EU-Verpackungsverordnung: Kleine Firmen stoppen Lieferungen ins Ausland
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 20:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die mexikanischen Behörden haben eine umfassende Anti-Dumping-Untersuchung gegen Importe von Stahlblechen aus Japan eingeleitet. Auslöser des Verfahrens ist eine offizielle Beschwerde des Unternehmens Grupo Acerero, das den japanischen Exporteuren Preisdiskriminierung vorwirft. Die Untersuchung markiert eine Verschärfung der handelspolitischen Schutzmaßnahmen innerhalb der globalen Stahlindustrie.
Details des mexikanischen Verfahrens und Fristen
Der Untersuchungszeitraum für die Ermittlung der mutmaßlichen Dumping-Praktiken ist bis zum Jahr 2025 festgesetzt. Die für das Verfahren notwendige Schadensanalyse konzentriert sich auf den Zeitraum von Januar 2023 bis Dezember 2025. Betroffene Parteien und interessierte Kreise haben ab Einleitung des Verfahrens eine Frist von 23 Arbeitstagen, um ihre Stellungnahmen bei den zuständigen Behörden einzureichen.
Ziel der Untersuchung ist es festzustellen, ob japanische Stahlbleche zu Preisen unter Marktwert in den mexikanischen Markt eingeführt wurden und ob dies der heimischen Industrie erheblichen Schaden zugefügt hat.
Verschärfter Kurs in Nordamerika
Parallel zu den Entwicklungen in Mexiko prüft das US-Handelsministerium derzeit ähnliche handelspolitische Maßnahmen. Bis zum 8. September 2026 muss die Behörde über die Einleitung von Anti-Dumping- und Ausgleichszolluntersuchungen (Countervailing Duty) in Bezug auf Hydraulikzylinder entscheiden. Diese Prüfungen betreffen Importe aus Kanada, China, Indien, Südkorea und auch Mexiko.
Die den Petitionen vom 29. Juli 2026 zugrunde liegenden behaupteten Antidumping-Spannen sind erheblich. Für Kanada werden Spannen zwischen 248,33 % und 744,85 % angeführt, während sie für China bei 125,77 % bis 511,41 % liegen.
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Für Indien werden Werte von 102,59 % bis 461,46 % genannt, für Südkorea 78,70 % bis 149,33 % und für Mexiko 60,16 % bis 163,42 %. Der vorgeschlagene Umfang dieser Untersuchungen soll auch Zylinder einschließen, die bereits in Maschinen montiert importiert werden.
Zusätzlich plant die US-Regierung unter Donald Trump neue Zölle auf Halbleiterchips. Davon könnten laut US-Handelsminister Lutnick auch Endprodukte wie Laptops, Spielkonsolen und Server betroffen sein. Unternehmen könnten jedoch von diesen Zöllen befreit werden, wenn sie in die US-amerikanische Chipfertigung investieren. Eine schrittweise Einführung dieser Maßnahmen wird derzeit erwogen.
Handelskonflikte und regulatorische Lasten in Europa
Auch in Europa wächst der Druck auf die Handelspartner. EU-Handelskommissar Maroš Šef?ovi? warnte die chinesische Führung, dass bis Oktober konkrete Ergebnisse in den laufenden Verhandlungen erzielt werden müssten, da andernfalls schärfere Maßnahmen drohen. Das Handelsdefizit der EU mit China beläuft sich aktuell auf rund 1 Milliarde Euro pro Tag.
Die EU-Kommission prüft als Lösungsmöglichkeit freiwillige Selbstbeschränkungen Chinas beim Export, ähnlich den Abkommen mit Japan und Südkorea in den 1980er Jahren. Für Mitte September ist ein Videotelefonat mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao geplant, gefolgt von einer Reise des Kommissars nach Peking Anfang Oktober.
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In Deutschland fordert die Möbelindustrie angesichts eines Umsatzrückgangs von 20 % innerhalb der letzten vier Jahre ebenfalls Schutzzölle. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz bei 7,7 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 2,7 % entspricht.
Der Importanteil in der Branche liegt mittlerweile bei über 60 %, wobei China mit einem Liefervolumen von 1,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026 der größte Lieferant ist – ein Anstieg von 81 % seit 2017. Rund 40 % der Betriebe planen derzeit Kurzarbeit, während 30 % mit einem Stellenabbau rechnen.
Zusätzlich belasten neue regulatorische Anforderungen die Unternehmen. Die seit dem 13. August 2026 geltende EU-Verpackungsverordnung (PPWR) führt dazu, dass kleine deutsche Unternehmen Lieferungen ins EU-Ausland stoppen, da die Registrierungspflichten pro Mitgliedstaat Kosten von über 500 Euro verursachen können.
Gleichzeitig zwingt die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) Kaffeeunternehmen zu einer massiven Ausweitung ihrer Compliance-Prüfungen. Obwohl die EU nur für 40 % der weltweiten Kaffeeimporte verantwortlich ist, sind laut einer Studie von Trase etwa 80 % aller Verschiffungen von den neuen Nachweispflichten betroffen. Unternehmen wie JDE Peet’s weisen eine EU-Abhängigkeit von 84 % in ihrer Lieferkette auf.
