EU-Strafe, Temu

EU-Strafe gegen Temu: 200 Millionen Euro für Sicherheitsverstöße

31.05.2026 - 20:49:03 | boerse-global.de

Die EU belegt Temu mit einer Rekordstrafe und plant die Abschaffung der Zollfreigrenze, um Billigimporte aus China zu regulieren.

EU-Strafe gegen Temu: 200 Millionen Euro für Sicherheitsverstöße - Foto: über boerse-global.de
EU-Strafe gegen Temu: 200 Millionen Euro für Sicherheitsverstöße - Foto: über boerse-global.de

Mit einer Strafzahlung von 200 Millionen Euro gegen Temu und der Abschaffung der Zollfreigrenze will Brüssel den Markt für Online-Händler neu ordnen.

130 Millionen Nutzer – und wachsende Probleme

Temu und Shein haben in Europa längst eine kritische Masse erreicht: Rund 130 Millionen Menschen nutzen die Plattformen monatlich. Doch mit dem Erfolg wächst auch der Druck. Die EU wirft den Billig-Riesen vor, systematisch gegen Produktsicherheit, Steuerrecht und Datenschutz zu verstoßen.

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Die 200-Millionen-Strafe gegen Temu verhängte die Kommission am 28. Mai 2026 wegen Verstößen gegen den Digital Services Act (DSA). Bereits im Oktober 2024 hatten Ermittler begonnen, die Risikobewertungen des Unternehmens zu prüfen. Das Ergebnis war ernüchternd: Temu hatte keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen, um den Verkauf gefährlicher Produkte zu verhindern.

Gefährliche Kinderspielzeuge und mangelhafte Elektronik

Was bei Testkäufen ans Licht kam, ist alarmierend. Elektro-Ladegeräte erfüllten nicht einmal grundlegende Sicherheitsstandards. Baby-Spielzeug enthielt teils bedenkliche Chemikalien oder stellte ein Erstickungsrisiko dar. EU-Kommissarin Henna Virkkunen kritisierte die unzureichende Risikoanalyse des Konzerns scharf.

Temu muss nun bis zum 28. August 2026 einen konkreten Aktionsplan vorlegen. Parallel laufen weitere Untersuchungen – unter anderem zur Frage, ob die Plattform süchtig macht und wie sie mit illegalen Angeboten umgeht.

Zollfreigrenze fällt: Ende des Steuerschlupflochs

Noch gravierender könnte eine geplante Handelsreform werden. Die EU-Kommission will die Zollfreigrenze von 150 Euro komplett abschaffen. Bisher konnten Pakete unter diesem Wert zollfrei nach Europa gelangen – ein massiver Wettbewerbsvorteil für asiatische Plattformen.

Der Schritt folgt einem internationalen Trend: In den USA wurden die Zölle auf Kleinsendungen unter 800 Dollar kürzlich um zehn Prozent erhöht. Für deutsche Händler, die mit voller Steuer- und Zolllast kalkulieren müssen, wäre die Abschaffung der Freigrenze ein lang ersehnter Befreiungsschlag.

Temu reagiert bereits: Das Unternehmen baut sein „Local-to-Local"-Modell auf 16 Länder aus. Die Strategie, die im Frühjahr 2024 in den USA startete, setzt auf lokale Lager und Lieferzeiten von nur fünf Tagen. Ziel ist es, unabhängiger von Direktlieferungen aus China zu werden.

Österreich führt Paketsteuer ein – Signal für Deutschland?

Auch einzelne EU-Staaten handeln eigenständig. Österreich plant ab Herbst 2026 eine „Paketsteuer" von zwei Euro pro Lieferung. Betroffen sind Online-Händler mit Jahresumsätzen über 100 Millionen Euro. Finanzminister Markus Marterbauer erwartet dadurch Mehreinnahmen von 280 Millionen Euro – und eine Stärkung des stationären Handels.

Die Auswirkungen des Preisdrucks sind bereits jetzt in der deutschen Handelslandschaft spürbar. Mitte Mai 2026 meldete die Dekorationskette Depot eine Insolvenz in Eigenverwaltung an. Das Unternehmen mit 155 Filialen und rund 1.200 Mitarbeitern nannte steigende Zollkosten und die Konkurrenz durch Temu als Hauptgründe.

Neue Transparenzregeln für chinesische Verkäufer

Der regulatorische Druck erfasst auch die Steuertransparenz. Amazon, Temu und Shein müssen künftig vierteljährlich Steuerdaten chinesischer Verkäufer an die Behörden melden. Die erste Meldung ist für den 31. Oktober 2026 fällig – rückwirkend für das dritte Quartal 2025. Experten erwarten, dass diese Maßnahme informelle Zahlungswege unterbindet und zu standardisierten Steuererklärungen führt.

Shein unter Datenschutz-Verdacht

Parallel dazu ermittelt die irische Datenschutzkommission gegen Shein. Der Vorwurf: Die Plattform übermittle europäische Nutzerdaten nach China – möglicherweise unter Verstoß gegen die DSGVO. Im Fokus steht die EMEA-Zentrale des Unternehmens in Dublin. Die Ermittler prüfen, ob die Datenübermittlungen dem Grundsatz der Datenäquivalenz entsprechen.

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Für die deutschen Verbraucher bedeutet der verschärfte Kurs der EU: Mehr Sicherheit beim Online-Shopping, aber möglicherweise auch höhere Preise. Denn die Zeiten, in denen Pakete aus China nahezu unkontrolliert und zollfrei in die EU strömten, neigen sich dem Ende zu.

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