EU-Stahlpolitik: Neue Handelsregeln und Milliarden für grüne Produktion
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 20:56 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Milliarden fließen in klimaneutrale Produktion, Importe werden stärker begrenzt. Das Ziel: Die heimische Industrie fit für die Zukunft machen – und gegen internationale Konkurrenz absichern.
Fokus auf grüne Produktion
Ein zentraler Baustein der neuen Strategie: die Förderung von Direktreduktionsanlagen. Unternehmen wie Thyssenkrupp und Salzgitter treiben damit die Dekarbonisierung voran. Laut einer Analyse der Unternehmensberatung BCG fließen Fördermittel in Milliardenhöhe in diese Technologie.
Die EU setzt erstmals gezielte Impulse, um die Nachfrage nach grünem Stahl zu steigern. Der größte Hebel liegt laut BCG in der Automobilindustrie. Neue Vorgaben für die öffentliche Beschaffung und spezifische Anforderungen an die Fahrzeugproduktion sollen den Absatz sichern.
Seit Juli 2026 greifen zudem verschärfte Handelsregeln. Sie begrenzen Stahlimporte in die EU stärker als bisher.
CO?-Grenzausgleich und Reform des Emissionshandels
Flankiert werden die Maßnahmen durch den CO?-Grenzausgleichsmechanismus CBAM. Seit Anfang des Jahres müssen Importeure die in ihren Produkten eingebetteten Emissionen melden und Zertifikate abgeben. Branchenberichten zufolge entfielen zuletzt rund 98 Prozent der gemeldeten Warenmengen auf Eisen und Stahl.
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Eine Ausweitung auf stahlintensive Folgeprodukte ist geplant – eine abschließende Reform steht allerdings noch aus.
Parallel bereitet die EU-Kommission Mitte Juli eine Reform des Emissionshandels (ETS) vor. Ziel: die Industrie finanziell entlasten. Der CO?-Preis lag zuletzt bei rund 80 Euro pro Tonne. Die Pläne sehen vor, ihn um bis zu 20 Euro zu senken.
Erreicht werden soll das durch eine langsamere Senkung der Zertifikatsobergrenze und eine Verlängerung der kostenlosen Zuteilung von Emissionsrechten. Zudem sollen Einnahmen aus dem System verstärkt an die Industrie zurückfließen.
Doch innerhalb der Branche herrscht Uneinigkeit über das Tempo der Transformation. Thyssenkrupp und Saarstahl vertreten unterschiedliche Positionen zum Zeitplan der Umstellung.
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Handelskonflikte und globale Wettbewerbslage
Die Neuausrichtung findet vor dem Hintergrund eines verschärften globalen Wettbewerbs statt. Der Maschinenbauverband VDMA warnt: China hat Deutschland als weltweit führenden Exporteur von Maschinenbauprodukten abgelöst.
Der Verband fordert daher Ausgleichszölle auf Ebene ganzer Warengruppen. Auch eine umkehr der Beweislast bei chinesischen Unternehmen soll Wettbewerbsverzerrungen entgegenwirken.
Gleichzeitig bemüht sich die EU um Entspannung im Handelsverhältnis mit den USA. Im Rahmen des sogenannten Turnberry-Abkommens hat die Kommission eine Liste für potenzielle Zollbefreiungen erstellt. Sie umfasst Exporte im Wert von rund 150 Milliarden Euro – darunter Industrieroboter und Halbleiterwerkzeuge.
Die EU selbst hat bereits zum 1. Juli bestehende Zölle auf US-Produkte abgeschafft.
Anforderungen an die Infrastruktur
Der Umbau der Industrie erhöht den Druck auf die Infrastruktur und die Förderpolitik. Europäische Eisenbahnverbände forderten zuletzt, Einnahmen aus dem Emissionshandel gezielt für Schieneninvestitionen zu nutzen.
Der Grund: Der Schienenverkehr ist bereits zu großen Teilen elektrifiziert. Steigende CO?-Preise führen dort zu erheblichen Mehrbelastungen. Bei einem angenommenen Preis von rund 79 Euro pro Tonne CO? belaufen sich die jährlichen Kosten für den Sektor auf etwa 571 Millionen Euro.
Die Verbände plädieren für eine Verkehrsverlagerung – nur so seien die Klimaziele bis 2030 erreichbar.
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