EU-Verpackungsverordnung: Tausende Händler stoppen Versand ins Ausland
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 00:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) am 12. August 2026 hat sich der Widerstand in der deutschen Wirtschaft massiv verschärft. Zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen sowie spezialisierte Online-Händler haben bereits reagiert und den Warenversand in das europäische Ausland eingestellt. Grund für diesen Rückzug sind die neuen bürokratischen Hürden und Kosten, die mit der grenzüberschreitenden Herstellerverantwortung einhergehen.
Massive Belastungen für den mittelständischen E-Commerce
Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) müssen Versandhändler nun in jedem einzelnen EU-Land eine Registrierung für die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) beantragen. Die damit verbundenen Fixkosten belaufen sich pro Land auf schätzungsweise 300 bis 500 Euro jährlich. Da die Verordnung keine Bagatellgrenzen vorsieht, fallen diese Gebühren bereits ab dem ersten versendeten Paket an.
In der Praxis führt dies zu einer Welle von Lieferstopps. Der Banknoten-Händler Winfried Bogon stellte den EU-weiten Versand aufgrund der neuen Registrierungspflichten ein. Ähnlich reagierte der Gameboy-Händler André Preidel, der bei einem Monatsumsatz zwischen 10.000 und 15.000 Euro die Kosten für Bevollmächtigte in den Zielländern als zu hoch bewertete. Auch Unternehmen wie iLabs Electronics oder die Honigmanufaktur Eggers beschränken ihr Liefergebiet infolge der PPWR-Vorgaben nunmehr auf Deutschland. Eine Petition gegen die neuen Regelungen sammelte bereits über 45.000 Unterschriften.
Rechtliche Unsicherheit und mangelnde Vorbereitung
Die Stimmung in den Handelsverbänden ist angespannt. Der Chef des Handelsverbandes erklärte, die PPWR sei seit ihrem Inkrafttreten am 12. August 2026 rechtssicher nicht umsetzbar. Es fehle den Unternehmen an Zugang zu notwendigen Unterlagen, zudem seien viele Definitionen weiterhin unklar. Laut einer DIHK-Erhebung wussten drei Viertel der befragten Unternehmen bis zuletzt nicht ausreichend über die Details der Verordnung Bescheid.
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Der Händlerbund weist zudem darauf hin, dass der E-Commerce im Jahr 2026 mit insgesamt 14 bis 15 rechtlichen Änderungen konfrontiert sei. Verstöße gegen die neuen Verpackungsvorgaben könnten mit Bußgeldern von bis zu 200.000 Euro geahndet werden. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) kritisierte ebenfalls die enorme Bürokratie, die insbesondere für KMU nicht zu bewältigen sei. Pharma Deutschland betonte zwar die Unterstützung für die ökologischen Ziele der Verordnung, forderte jedoch dringend praxistaugliche Rahmenbedingungen ein.
Politischer Konflikt und technische Anforderungen
Hinter den Kulissen herrscht Uneinigkeit zwischen den EU-Institutionen. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die Pflicht zur Benennung eines Bevollmächtigten für den grenzüberschreitenden Handel bis zum Jahr 2035 zu verschieben, was von den Mitgliedstaaten jedoch abgelehnt wurde. Angesichts der aktuellen Umsetzungsprobleme rät die Kommission den Mitgliedstaaten nun Berichten zufolge dazu, die Regeln vorerst nicht streng anzuwenden und von Strafen abzusehen.
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Die PPWR schreibt vor, dass Verpackungen grundsätzlich recyclingfähig sein müssen. Zudem wurden strikte PFAS-Grenzwerte festgelegt: 25 ppb pro Verbindung, 250 ppb in der Summe und 50 ppm für den Gesamtfluoranteil. Erzeuger sind verpflichtet, entsprechende Konformitätserklärungen zu erstellen.
In den kommenden Jahren folgen weitere Stufen der Verordnung. Ab 2027 treten zusätzliche Anforderungen an die Herstellerverantwortung in Kraft. Bis 2029 müssen Pfandsysteme etabliert sein. Für das Jahr 2030 sieht die Verordnung vor, dass der Leerraum in Verpackungen maximal 50 Prozent betragen darf und bestimmte Einwegplastikverpackungen verboten werden. Das langfristige Ziel der EU ist eine Reduzierung des Verpackungsabfalls um 15 Prozent bis zum Jahr 2040. Im Jahr 2023 lag das Abfallaufkommen pro Kopf in der EU bei 178 Kilogramm, während in Deutschland 215 Kilogramm verzeichnet wurden.
