EU-China-Handel, Maros Sefcovic

EU-China-Handel: Sefcovic fordert in Peking Abbau des Handelsdefizits

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 14:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic fordert bei Gesprächen in Peking einen Abbau des großen Handelsdefizits mit China. Im Mittelpunkt stehen außerdem der Marktzugang für europäische Unternehmen und mögliche Beschränkungen für chinesische Hybridautos.

EU-Kommissar für Handel Maros Sefcovic möchte sich in Peking für ausgeglicheneren Handel einsetzen. (Archivbild)  - Bild: Jorge Saenz/AP/dpa
EU-Kommissar für Handel Maros Sefcovic möchte sich in Peking für ausgeglicheneren Handel einsetzen. (Archivbild) - Bild: Jorge Saenz/AP/dpa

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic hat zum Auftakt seiner bis Freitag dauernden China-Reise einen ausgeglicheneren Handel mit der Volksrepublik gefordert und Gespräche über das Handelsdefizit sowie chinesische Hybridautoimporte angekündigt.

Sefcovic fordert besseren Marktzugang

„Erster Tag in China, mit einem Ziel: damit beginnen, unser nicht tragbares Handelsdefizit abzubauen“, schrieb Sefcovic auf der Plattform X. Zuvor hatte er sich mit Vertretern von Unternehmen aus der Europäischen Union in China ausgetauscht.

Nach seinen Angaben müsse der Zugang zum chinesischen Markt verbessert werden. Zugleich müsse die wirtschaftliche Sicherheit der EU gestärkt werden.

Peking setzt auf Gespräche

Das chinesische Außenministerium warb für eine diplomatische Lösung der Handelsstreitigkeiten. Offene Zusammenarbeit und ein gleichberechtigter Dialog lägen im gemeinsamen Interesse beider Seiten, sagte Sprecherin Mao Ning.

Bei Sefcovics Gesprächen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao soll es neben dem Handelsungleichgewicht auch um den Streit über Hybridautos gehen.

Streit über mögliche Importbeschränkungen

Nach Angaben von Diplomaten wies China bis zuletzt Forderungen zurück, seine stark gestiegenen Exporte von Hybridautos freiwillig zu begrenzen. Als mögliche Reaktion steht deshalb eine zeitlich befristete Schutzmaßnahme im Raum.

Diese könnte chinesische Hybridimporte durch Einfuhrquoten und hohe Zölle für darüber hinausgehende Lieferungen beschränken. Eine solche Maßnahme wäre vermutlich nur möglich, wenn sie auch für andere Handelspartner wie Japan, Südkorea und Großbritannien gelten würde.

Berlin und Paris verlangen schärferes Vorgehen

Deutschland und Frankreich dringen angesichts wachsender Schäden für die europäische Industrie auf ein entschlosseneres Vorgehen gegen chinesische Importe. Sie fordern unter anderem ein neues Instrument, mit dem der Zugang zum EU-Markt für bestimmte Produkte schnell eingeschränkt werden könnte.

Die EU führte im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 360 Milliarden Euro mehr aus China ein, als sie dorthin exportierte. Brüssel wirft Peking vor, mit staatlichen Subventionen für unfairen Wettbewerb zu sorgen. China warnt dagegen vor protektionistischen Maßnahmen der EU.

Strukturelles Ungleichgewicht

Das EU-Handelsdefizit mit China ist Ausdruck einer über Jahre gewachsenen Abhängigkeit. Die Europäische Union importiert große Mengen von Industrieprodukten, während europäische Unternehmen beim Zugang zum chinesischen Markt auf höhere Hürden stoßen. Für die EU geht es deshalb nicht nur um einzelne Zollentscheidungen, sondern um die Frage, wie offen und widerstandsfähig ihre Lieferketten künftig sein sollen.

Besonders sichtbar ist der Konflikt in der Autoindustrie. Chinesische Hersteller gewinnen in Europa Marktanteile, während europäische Anbieter in China mit einem intensiven Wettbewerb und regulatorischen Einschränkungen konfrontiert sind. Hybridfahrzeuge stehen dabei zwischen Verbrennern und Elektroautos und könnten zu einem weiteren Prüfstein für europäische Handelsschutzinstrumente werden.

Verhandlungen und Schutzmaßnahmen

Sefcovics Reise verbindet daher Dialog und Druck. Peking setzt auf Gespräche und warnt vor Protektionismus; die EU prüft zugleich Maßnahmen, die Importe einzelner Produktgruppen begrenzen könnten. Für Verbraucher und Unternehmen wären Folgen unmittelbar spürbar: Zölle oder Quoten könnten chinesische Fahrzeuge verteuern, zugleich aber Gegenmaßnahmen auslösen und europäische Firmen mit Aktivitäten in China belasten.

Die deutsch-französische Forderung nach schnelleren EU-Instrumenten zielt auf eine gemeinsame Reaktionsfähigkeit. Eine dauerhafte Entkopplung von China ist damit nicht automatisch verbunden. Entscheidend wird sein, ob Brüssel Marktöffnung und fairen Wettbewerb durch Verhandlungen erreicht oder den Schutz europäischer Industrien stärker über handelspolitische Maßnahmen absichern muss.

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