EU-Autopolitik: Merz und Macron planen Lockerung des Verbrenner-Aus ab 2035
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 06:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vor dem EU-Gipfel Ende kommender Woche zeichnet sich eine weitreichende Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich in der europäischen Automobilpolitik ab. Friedrich Merz (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron planen ein gemeinsames Positionspapier, das eine deutliche Aufweichung des für 2035 vorgesehenen EU-weiten Verbrenner-Verbots anstrebt.
Berichten zufolge gilt eine Einigung vor dem Gipfeltreffen unter Diplomaten als wahrscheinlich, auch wenn Details noch offen sind. Ziel der bilateralen Initiative ist das Ende des Verbrennerverbots zum Jahresbeginn.
Politisches Tauschgeschäft zwischen Berlin und Paris
Die Annäherung basiert auf einem politischen Kompromiss beider Länder. Macron gibt seinen bisherigen Widerstand gegen eine Lockerung der Flottengrenzwerte auf. Im Gegenzug rückt Merz vom deutschen Widerstand gegen strikte Vorgaben zur Fertigung innerhalb der Europäischen Union ab.
Nach den Plänen sollen EU-Steuermittel zur Förderung von Elektrofahrzeugen künftig nur noch für Automobile fließen, die überwiegend in der EU hergestellt werden. Diese Regelungen sind Teil des Kommissionsvorschlags für das Industrie-Beschleuniger-Gesetz, das auch energieintensive Branchen und Technologien der Energiewende umfasst.
Bislang hatte sich die Bundesregierung für weichere Regelungen eingesetzt, um Zulieferer aus Partnerstaaten wie Großbritannien und Kanada gleichzustellen, während Frankreich auf eine enge Auslegung drängte und eine Gruppe von sieben Staaten inklusive Spanien und den Niederlanden mit Sperrminorität anführte.
Forderung nach flexibleren Flottengrenzwerten
Inhaltlich fordern Merz und Macron eine Aufweichung der CO2-Ziele um weitere 10 Prozentpunkte ohne zusätzliche Kompensation, was rechnerisch mindestens 80 Prozent entspricht.
Zudem schlagen beide Seiten beim Zwischenziel für das Jahr 2030 eine Anpassung vor: Statt des von der EU-Kommission vorgesehenen Dreijahreszeitraums von 2030 bis 2032 soll ein Fünfjahreszeitraum von 2028 bis 2032 greifen. Bislang sieht das geltende EU-Recht für das Zwischenziel 2030 eine Reduktion um 55 Prozent gegenüber 2021 vor.
Der geplante deutsch-französische Vorstoß vor dem EU-Gipfel könnte die CO2-Ziele für 2035 auf mindestens 80 Prozent absenken — und das Zwischenziel 2030 auf einen Fünfjahreszeitraum 2028 bis 2032 strecken. Wer heute über Antriebsstrategie und Flottenbudget entscheidet, braucht belastbare Szenarien statt Schlagzeilen. Unser kostenloser Report rechnet die Pfade durch, prüft die geplanten Made-in-EU-Vorgaben für EU-Fördermittel und stellt Steuern und Abgaben gegenüber. Szenario-Report 2035 jetzt anfordern
Nach aktuellem Rechtsstand müssen die CO2-Emissionen neu zugelassener Fahrzeuge ab 2035 um 100 Prozent gegenüber 2021 sinken, was einem Flottengrenzwert von 0 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht. Derzeit liegt der Grenzwert im Durchschnitt aller EU-Neuwagen eines Herstellers bei 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer.
Ein früherer Vorschlag der EU-Kommission sah vor, das Reduktionsziel für 2035 auf 90 Prozent abzusenken und die verbleibende Lücke durch CO2-armen EU-Stahl sowie erneuerbare Kraftstoffe wie E-Fuels und Biokraftstoffe auszugleichen. Damit könnten nach 2035 rechnerisch noch 27 bis 29 Prozent der Neuzulassungen auf Verbrennermodelle entfallen. Der Bundesregierung ging dieser Entwurf jedoch zu weit, sie forderte ein unkonditioniertes 90-Prozent-Ziel.
Reaktionen im EU-Parlament und Verbändeumfrage
Auch im Europäischen Parlament ist die Vorgabe umstritten. Der EVP-Berichterstatter Massimiliano Salini befürwortet ein 73-Prozent-Ziel, während der rechte Rand ein Ziel von 70 Prozent anstrebt. Eine geplante Abstimmung im Verkehrsausschuss wurde verschoben.
Aus den Reihen der deutschen Abgeordneten äußerte sich Tiemo Wölken (SPD) positiv zur Entwicklung, während Jens Gieseke (CDU) Zurückhaltung signalisierte und Jan-Christoph Oetjen (FDP) auf eine rasche Entscheidung drängte.
Flankiert wird die Debatte von Vorbehalten in der Bevölkerung. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands UNITI befürworten lediglich 29 Prozent der Autobesitzer in Deutschland ein EU-weites De-facto-Neuzulassungsverbot ab 2035, während 60 Prozent die Rücknahme fordern.
Noch gilt das geltende EU-Recht: 100 Prozent Reduktion ab 2035, Flottengrenzwert 0 Gramm CO2 pro Kilometer, aktueller Durchschnitt 93,6 Gramm. Die geplante Lockerung ist politisch umstritten — Sperrminorität von sieben Staaten, verschobene Ausschuss-Abstimmung, offene Details. Wer jetzt investiert, sollte das regulatorische Risiko kennen, bevor er Kapital bindet. Unser kostenloser Report zeigt, welche Förderfähigkeit bei EU-Steuermitteln für E-Autos auf dem Spiel steht und wie Sie Ihr Flottenportfolio gegen beide Szenarien absichern. Regulatorik-Check 2035 jetzt sichern
Bei einer Wahl zwischen E-Autos und mit erneuerbaren Kraftstoffen betriebenen Verbrennern entschieden sich 48 Prozent für den Verbrenner und 46 Prozent für das Elektrofahrzeug.
Zudem sehen 86 Prozent der Befragten die Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe, die regulär etwa 50 bis 60 Prozent des Preises ausmachen, als zu hoch an. 72 Prozent befürchten Arbeitsplatzverluste in der heimischen Automobilindustrie. UNITI-Hauptgeschäftsführer Elmar Kühn forderte vor diesem Hintergrund eine dauerhafte Steuersenkung sowie die vollständige Rücknahme des Verbrennerverbots.
Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „EU: Deutschland und Frankreich wollen das Verbrenner“
