EU-Haushalt, Deutschland

EU-Haushalt 2028–2034: Deutschland fordert 400 Mrd. Euro Kürzung

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschland und fünf weitere Nettozahler verlangen weniger EU-Ausgaben. Der Kommissionsentwurf umfasst nahezu 2 Billionen Euro, Gespräche laufen.

EU-Haushalt 2028–2034: Deutschland fordert Milliardenkürzungen
Ein modernes, minimalistisches Regierungsgebäude aus Glas und Stahl bei bewölktem Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Die Weichenstellungen für den mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034 sorgen für erhebliche Spannungen zwischen den Mitgliedstaaten. Deutschland und weitere Nettozahler fordern in einer gemeinsamen Erklärung eine deutliche Kürzung des geplanten EU-Haushalts.

Die Gruppe, zu der neben der Bundesrepublik auch Österreich, Schweden, Finnland, Dänemark und die Niederlande gehören, dringt auf Einschnitte in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro gegenüber dem Entwurf der Europäischen Kommission, der ein Gesamtvolumen von nahezu 2 Billionen Euro vorsieht.

Belastungen für Nettozahler und Kürzungsforderungen

Aus Sicht der beteiligten Regierungen übersteigt der aktuelle Entwurf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Geberländer. Berichten zufolge will Bundeskanzler Merz in den anstehenden Gesprächen rund 400 Mrd. Euro heraushandeln. Merz bezeichnete die Beratungen als schwierigste Haushaltsverhandlungen seit Jahrzehnten.

Auf Deutschland könnten im Zeitraum von 2028 bis 2034 nach Einschätzungen bis zu 450 Mrd. Euro an Zahlungen an die EU zukommen, bezogen auf den Gesamtetat von 2 Billionen Euro, was einem Zuwachs von 60 Prozent entspräche. Der jährliche Nettoverlust der Bundesrepublik läge demnach bei etwa 50 Mrd. Euro und wäre damit mehr als dreimal so hoch wie im Jahr 2023.

Auch in Österreich regt sich deutlicher Widerstand. Bundeskanzler Stocker betonte anlässlich eines Treffens mit EU-Ratspräsident Costa in Wien, das Budget von 2 Billionen Euro stelle eine Steigerung um 60 Prozent dar und sei nicht finanzierbar.

Stocker forderte eine Senkung um mehrere hundert Milliarden Euro. Neben dem Festhalten am bestehenden Österreich-Rabatt und dem Drängen auf rasche Klärung beim Österreich-Aufschlag kritisierte er den geplanten Aufbau von 2500 neuen EU-Stellen bei bisher rund 32.000 Mitarbeitern. Zum Vergleich baue Österreich in den kommenden drei Jahren 2600 Verwaltungsstellen ab.

Oppositionelle Stimmen, darunter FPÖ-EU-Sprecherin Fürst, kritisierten diese Positionierung und hielten der Regierungspartei vor, bei europäischen Forderungen nach Steuermitteln stets nachgegeben zu haben. Zudem wandte sie sich gegen Bestrebungen zur Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips sowie gegen den EU-Asyl- und Migrationspakt mit dessen Vorgaben zu Zwangsverteilung und Strafzahlungen.

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Struktur des Kommissionsentwurfs und Gegenpositionen

Der Vorschlag der EU-Kommission beziffert das Finanzvolumen auf 1,27 Prozent der Wirtschaftsleistung der Mitgliedstaaten. Inhaltlich sind unter anderem 865 Mrd. Euro für Partnerschaftspläne, 300 Mrd. Euro für die Landwirtschaft sowie 218 Mrd. Euro für die Regionen vorgesehen.

Zugleich plant die Brüsseler Behörde, die Zahl der bisherigen Förderprogramme von 52 auf 16 zu bündeln. Zur Refinanzierung stehen neue Einnahmequellen zur Debatte, darunter eine Unternehmensabgabe für Konzerne mit einem Umsatz von über 100 Mio. Euro sowie Anteile an der Tabaksteuer.

Während Staaten wie Deutschland und die Niederlande Kürzungen um mehrere hundert Milliarden Euro anstreben, werben Frankreich und Spanien für einen ehrgeizigeren finanziellen Rahmen. Das Europäische Parlament wiederum verlangt einen Aufschlag von weiteren 197,3 Mrd. Euro.

Ein früherer Kompromissansatz, die sogenannte zyprische Verhandlungsbox aus dem Juni, hatte das Gesamtvolumen lediglich um 2 Prozent reduziert. Nach internen Dokumenten drängt eine Mehrheit der Mitgliedstaaten insbesondere auf Einsparungen bei der Rubrik 4, die die europäische öffentliche Verwaltung betrifft.

Weiterer Verhandlungsfahrplan

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Zur Refinanzierung des EU-Haushalts 2028–2034 stehen neue Einnahmequellen zur Debatte — darunter eine Unternehmensabgabe für Konzerne mit einem Umsatz von über 100 Mio. Euro. Ob und in welcher Form sie kommt, ist offen; die Verhandlungen laufen bis Ende 2026. Wer die eigene Abgabenlast heute durchrechnet, ist auf beide Ausgänge vorbereitet. Die Szenario-Rechnung führt die Belastungspfade für 2028–2034 durch. Szenario-Rechnung zur EU-Abgabenlast sichern

Der zeitliche Druck auf die Mitgliedstaaten nimmt stetig zu. EU-Ratspräsident Costa verwies darauf, dass die Verhandlungen bis Ende 2026 abgeschlossen sein müssen, um einen fristgerechten Start des neuen Finanzrahmens am 1. Januar 2028 zu gewährleisten.

Die irische Ratspräsidentschaft beabsichtigt, Anfang Oktober einen neuen Kompromissvorschlag zum 2-Billionen-Euro-Budget vorzulegen, der als Verhandlungsgrundlage für den anstehenden Gipfel am 15. und 16. Oktober dienen soll.

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