EU-OSHA-Kampagne, Beschäftigten

EU-OSHA-Kampagne: 45 Prozent der Beschäftigten melden psychische Risiken

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Psychische Erkrankungen verursachen jährlich zwölf Milliarden verlorene Arbeitstage; EU-Kampagne und Unternehmensdaten rücken Prävention in den Fokus.
Ein leerer, sonnendurchfluteter Arbeitsplatz mit einer Pflanze auf einem Holztisch in einer ruhigen, minimalistischen Büroumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Unternehmen weltweit unterschätzen die ökonomischen Folgen psychischer Erkrankungen und unzureichend erfasster Gesundheitsrisiken. Die Organisation International SOS fordert Arbeitgeber in einem White Paper auf, Gefährdungen am Arbeitsplatz systematisch zu analysieren, statt sich allein auf traditionelle Krankmeldungen zu stützen.

Depressionen und Angstzustände verursachen der Veröffentlichung zufolge global jährlich rund zwölf Milliarden verlorene Arbeitstage und führen zu einem weltweiten Produktivitätsverlust von etwa einer Billion US-Dollar.

Psychosoziale Gefährdungen belasten Volkswirtschaften weltweit

Die Erfassung von Fehlzeiten greift nach Einschätzung von International SOS zu kurz, wenn arbeitsbedingte Belastungsfaktoren im Vorfeld unbemerkt bleiben. Reagieren Betriebe erst auf manifeste Ausfälle, entstehen vermeidbare Kosten für Arbeitgeber und Gesundheitssysteme.

Die globalen Dimensionen psychosozialer Arbeitsbelastungen verdeutlichen auch Erhebungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Denen zufolge gehen jährlich über 840.000 Todesfälle und fast 45 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre (DALYs) auf psychosoziale Risikofaktoren zurück.

Der geschätzte weltweite Verlust beläuft sich auf 1,37 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Neben direkten psychischen Beeinträchtigungen erhöht eine anhaltende psychosoziale Gefährdung das Risiko für Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie auf lange Sicht für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Europäische Kampagne rückt Prävention in den Mittelpunkt

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Auf europäischer Ebene reagieren Institutionen mit verstärkten Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen auf diese Entwicklung. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) startete am 13. Oktober 2026 in Brüssel ihre dreijährige Kampagne für sichere und gesunde Arbeitsplätze für die Jahre 2026 bis 2028, die sich dem gemeinsamen Einsatz für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz widmet. Begleitet wird die Initiative durch die Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit vom 19. bis zum 24. Oktober 2026.

Erhebungen der EU-OSHA unterstreichen die Dringlichkeit strukturierter Maßnahmen: Rund 45 Prozent der Beschäftigten in der Europäischen Union berichten von Risiken für ihr psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

Zu den Schwerpunkten der europäischen Initiative zählen daher die systematische Bewertung und Steuerung psychosozialer Gefährdungen, der Schutz vor Gewalt und Belästigung sowie die Verknüpfung von physischen und psychischen Gesundheitsfaktoren im Betrieb.

Hohe Belastung und Präsentismus bei Führungskräften

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Dass Überlastung und mangelnde Erholung alle Hierarchieebenen betreffen, zeigt der Bericht zur Führungskräftegesundheit von HanseMerkur, der auf einer im August 2026 durchgeführten Ipsos-Befragung unter 500 Vollzeit-Führungskräften in Deutschland basiert.

Demnach gaben 53 Prozent der Befragten an, trotz fehlender Arbeitsfähigkeit zu arbeiten. Rund ein Drittel der Befragten, exakt 33 Prozent, dachte bereits über eine Aufgabe der Führungsverantwortung nach.

Als zentrale Belastungsfaktoren nannten die Befragten Personalmangel mit 42 Prozent, ständige Erreichbarkeit mit 33 Prozent und eine hohe Arbeitsdichte mit 30 Prozent. Die Zahlen verdeutlichen, dass betriebliche Präventionsansätze Organisationsstrukturen anpassen müssen, um Ausfallzeiten wirksam zu senken und die Gesundheit der Belegschaft dauerhaft zu sichern.

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