EU-OSHA-Kampagne, Psychische

EU-OSHA-Kampagne: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz bis 2028 im Fokus

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 13:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Initiative 2026 bis 2028 setzt auf Prävention psychosozialer Risiken; laut Erhebung sind 45 Prozent der EU-Beschäftigten betroffen.
Ein heller, ruhiger und leerer Pausenraum in einem modernen Bürogebäude mit natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat am 13. Oktober 2026 ihre mehrjährige Kampagne für gesunde Arbeitsplätze unter dem Titel „Together for Mental Health at Work“ gestartet.

Die Initiative läuft über den Zeitraum von 2026 bis 2028 und rückt die Prävention psychischer Erkrankungen sowie den Umgang mit psychosozialen Risiken in europäischen Betrieben in den Mittelpunkt.

Den offiziellen Rahmen für den Auftakt bildet die Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, die vom 19. bis 24. Oktober 2026 stattfindet und in manchen Programmen für den 19. bis 23. Oktober 2026 angesetzt ist.

Psychosoziale Belastungen belasten Millionen Beschäftigte

Als zentrale Risikofaktoren benennt die EU-OSHA unter anderem anhaltenden Stress, Arbeitsüberlastung, mangelnde Kommunikation sowie Belästigung am Arbeitsplatz. Wie dringlich die Thematik ist, unterstreichen Erhebungen der Agentur: Laut der Umfrage OSH Pulse 2025 berichten 44% der Beschäftigten in der Europäischen Union von starkem Zeitdruck oder Arbeitsüberlastung.

Zudem klagen 37% über allgemeine Erschöpfung, 35% über Kopfschmerzen oder Sehstress und 29% über arbeitsbedingte Stress-, Depressions- oder Angstzustände. Insgesamt sind nach Angaben der EU-OSHA 45% der Beschäftigten in der EU psychischen Risiken am Arbeitsplatz ausgesetzt.

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Gleichzeitig werden bislang nur 45% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu solchen Stressfaktoren befragt. Bei den betrieblichen Präventionsmaßnahmen in der EU dominieren Information und Schulung mit 53%, gefolgt von Befragungen zu Stressfaktoren mit 45%, psychologischer Unterstützung mit 40% sowie organisatorischen Maßnahmen mit 35%.

Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend: Nach Angaben des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (ETUI) verursacht arbeitsbedingte Depression in der EU jährlich Kosten von über 100 Mrd. Euro durch Fehlzeiten, Produktivitätsverluste sowie Ausgaben im Gesundheits- und Sozialsystem.

Gesetzliche Vorgaben und betriebliche Praxis

Auf europäischer Ebene verpflichtet die EU-Rahmenrichtlinie 89/391/EWG Arbeitgeber bereits verbindlich zur Bewertung psychosozialer Risiken. EU-OSHA-Direktor William Cockburn und die Generalsekretärin des Europäischen Gewerkschaftsbundes (ETUC), Esther Lynch, betonten zum Start der Initiative die Notwendigkeit von Prävention und einer aktiven Beteiligung der Arbeitnehmer bei der Gestaltung von Schutzmaßnahmen.

Dass Betriebe zunehmend handeln, zeigte bereits die dritte Europäische Erhebung über neue und aufkommende Risiken (ESENER-3) aus dem Jahr 2019, für die über 45.000 Betriebe in 33 europäischen Ländern befragt worden waren.

Zwar bleibt der Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten oder Schülern laut der Erhebung ein wesentlicher Risikofaktor, zugleich verfügen immer mehr Unternehmen über strukturierte Verfahren gegen Mobbing und Belästigung sowie über Aktionspläne gegen Stress.

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Umsetzung und Initiativen in den Mitgliedstaaten

Rund um den Kampagnenauftakt finden in mehreren EU-Ländern koordinierte Veranstaltungen statt. So organisierte die EU-OSHA am 20. Oktober 2026 im Rahmen der Aktionswoche ein Webinar aus Finnland zu nordischen Lösungsansätzen. In Luxemburg fungiert die Gewerbeaufsicht Inspection du Travail et des Mines (ITM) als nationaler Focal Point für die Kampagne.

In Spanien veranstaltete das nationale Institut für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (INSST) am 22. Oktober 2026 eine Fachtagung in Madrid, die sich dem Engagement für die Prävention psychosozialer Risiken widmete.

In Spanien fallen die Werte der OSH-Pulse-Erhebung 2025 teils noch deutlicher aus: 45% der Befragten berichten über allgemeine Erschöpfung, 42% über Kopfschmerzen oder Sehstress und 40% über arbeitsbedingten Stress, Depressionen oder Angstzustände, während organisatorische Gegenmaßnahmen dort erst bei 25% der Betriebe greifen.

Auch in Österreich fiel der offizielle Startschuss für die Kampagne „Gemeinsam für psychische Gesundheit bei der Arbeit“ am 20. Oktober 2026 unter Beteiligung des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) sowie des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen (BÖP).

Der BÖP fordert in diesem Kontext eine berufsrechtliche Verankerung der Arbeits- und Organisationspsychologie im Psychologengesetz sowie die Etablierung der Arbeitspsychologie als dritte Säule im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG).

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