EU-Behörde, AMLA

EU-Behörde AMLA setzt Versicherungsmakler unter Druck

06.05.2026 - 20:41:06 | boerse-global.de

Die neue EU-Behörde AMLA startet eine umfassende Datenerhebung bei rund 100 österreichischen Versicherungsmaklern als Test für die geplante Zentralaufsicht.

EU-Behörde AMLA setzt Versicherungsmakler unter Druck - Foto: über boerse-global.de
EU-Behörde AMLA setzt Versicherungsmakler unter Druck - Foto: über boerse-global.de

Mai 2026 umfangreiche Daten an die neue EU-Anti-Geldwäschebehörde liefern. Die Aktion gilt als erster Härtetest für die geplante Zentralaufsicht.**

Die im Juli 2025 in Frankfurt gestartete Anti-Money Laundering Authority (AMLA) hat Mitte April eine erste großangelegte Datenerhebung bei Versicherungsvermittlern gestartet. Was wie eine routinemäßige Befragung klingt, entpuppt sich für viele betroffene Betriebe als bürokratische Herausforderung. Denn das Datenpaket enthält detaillierte Excel-Fragebögen auf Englisch – inklusive eines 116-seitigen Leitfadens zur Ausfüllhilfe.

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Komplexe Anforderungen überfordern kleine Betriebe

Die Umfrage, die in Zusammenarbeit mit nationalen Ministerien durchgeführt wird, stößt bei Branchenvertretern auf Kritik. Besonders Ein-Personen-Unternehmen sehen sich mit Anforderungen konfrontiert, die weit über die bisherigen nationalen Meldevorschriften hinausgehen. Die Teilnahme ist zwar freiwillig, doch die Ministerien drängen auf breite Beteiligung – schließlich soll die künftige Regulierung die Realität des Marktes abbilden.

Gefordert werden unter anderem präzise Angaben zum geografischen Wohnsitz der Kunden und zur Identität der wirtschaftlich Berechtigten. „Die Tiefe der Abfrage hat viele überrascht", heißt es aus Branchenkreisen. Die kurze Frist bis zum 8. Mai setzt die Betriebe zusätzlich unter Druck.

Neues Regelwerk ab 2027

Die Datenerhebung ist Teil eines grundlegenden Umbaus der europäischen Finanzaufsicht. Ab dem 10. Juli 2027 tritt das neue EU-Einheitsregelwerk (Verordnung 2024/1624) in Kraft. Es ersetzt das bisherige Flickwerk aus 27 nationalen Gesetzen durch einheitliche Anti-Geldwäsche-Standards.

AMLA arbeitet derzeit an den technischen Regulierungsstandards (RTS) und Durchführungsstandards (ITS). Mehrere Konsultationen zu zentralen Themen wie der Sorgfaltspflicht bei Kundenbeziehungen laufen noch bis zum 8. Mai. Die BaFin hat Unternehmen bereits aufgefordert, sich aktiv an diesen Konsultationen zu beteiligen.

Risikomodelle für die Praxis kalibrieren

Die aktuelle Datensammlung dient als Testlauf für die IT-Infrastruktur der neuen Behörde. „Hochwertige Daten aus der Privatwirtschaft sind essenziell für ein verlässliches Modell zur Auswahl der direkt zu überwachenden Unternehmen", teilte die AMLA mit.

Bereits Anfang 2026 startete die Behörde mehrere Initiativen, um ihren risikobasierten Ansatz zu testen. Bis Jahresende sollen 24 der 40 Kernmandate erfüllt sein – mit Priorität für Standards, die für Finanzinstitute und Finanzinformationsstellen (FIUs) besonders relevant sind.

Parallel dazu schreitet der Aufbau der Frankfurter Zentrale voran. Neue Fachkräfte werden eingestellt, Büros eingerichtet. Bis Ende 2026 sollen mehrere Tranchen technischer Standards fertiggestellt sein, die festlegen, wie Unternehmen mit Hochrisikotransaktionen umgehen müssen.

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Direkte Aufsicht ab 2028

Der Endpunkt dieser Entwicklung ist klar: Ab dem 1. Januar 2028 wird AMLA bis zu 40 Finanzinstitute und -gruppen direkt überwachen. Für die übrigen Unternehmen – darunter die große Mehrheit der Versicherungsmakler – bleibt die Behörde durch ihre indirekte Aufsichtsrolle relevant. Sie koordiniert und unterstützt die nationalen Aufsichtsbehörden, um eine einheitliche Durchsetzung des Regelwerks sicherzustellen.

Branchenverbände wie der Europäische Dachverband der Versicherungsvermittler warnen allerdings vor einer unverhältnismäßigen Belastung kleiner und mittlerer Unternehmen. Ihr Risikoprofil sei deutlich niedriger als das großer Bankengruppen. Die EU setzt dennoch auf eine breite Erfassung aller „Verpflichteten" – ein strategischer Schwenk, um Schlupflöcher im gesamten Finanzökosystem zu schließen.

Ausblick

Die aktuelle Phase der Datenerhebung und Konsultation soll bis Ende des zweiten Quartals 2026 abgeschlossen sein. Nach Auswertung der bis zum 8. Mai eingereichten Daten wird AMLA ihre Risikomodelle verfeinern und die finalen technischen Standards veröffentlichen.

Für die Versicherungsbranche bedeutet das: Weitere sektorspezifische Leitlinien sind zu erwarten. Wer sich jetzt nicht mit den neuen Anforderungen vertraut macht, könnte ab 2027 böse Überraschungen erleben. Die Übergangsphase bis Ende 2026 gilt als kritisches Zeitfenster, um interne Risikoanalysen und KYC-Prozesse an die harmonisierten EU-Standards anzupassen.

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