EU-Landwirtschaft: 500 Millionen gegen explodierende Düngerkosten
10.06.2026 - 11:39:33 | boerse-global.de
Gleichzeitig formiert sich Widerstand gegen schärfere E-Auto-Quoten für Firmenflotten.
500 Millionen gegen explodierende Düngerkosten
Die Preise für Stickstoffdünger sind durch die Decke gegangen. Schuld ist der Nahost-Krieg, der die Erdgaspreise in die Höhe treibt – und Gas ist der wichtigste Rohstoff für Kunstdünger. Die EU-Kommission reagiert nun mit einem Hilfspaket von 500 Millionen Euro.
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200 Millionen davon sollen aus der bestehenden Agrarreserve kommen. Die restlichen 300 Millionen müssen die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament beisteuern. EU-Agrarkommissar Hansen warnte vor einer Gefährdung der Lebensmittelversorgung.
Zusätzlich bleiben die Zölle auf Stickstoffdünger-Importe bis Mai 2027 ausgesetzt. Das bringt den Bauern laut Kommission nochmal rund 60 Millionen Euro Ersparnis.
Streit um E-Auto-Quoten ab 2028
Doch während die Kommission die Landwirte besänftigt, kracht es an anderer Stelle. Die geplante „Clean Corporate Vehicles Regulation" sieht verbindliche Quoten für emissionsfreie Firmenwagen vor. Ab 2028 sollen in Österreich rund 58 Prozent der gewerblichen Neuzulassungen emissionsfrei sein – bis 2035 steigt die Quote auf 95 Prozent.
Österreichs Europaministerin Claudia Bauer läuft Sturm. „Die Ladeinfrastruktur ist unzureichend, der Strom muss leistbar sein", wettert sie. Eine starre Quote ohne Rücksicht auf die Realität lehne sie ab. Die Quoten sollen nach Wirtschaftskraft der Mitgliedstaaten gestaffelt werden.
Industrie fordert Kurswechsel beim Emissionshandel
Auch das europäische Emissionshandelssystem (ETS) gerät unter Beschuss. BASF-Chef Markus Kamieth fordert eine grundlegende Reform. Die strengen Auflagen gefährdeten Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Europa. Der italienische Industrieverband Confindustria pflichtet bei: Die CO2-Preise in Europa lägen deutlich über denen in Kalifornien.
Die EU-Kommission hat eine Prüfung angekündigt. Kommissionspräsidentin von der Leyen stellte realistischere Emissionssenkungen und kostenlose Zertifikate über 2035 hinaus in Aussicht.
Praxis zeigt: Es geht auch anders
Während in Brüssel um Quoten gestritten wird, zeigen Pilotprojekte, wie Landwirtschaft klimafreundlicher funktioniert. Der Backwarenhersteller Lieken lässt auf über 300 Hektar Weizen mit CO2-reduziertem Dünger anbauen. Der Clou: Der Dünger basiert auf Biomethan statt Erdgas. Der CO2-Fußabdruck sinkt um mehr als 30 Prozent. Die Bauern kassieren dafür eine Prämie von 70 bis 90 Euro pro Hektar.
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Entscheidungswoche in Brüssel
Nächste Woche geht es Schlag auf Schlag: Ab Mitte Juni starten die Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht. Der Umweltausschuss stimmt über neue genomische Techniken (NGT) ab. Organisationen wie Arche Noah warnen vor wachsender Marktmacht der Agrochemie-Konzerne durch Saatgut-Patente.
In Österreich berät der Nationalrat am 11. Juni über das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz. Für die nötige Zweidrittelmehrheit fehlen derzeit noch Stimmen – die Ausbauziele sind umstritten. Die Schweiz hat unterdessen Anfang Juni beschlossen, EU-Pestizidzulassungen künftig automatisch zu übernehmen. Umweltverbände toben.
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