EU-Entwaldungsverordnung: Neue Nachweispflichten ab Ende 2026
28.06.2026 - 22:32:25 | boerse-global.de
Importeure von Kaffee, Kautschuk, Holz und Kakao müssen dann die legale Herkunft ihrer Produkte lückenlos nachweisen. Für viele Unternehmen wird das zur Zerreißprobe.
Rückverfolgbarkeit als neue Handelsbarriere
Die Regelungen verlangen GPS-Koordinaten jeder einzelnen Anbaufläche. In Vietnam zeigt sich, wie schwierig das wird: Offizielle Statistiken weisen für die Region Nam Lau rund 1.700 Hektar Kaffeeanbaufläche aus – Fernerkundungsdaten zeigen tatsächlich 5.400 Hektar. Von den 15 Millionen Hektar Wald in Vietnam sind zudem nur 868.000 Hektar zertifiziert.
Große vietnamesische Unternehmen erfüllen schätzungsweise 70 bis 80 Prozent der Anforderungen. Kleine und mittlere Betriebe stehen dagegen vor existenziellen Problemen. Branchenkenner erwarten dennoch für 2025 einen Rekordwert bei vietnamesischen Holzexporten von über 18 Milliarden Dollar – vorausgesetzt, die Firmen bekommen die Auflagen in den Griff.
Bürokratie bremst Kreditvergabe
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Doch nicht nur Lieferanten außerhalb der EU stöhnen über die neuen Regeln. Eine Umfrage des Genoverbands unter 277 Bankvorständen zeigt: Die umfangreichen Dokumentationspflichten hemmen zunehmend die Kreditvergabe. Fast die Hälfte der Firmenkunden ist mit der Bereitstellung der erforderlichen Nachhaltigkeitsdaten überfordert.
Auch die EU-Naturwiederherstellungsverordnung sorgt für Unmut. Auf dem Bauerntag in Freiburg im Juni 2026 kritisierten Landwirte die bürokratischen Pläne. Manche davon umfassen mehr als 1.000 Seiten. Die Forderung: mehr Freiwilligkeit und Marktmechanismen statt starrer Vorgaben.
Verschärfungen bei Erntedaten und Zöllen
Parallel zu den Umweltauflagen verschärft sich der regulatorische Rahmen. Das Landgericht Düsseldorf entschied Anfang Juni 2026: Einfache Selbsterklärungen für Erntegut reichen nicht mehr. Händler verlangen nun offizielle Erntegutbescheinigungen.
Ab Juli 2026 entfällt zudem die Zollfreigrenze für Kleinsendungen unter 150 Euro aus Nicht-EU-Ländern. Stattdessen wird eine pauschale Gebühr von 3 Euro pro Warenkategorie fällig – ein Schlag gegen Billigplattformen aus Übersee. Gleichzeitig drohen neue Handelskonflikte: US-Präsident Trump kündigte an, EU-Waren mit 100 Prozent Zoll zu belegen, falls Europa Digitalsteuern einführt.
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Warum der Druck auf die Lieferketten wächst
Die Dringlichkeit der Regulierungen untermauert eine aktuelle Nature-Studie: Bereits bei einer Erwärmung von unter 2 Grad Celsius und einer Entwaldung von 22 bis 28 Prozent könnten weite Teile des Amazonas in Savannen oder geschädigte Wälder übergehen. Derzeit sind bereits 17 bis 18 Prozent der ursprünglichen Waldfläche zerstört. Die Kontrolle globaler Lieferketten wird damit zur Klimafrage.
