EU-Kfz-Zulassungen steigen um 12,5 Prozent – Digitalisierung der COC-Dokumente rückt näher
30.04.2026 - 13:33:45 | boerse-global.de
Im März 2026 stiegen die Pkw-Neuzulassungen in der Europäischen Union um 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – auf rund 1,2 Millionen Einheiten. Das teilte der europäische Automobilherstellerverband ACEA am 23. April mit. Grund für den Schub sind unter anderem verbesserte Steuervorteile und Förderprogramme in mehreren Mitgliedstaaten.
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Doch der boom bringt auch Probleme mit sich: Die Logistik- und Zulassungssysteme geraten zunehmend unter Druck. Besonders die Bearbeitung von Übereinstimmungsbescheinigungen (Certificates of Conformity, COC) für grenzüberschreitende Fahrzeugbewegungen wird zum Engpass. Und das ausgerechnet jetzt, wo die Branche vor einem grundlegenden Wandel steht.
Digitale COC-Pflicht ab Juli 2026
Ab dem 5. Juli 2026 sind herkömmliche Papier-COCs für die Zulassung neuer Fahrzeuge der Klassen M, N und O in der EU nicht mehr ausreichend. Die Verordnung (EU) 2018/858 schreibt vor, dass Hersteller künftig digital signierte elektronische Übereinstimmungsbescheinigungen (eCoCs) über sichere Austauschsysteme bereitstellen müssen. Ziel ist es, die Zulassung zu vereinfachen und bürokratische Engpässe im Binnenmarkt zu beseitigen.
Die Umstellung von Papier auf digitale Formate befindet sich in der entscheidenden Phase. Branchenexperten betonen, dass die Juli-Frist einen fundamentalen Wandel in der Handhabung technischer Daten darstellt. Der elektronische COC – in der Fachsprache auch als Initial Vehicle Information (IVI) bekannt – ist ein strukturierter XML-Datensatz. Er enthält umfassende technische Details wie Abmessungen, Gewicht, Kraftstoffverbrauch und Emissionswerte.
Die digitale Signatur ist das Herzstück der Reform. Sie gewährleistet die Echtheit und Integrität der Daten. Nationale Zulassungsbehörden können die Informationen künftig automatisch über das europäische Fahrzeug- und Führerscheininformationssystem EUCARIS prüfen. Während Papierdokumente jahrzehntelang Standard waren, gelten sie zunehmend als administrative Last, die eine Echtzeit-Zulassung über Grenzen hinweg behindert.
Die Schweiz ist bereits vorangegangen: Seit dem 1. Januar 2026 erkennt das Land europäische eCoCs direkt an und greift über IVI-Systeme auf die Datenbanken zu.
Für Hersteller und Importeure bedeutet die Umstellung die Einführung von Homologationssoftware, die diese XML-Datensätze automatisch generieren kann. Während große Automobilkonzerne ihre Systeme weitgehend integriert haben, stehen Klein- und Kleinstserienhersteller sowie Importeure von Nicht-EU-Fahrzeugen vor größeren Herausforderungen.
Chinesische Importe boomen – Compliance-Druck steigt
Die steigende Nachfrage nach COC-Dokumenten und Compliance-Dienstleistungen wird auch durch einen massiven Anstieg der Fahrzeugimporte aus Drittstaaten befeuert. Eine Analyse des Mercator Institute for China Studies (Merics) vom 27. April 2026 zeigt: Die Nachfrage nach Fahrzeugen aus China bleibt hoch. Allein in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 exportierte China 214.000 Pkw – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Dieser Zustrom, der sowohl Elektro- als auch Verbrennermodelle umfasst, erfordert eine strenge Konformitätsprüfung nach den EU-weiten Typgenehmigungsvorschriften (WVTA). Importeure müssen sich durch ein Dickicht von Einzelgenehmigungen (EU-IVA) kämpfen und sicherstellen, dass die technischen Spezifikationen den europäischen Sicherheits- und Umweltauflagen entsprechen. Die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen treibt das europäische Markt für Prüfung, Inspektion und Zertifizierung (TIC) an, das 2026 voraussichtlich ein Volumen von umgerechnet rund 19,5 Milliarden Euro erreichen wird.
Marktforscher beobachten, dass Deutschland weiterhin den größten Anteil an diesem TIC-Markt hält – knapp 27 Prozent des Umsatzes. Grund dafür sind die starke Fertigungsbasis und die hohe Zahl von Fahrzeugzulassungen, die im März 2026 in der EU bei über 1,1 Millionen Einheiten lag. Allein in Deutschland stiegen die Neuzulassungen um 16 Prozent, auch Frankreich und Spanien verzeichneten zweistellige Zuwächse.
Regulatorische Modernisierung und technische Standards
Um mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten, hat die Europäische Kommission mehrere Aktualisierungen des Rechtsrahmens auf den Weg gebracht. Bereits im Februar 2026 wurden neue Gesetzesinitiativen angekündigt, um die Fahrzeugtypgenehmigungsvorschriften an die Euro-7-Norm und aktualisierte internationale Regelungen der UN-Wirtschaftskommission für Europa (UN ECE) anzupassen. Diese Neuerungen konzentrieren sich auf kritische Bereiche wie die Haltbarkeit von Fahrzeugbatterien und die Grenzwerte für Bremsenpartikelemissionen.
Die Kommission hat zudem Überarbeitungen der Verordnung (EU) 2018/858 vorgeschlagen, um fortschrittliche Technologien wie Fahrerassistenzsysteme (DCAS) und automatisiertes Valet-Parking (AVP) zu berücksichtigen. Fahrzeuge mit solchen Systemen müssen künftig spezifische UN-ECE-Vorschriften erfüllen, um eine EU-weite Zulassung zu erhalten. Für Importeure bedeutet das: Die technischen Daten im COC müssen eine zunehmend komplexe Palette von Sicherheits- und Umweltparametern abbilden.
Darüber hinaus überprüft die Kommission die technischen Anforderungen für die EU-Einzelgenehmigung (EU-IVA). Das betrifft vor allem Spezialfahrzeuge und Kleinserienimporte, bei denen die Umstellung auf rein digitale Dokumente je nach Fahrzeugkategorie erst Ende 2026 oder 2028 erfolgen könnte.
Logistik und Compliance im Wandel
Das Zusammentreffen steigender Importvolumen und strengerer digitaler Anforderungen verändert die Logistik der Fahrzeugverteilung grundlegend. Logistikdienstleister und Compliance-Agenturen bieten zunehmend ausgelagerte „Compliance-as-a-Service"-Modelle an. Sie helfen Händlern und Importeuren, den bürokratischen Aufwand bei der Beschaffung von COCs und technischen Datenblättern zu bewältigen. Treiber dieses Trends sind der Wunsch nach kürzeren Markteinführungszeiten und die Komplexität grenzüberschreitender Datenaustausche.
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Die Expansion des Marktes für Batterie-Elektrofahrzeuge (BEV) bringt eine zusätzliche Komplexitätsebene mit sich. Im ersten Quartal 2026 erreichten BEVs einen Marktanteil von 19,4 Prozent in der EU – gegenüber 15,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Zulassung dieser Fahrzeuge erfordert oft zusätzliche Dokumente zu Batteriezertifizierungen und Förderberechtigungen, die im elektronischen Compliance-Datensatz korrekt abgebildet werden müssen.
Branchenanalysten erwarten, dass die Digitalisierung des COC langfristig zu automatisierteren und transparenteren Fahrzeugmärkten führen wird. Ab Juli 2026 soll ein öffentlicher Fahrzeugsuchdienst zur Verfügung stehen. Damit können Marktteilnehmer die Konformitätsdaten eines Fahrzeugs anhand seiner Fahrzeugidentifikationsnummer (VIN) überprüfen. Diese Transparenz soll Betrug reduzieren und das Vertrauen in den Gebraucht- und Importmarkt stärken.
Ausblick: Wettlauf gegen die Zeit
Die Automobilindustrie befindet sich im Endspurt: Bis zum 5. Juli 2026 müssen alle Systeme für die verpflichtenden eCoCs bereit sein. Der aktuelle Zulassungsboom gibt der Branche zwar Auftrieb, zeigt aber auch die Grenzen der veralteten Papiersysteme auf. Die erfolgreiche Integration der Initial Vehicle Information (IVI) in die nationalen Zulassungsdatenbanken wird entscheidend sein, um die Effizienz des EU-Binnenmarktes zu erhalten.
In den kommenden Monaten erwarten Marktteilnehmer weitere Leitlinien der Europäischen Kommission zur Anerkennung internationaler Standards. Das könnte den Zulassungsprozess für globale Hersteller vereinfachen. Für die unmittelbare Zukunft liegt der Fokus jedoch auf der technischen Bereitschaft. Unternehmen, die ihre Dokumentenmanagementsysteme noch nicht auf digital signierte XML-Datensätze umgestellt haben, riskieren erhebliche Verzögerungen bei der Fahrzeugzulassung und -verteilung über die europäischen Grenzen hinweg.
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