EU-Cloud-Gesetz, Europäische

EU-Cloud-Gesetz: Europäische Software verdrängt US-Anbieter massiv

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 22:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Airbus migriert Anwendungen zu Scaleway, neue EU-Gesetze treiben den Wandel zu europäischen Cloud-Diensten voran.

Europäische Firmen setzen auf lokale Cloud- und KI-Lösungen
Ein abstraktes Bild, das den sicheren Datenfluss in einem europäischen Digitalnetzwerk darstellt, mit leuchtenden Knoten und Linien. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Abhängigkeit von US-Anbietern gilt zunehmend als strategisches Risiko. Airbus migriert kritische Anwendungen, der Gesetzgeber verschärft die Regeln – und deutsche IT-Entscheider öffnen sich für europäische Software.

Airbus zeigt, wie der Shift geht

Der Luftfahrtkonzern Airbus macht ernst. In einem ersten Schritt wanderte bereits 70 Anwendungen von US-Cloud-Diensten zu Scaleway. Insgesamt sollen rund 900 Anwendungen unter europäische Kontrolle gebracht werden. Digitalchefin Catherine Jestin begründet den Schritt mit dem Streben nach strategischer Autonomie.

Die Marktdaten untermauern den Trend. Laut einer Studie von Myra Security schließen nur noch 4,6 Prozent der deutschen IT-Entscheider europäische Softwarelösungen kategorisch aus. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 47,7 Prozent. Rund 40 Prozent der befragten Unternehmen befinden sich bereits in der Einführungsphase europäischer Produkte. Gartner prognostiziert für 2026 ein Wachstum der Ausgaben für europäische Infrastructure-as-a-Service-Lösungen um 83 Prozent.

Neue Gesetze treiben den Wandel

Die EU verschärft den regulatorischen Rahmen. Am 3. Juni 2026 legte die Kommission einen Vorschlag für ein EU-Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz vor. Es führt vier Sicherheitsstufen ein. Ab Januar 2027 fallen zudem die Wechselkosten für Cloud-Dienste weg – das EU-Datengesetz macht den Anbieterwechsel deutlich einfacher.

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Besonders relevant für den E-Commerce: Der EU AI Act könnte ab dem 2. August 2026 eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte erzwingen. Das betrifft Unternehmen wie den Modehändler Chicorée. Der nutzt bereits Googles KI-Modell Gemini zur Produktbild-Generierung – mit Erfolg. Seit Anfang Juni stiegen die Klicks um 26 Prozent, die Impressionen um 25 Prozent. Eine explizite Kennzeichnung als KI-Erzeugnis fehlt bislang.

Agentische KI erobert den Handel

Im digitalen Handel boomen sogenannte agentische KI-Systeme. 2024 nutzten gerade 9 Prozent der mittelständischen E-Commerce-Betreiber die Technologie. Mitte 2026 sind es bereits 41 Prozent. Große Plattformen reagieren: Shopify Flow veröffentlichte im April eine Version mit mehrstufigen Aktionsketten, Rebuy startete im Mai ein spezielles Autonomie-Level.

Der KI-Agent des Anbieters Gorgias bearbeitet bereits 46 Prozent der Support-Tickets. Doch Experten warnen vor Risiken. Fehlentscheidungen automatisierter Systeme können teuer werden – eine Fehlbestellung durch automatisierte Inventarsysteme verursachte bereits Schäden in Höhe von 340.000 US-Dollar.

Lokale Lösungen und photonische Chips

Datenschutz wird zunehmend lokal gedacht. Das Berliner Start-up wooms trainiert sein Logistik-Sprachmodell woomsLM vollständig ohne Netzwerkverbindung. Das soll die Datensicherheit in Lagerverwaltungssystemen erhöhen. Gleichzeitig warnt Bundesdigitalminister Wildberger vor der technologischen Kluft: Europa verfüge nur über 5 Prozent der weltweiten Rechenkapazität, die USA über bis zu 80 Prozent.

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An Alternativen wird gearbeitet. Die Partnerschaft zwischen Q.ANT und IONOS bringt photonische KI-Chips ab Sommer 2026 kommerziell in die Cloud. Die in Stuttgart gefertigten NPU-Chips versprechen eine bis zu 30-mal höhere Energieeffizienz und bis zu 50-mal höhere Rechenleistung im Vergleich zu herkömmlichen Systemen.

Parallel entstehen Kooperationen für kritische Infrastrukturen. secunet und Cloudflare entwickeln Cloud-Dienste, die den Souveränitätskriterien des BSI entsprechen. Zielgruppe sind Behörden, Streitkräfte und Betreiber kritischer Infrastrukturen – betrieben unter europäischem Modell.

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