EU-Zollabgabe, Importe

EU-Zollabgabe: Importe aus China brechen um 30–40% ein

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Seit Juli sinken China-Importe in die EU deutlich: Temu und AliExpress verlieren Umsatz, während Shein und die Luftfracht weniger stark nachgeben.

EU-Pauschalzoll bremst China-Kleinsendungen und belastet Temu
Stapel von Versandkartons in einem modernen Logistikzentrum, die auf Lagerregalen gelagert sind. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit der Einführung der neuen EU-Zollabgabe am 1. Juli 2026 verzeichnet der Handel mit Kleinsendungen aus China einen drastischen Rückgang. Jüngsten Berichten zufolge brachen die Importe kleiner Pakete seit dem Stichtag um 30 bis 40 Prozent ein.

Die Neuregelung zielt darauf ab, den massiven Zustrom günstiger Waren aus Fernost zu regulieren, der in den vergangenen Jahren die europäische Logistik und den Handel vor erhebliche Herausforderungen gestellt hatte.

Pauschalzoll verteuert Kleinsendungen erheblich

Kern der seit Juli 2026 geltenden Regelung ist die Einführung eines Pauschalzolls in Höhe von 3 Euro pro Zolltarifposition für Waren mit einem Wert von unter 150 Euro. Diese Gebühr kann sich bei Sammelbestellungen schnell summieren: Besteht eine Sendung aus zehn verschiedenen Produktkategorien, fallen für den Empfänger allein 30 Euro an Zollabgaben an.

Diese Kostenstruktur scheint die Attraktivität direkter Importe aus China nachhaltig zu schwächen. Noch im Jahr 2025 wurden 5,9 Milliarden Kleinsendungen in die Europäische Union eingeführt, wovon 93 Prozent ihren Ursprung in China hatten.

Die Dynamik des Sektors verdeutlicht der Vergleich zu früheren Jahren: Während 2022 noch 1,4 Milliarden E-Commerce-Kleinsendungen registriert wurden, stieg diese Zahl bis 2025 auf 5,8 Milliarden an.

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Umsatzrückgänge bei großen E-Commerce-Plattformen

Die Auswirkungen der neuen Zollregeln treffen die führenden chinesischen Online-Marktplätze mit unterschiedlicher Härte. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei Temu. Das Unternehmen verzeichnete in den Monaten Juni und Juli 2026 einen Umsatzrückgang von 50 Prozent in Europa.

Erschwerend kommt für den Anbieter hinzu, dass die EU-Kommission eine Sanktion in Höhe von 200 Millionen Euro verhängt hat. Als Reaktion plant das Unternehmen offenbar eine strategische Neuausrichtung hin zu einem „Local-to-Local“-Modell. Ziel sei es, bis zu 80 Prozent des EU-Umsatzes künftig über lokale Lager abzuwickeln.

Auch AliExpress meldete für den Zeitraum Juni bis Juli 2026 erhebliche Einbußen und bezifferte den Umsatzrückgang auf 37 Prozent. Das Unternehmen übte deutliche Kritik an der Einführung der Zollabgabe. Vergleichsweise glimpflich scheint Shein durch die Umstellungsphase zu kommen.

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Hier sank der Umsatz im gleichen Zeitraum lediglich um 15 Prozent. Branchenkenner führen dies darauf zurück, dass Shein bereits frühzeitig in europäische Infrastruktur investiert hat. Das Unternehmen nutzt unter anderem ein Lager in Polen, das im Dezember 2025 eröffnet wurde.

Massive Auswirkungen auf die Luftfrachtlogistik

Die veränderten Handelsströme schlagen sich unmittelbar in der Auslastung der internationalen Luftfrachtkapazitäten nieder. Im Juli 2026 lagen die Frachtkapazitäten auf der Route zwischen China und Europa um 28 Prozent unter dem Niveau des Vormonats Juni. Die E-Commerce-Importe nach Europa sanken im Juli im Monatsvergleich um 24 Prozent.

Besonders betroffen sind die großen logistischen Drehkreuze. Am Flughafen Madrid brach das Volumen um 78 Prozent ein, in Budapest betrug der Rückgang 58 Prozent und in Lüttich 35 Prozent. Auf der chinesischen Seite meldete der Standort Ürümqi ein Minus von 72 Prozent, während Hongkong einen Rückgang von 28 Prozent verzeichnete.

Diese Entwicklung hat auch globale Auswirkungen auf die Flottenauslastung. Die Auslastung von Frachtmaschinen des Typs Boeing 747-400F sank im Zuge dieser Marktveränderungen um 13,8 Prozent, während sich die Frachtraten insgesamt auf einem gefestigten Niveau stabilisierten.

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