EU-Zertifizierung: Neue Methodik für Kohlenstoffspeicherung bis Ende 2026
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 00:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Union arbeitet an einem einheitlichen Rahmen zur Bewertung von Klimaschutzleistungen im Bausektor. Bis zum Ende des Jahres 2026 soll eine spezifische Zertifizierungsmethodik fertiggestellt sein, die die Speicherung von biogenem Kohlenstoff in Bauwerken regelt. Damit wird ein zentrales Instrument geschaffen, um den Beitrag von Gebäuden zur Senkung von Treibhausgasemissionen messbar und vergleichbar zu machen.
Rechtliche Grundlage durch CRCF-Verordnung
Die geplante Methodik stützt sich auf die Verordnung zur Schaffung eines Unionsrahmens für die Zertifizierung von Kohlenstoffentnahmen (Carbon Removal Certification Framework, CRCF). Dieses Regelwerk bildet bereits seit Ende 2024 die rechtliche Basis für die Erfassung und Zertifizierung von Verfahren, die Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernen oder dauerhaft binden.
Mit der nun angekündigten Ausarbeitung der technischen Kriterien bis Ende 2026 zielt die EU darauf ab, die theoretischen Vorgaben der CRCF-Verordnung für die Bauindustrie praxistauglich zu machen. Dies soll insbesondere Klarheit darüber schaffen, wie biogene Materialien – also nachwachsende Rohstoffe wie Holz – in der Klimabilanz von Gebäuden berücksichtigt werden können.
Monitoringzeitraum und Anforderungen an die Dauerhaftigkeit
Ein wesentliches Merkmal der neuen Zertifizierung ist die Anforderung an die Langfristigkeit der Speicherung. Um als wirksame Entnahme von Kohlenstoff anerkannt zu werden, sieht die EU für die Speicherung in Gebäuden einen Monitoringzeitraum von mindestens 35 Jahren vor.
Dieser Zeitraum soll sicherstellen, dass der in den Baumaterialien gebundene Kohlenstoff über eine signifikante Dauer der Atmosphäre entzogen bleibt. Die Festlegung eines solchen Mindestzeitraums dient dazu, die ökologische Integrität der Zertifikate zu wahren und eine kurzfristige Freisetzung des gespeicherten Kohlenstoffs durch vorzeitigen Abriss oder thermische Verwertung zu verhindern.
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Fokus auf Holzbau und Kreislaufwirtschaft
In der methodischen Ausgestaltung nimmt der Holzbau eine zentrale Rolle ein. Die EU plant, Holzkonstruktionen explizit als temporäre Kohlenstoffspeicher zu erfassen. Dabei geht die Zielsetzung über die reine Verwendung nachwachsender Rohstoffe hinaus. Strategische Qualitätsmerkmale wie die Wiederverwendung von Bauteilen (Re:Use) sowie die allgemeine Zirkularität der Materialien werden als entscheidende Faktoren eingestuft.
Die Einbeziehung von Zirkularitätsaspekten unterstreicht das Bestreben der Union, den Bausektor von einer linearen Wirtschaftsweise hin zu geschlossenen Stoffkreisläufen zu transformieren. Materialien, die nach dem Ende der Nutzungsdauer eines Gebäudes erneut verwendet werden können, tragen dazu bei, den gespeicherten Kohlenstoff über mehrere Lebenszyklen hinweg gebunden zu halten.
Bedeutung für die Bau- und Immobilienwirtschaft
Die Einführung einer standardisierten EU-Zertifizierung bis Ende 2026 dürfte weitreichende Folgen für die Planung und Finanzierung von Bauprojekten haben. Durch die methodische Erfassung der Kohlenstoffspeicherung erhalten Bauherren und Investoren ein Instrument, um die Nachhaltigkeit ihrer Immobilien nach objektiven Kriterien nachzuweisen. Dies betrifft nicht nur die ökologische Bilanzierung, sondern gewinnt auch im Rahmen von ESG-Berichterstattungen (Environmental, Social, and Governance) zunehmend an Relevanz.
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Branchenexperten beobachten in diesem Zusammenhang eine steigende Nachfrage nach transparenten Daten zur Klimawirkung von Baustoffen. Mit der Fertigstellung der Methodik Ende 2026 wird erwartet, dass die Zertifizierung von Kohlenstoffspeichern zu einem festen Bestandteil bei der Bewertung von Immobilienportfolios und der Vergabe von grünen Krediten wird.
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