EU-CO2-Ziele: Daimler Truck fordert Infrastruktur-Kopplung
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 07:15 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDaimler Trucks Infrastruktur-Forderung
- Achim Puchert fordert eine stärkere Kopplung der EU-Regulierung an den tatsächlichen Infrastrukturausbau.
- Daimler Truck verfügt laut Puchert über ein breites Elektroportfolio für schwere Nutzfahrzeuge.
- Als Hindernisse nennt der Vorstand fehlende Ladepunkte, schwache Netze und hohe Strompreise in Europa.
Daimler Truck verlangt Anpassung der EU-Regeln
Der Vorstand von Daimler Truck, Achim Puchert, hält eine Veränderung der CO2-Regulierung der Europäischen Union für Lkw-Hersteller für angemessen. Die regulatorischen Anforderungen sollten stärker an den tatsächlichen Ausbau der Infrastruktur gekoppelt werden, sagte Puchert der „Welt am Sonntag“.
Hersteller sehen Infrastruktur als Engpass
„Wir stellen die Ziele nicht infrage. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und in Fahrzeuge investiert. Aber die Infrastruktur entwickelt sich deutlich langsamer als angekündigt“, sagte Puchert. Wenn die Voraussetzungen nicht geschaffen würden, sei es nicht fair, allein die Hersteller für das Verfehlen der Ziele verantwortlich zu machen.
Nach seinen Angaben drohen hohe Strafzahlungen, die die Investitionsfähigkeit des Lkw-Herstellers beeinträchtigen könnten. Puchert betonte zugleich, Daimler Truck stelle die europäischen Klimaziele nicht grundsätzlich infrage.
Elektro-Lkw bleiben vom Umfeld abhängig
Dass Elektro-Lkw in Europa bislang nur niedrige Marktanteile erreichen, liege nicht an den Unternehmen, argumentierte Puchert. Die Fahrzeuge seien verfügbar; Daimler Truck und seine Wettbewerber verfügten über breite Elektroportfolios.
Als zentrale Probleme nannte der Manager die Verfügbarkeit der Infrastruktur, die Leistungsfähigkeit der Stromnetze und wettbewerbsfähige Preise. In Europa gebe es zu wenige Ladepunkte für große Nutzfahrzeuge, während der Strompreis bislang keinen klaren Kostenvorteil gegenüber Dieselantrieben ermögliche.
Blick auf China
„Erst wenn Infrastruktur und Betriebskosten stimmen, entsteht für viele Kunden ein überzeugender Business Case“, sagte Puchert, der auch Chef der Marke Mercedes-Benz Trucks ist. Er verwies auf den hohen Anteil von E-Lkw in China.
Dort arbeiteten Politik, Infrastrukturbetreiber und Industrie enger zusammen, sagte Puchert. Die Ladeinfrastruktur werde gezielt entlang der wichtigsten Transportachsen aufgebaut; Europa hinke bei diesem Thema noch hinterher.
Die Forderung von Daimler-Truck-Chef Achim Puchert zielt auf einen zentralen Zielkonflikt der europäischen Verkehrspolitik: Die EU setzt für schwere Nutzfahrzeuge verbindliche CO2-Minderungsvorgaben, während der für den Betrieb elektrischer Lkw notwendige Ausbau von Ladepunkten und Stromnetzen langsamer vorankommt. Für Speditionen zählt neben der Fahrzeugverfügbarkeit vor allem, ob Fahrzeuge entlang ihrer festen Routen zuverlässig geladen werden können.
Bei schweren Lkw fallen die Anforderungen an Ladeleistung, Standorte und Netzanschlüsse deutlich höher aus als bei Pkw. Ladeparks müssen an Logistikzentren, Depots und wichtigen Transportachsen entstehen. Verzögerungen beim Flächenzugang, bei Genehmigungen und bei Netzanschlüssen können deshalb die Umstellung bremsen, selbst wenn die Hersteller passende Fahrzeuge anbieten.
Kosten entscheiden über den Markthochlauf
Für Transportunternehmen ist außerdem die Gesamtrechnung entscheidend. Hohe Strompreise, begrenzte Auslastung und teure Ladeinfrastruktur können den Kostenvorteil eines Elektro-Lkw gegenüber einem Dieselmodell aufzehren. Die Debatte über eine stärkere Kopplung von Regulierung und Infrastruktur betrifft damit nicht nur Hersteller, sondern auch Speditionen, Verlader und Verbraucher, deren Lieferketten auf planbare Transportkosten angewiesen sind.
Der Verweis auf China hebt einen politischen Unterschied hervor: Dort werden Fahrzeuge, Ladeachsen und Energieversorgung stärker gemeinsam geplant. In Europa dürfte der Druck auf Mitgliedstaaten und Netzbetreiber wachsen, den Ausbau mit den Flottenzielen der Hersteller abzustimmen. Ob daraus eine Änderung der EU-Vorgaben entsteht, bleibt eine politische Entscheidung; die wirtschaftliche Kernfrage lautet, wer das Risiko eines verzögerten Infrastrukturausbaus trägt.
