 2026 gelten in der Europäischen Union neue Regelungen für den Import von Kleinsendungen aus Drittstaaten. Die Einführung einer pauschalen Gebühr von 3 Euro pro Produktkategorie für Sendungen mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro hat bereits kurz nach dem Inkrafttreten zu deutlichen Verschiebungen im Marktumfeld geführt. Insbesondere große Handelsplattformen aus Fernost verzeichnen seither einen signifikanten Rückgang ihrer Absatzzahlen auf dem europäischen Markt.
Massive Absatzeinbußen für Plattformen aus Drittstaaten
Die Auswirkungen der neuen EU-Einfuhrgebühr zeigen sich besonders deutlich am Beispiel Frankreichs. Daten des französischen Wirtschaftsministeriums belegen, dass die Importe aus China infolge der Abgabe um 30 bis 40 Prozent gesunken sind. Diese Entwicklung spiegelt sich unmittelbar in den Geschäftszahlen der führenden E-Commerce-Anbieter wider.
Im Zeitraum von Juni bis Juli 2026 brachen die Verkäufe von Temu in Frankreich um 50 Prozent ein. Auch AliExpress verzeichnete in diesem Zeitfenster einen erheblichen Rückgang von 37 Prozent.
Bei dem Modeanbieter Shein fiel das Minus mit 15 Prozent vergleichsweise moderater aus. Marktbeobachter führen die robustere Position von Shein unter anderem darauf zurück, dass das Unternehmen von einem logistischen Standort innerhalb der EU, einem Lager in Polen, profitiert.
Interessanterweise lässt sich in Märkten außerhalb der EU eine gegenteilige Entwicklung beobachten. Im Vereinigten Königreich, das nicht von der neuen Gebührenregelung betroffen ist, stiegen die Importe im Juli 2026 um 5 Prozent an.
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Veränderte Konsummuster und strategische Anpassungen
Trotz der sinkenden Verkaufszahlen deutet sich eine Veränderung im Bestellverhalten der verbliebenen Kunden an. Um die Auswirkungen der Fixkosten pro Produktkategorie abzumildern, scheinen Verbraucher vermehrt größere Mengen pro Bestellung zu ordern.
So stiegen die durchschnittlichen Warenkörbe bei Temu seit der Einführung der Gebühr am 1. Juli 2026 um 30 Prozent. Bei AliExpress wurde ein Zuwachs des durchschnittlichen Warenkorbwerts um 27 Prozent registriert.
Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die Strategie der Kleinstbestellungen durch die neuen Zollkosten ökonomisch an Attraktivität verloren hat und Kunden ihre Einkäufe stärker bündeln.
Forderungen des Handels und weitere geplante Maßnahmen
Der Handelsverband Deutschland (HDE) bewertete die neuen Zollgebühren unter Bezugnahme auf Daten des französischen Zolls, die ebenfalls einen Importrückgang von 30 bis 40 Prozent bei Paketen unter der 150-Euro-Grenze ausweisen.
Angesichts dieser Zahlen drängt der Verband auf eine weitere Professionalisierung der Überwachungsprozesse. Gefordert werden eine beschleunigte Implementierung des sogenannten Customs Data Hubs sowie effektive Sperrmöglichkeiten für Anbieter, die systematisch gegen geltende Regelungen verstoßen.
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Eine weitere Verschärfung der Importbedingungen steht bereits im Raum. Für den 1. November 2026 wird innerhalb der EU die mögliche Einführung einer zusätzlichen Bearbeitungsgebühr in Höhe von 2 Euro für Kleinsendungen geprüft. Dies könnte den Druck auf Geschäftsmodelle, die auf dem massenhaften Versand preiswerter Einzelartikel aus Drittstaaten basieren, weiter erhöhen.
Die zuständigen Behörden und Verbände beobachten die Marktentwicklung weiterhin genau, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Sicherstellung fairer Wettbewerbsbedingungen zu bewerten.
