EU-Allianz, China

EU-Allianz gegen China: Großbritannien, Japan, Südkorea im Auto-Bündnis

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 21:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Brüssel will mit Großbritannien, Japan und Südkorea eine Allianz schmieden, um der wachsenden Marktmacht chinesischer E-Autos entgegenzutreten und die heimische Industrie zu schützen.

EU plant Allianz mit Asien gegen Chinas E-Auto-Dominanz
Moderne Ladesäule für Elektroautos vor einer industriellen Hafenanlage mit Containerschiffen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die EU-Kommission plant den Aufbau einer internationalen Allianz mit Großbritannien, Japan und Südkorea, um der wachsenden Marktbeherrschung chinesischer Elektrofahrzeuge entgegenzuwirken. Wie aus Kommissionskreisen verlautete, zielt diese Kooperation darauf ab, eine gemeinsame Antwort auf die massiven Überkapazitäten in der chinesischen Industrie zu finden und die Wettbewerbsfähigkeit der westlichen Automobilhersteller zu sichern.

Drei-Säulen-Modell und bevorzugter Marktzugang

Die geplante Allianz soll auf drei zentralen Säulen basieren. Diese umfassen die Aufrechterhaltung offener Märkte zwischen den Partnerländern, die Einführung von Schutzzöllen nach dem Vorbild bestehender Regelungen im Stahlsektor sowie eine vertiefte Kooperation bei kritischen Rohstoffen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie ist die gegenseitige Gleichstellung: Fahrzeuge aus den Partnerländern Großbritannien, Japan und Südkorea sollen bei Kaufprämien und den sogenannten „Buy European“-Regeln künftig wie in der EU produzierte Autos behandelt werden.

Diese Maßnahmen folgen auf eine deutliche Verschiebung der Marktanteile. Während der Anteil chinesischer Plug-in-Hybride an den Importen in die Europäische Union im Jahr 2024 noch bei 37 % gelegen habe, stieg dieser Wert im Jahr 2025 auf 49 %.

Im ersten Quartal 2026 erreichten die Importe dieser Fahrzeugklasse bereits eine Quote von 60 %. Seit Mai dieses Jahres verkaufen chinesische Hersteller zudem erstmals mehr Fahrzeuge in Europa als ihre Konkurrenten aus Japan.

Industrieller Wandel und globale Fertigungsanteile

EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné verwies in diesem Zusammenhang auf die drastische Verschiebung der globalen Produktionskapazitäten. Während der Anteil Chinas an der weltweiten Fertigung seit dem Jahr 2000 von 6 % auf 30 % gestiegen sei, sank der Anteil Europas im gleichen Zeitraum von 21 % auf 14 %.

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Diese Entwicklung hinterlässt auch in der deutschen Automobilindustrie Spuren. Im ersten Halbjahr 2026 waren dort noch 691.500 Menschen beschäftigt, was einem Rückgang von 5,8 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Einer aktuellen Studie zufolge gelten zudem bis zu 70 % der deutschen Industrieproduktion als bedroht.

Um die europäische Basis zu stärken, diskutieren die EU-Mitgliedstaaten derzeit über den Industrial Accelerator Act (IAA). Das Gesetzesvorhaben sieht vor, den Anteil der Fertigung am Bruttoinlandsprodukt der EU bis zum Jahr 2035 auf 20 % anzuheben. Im Jahr 2024 lag dieser Wert bei 14,3 %. Innerhalb der Union gibt es jedoch auch kritische Stimmen; so warne Deutschland vor möglichen Schäden für die eigenen Exporte durch zu restriktive Maßnahmen.

Handelskonflikte und rechtliche Auseinandersetzungen

Das Verhältnis zwischen Brüssel und Peking ist derzeit durch zahlreiche Verfahren belastet. Die EU führt aktuell neun Untersuchungen auf Basis der Verordnung über drittstaatliche Subventionen (Foreign Subsidies Regulation) gegen chinesische Unternehmen. Eine OECD-Studie belegt zudem, dass chinesische Firmen bis zu achtmal mehr staatliche Hilfen erhalten als Unternehmen in westlichen Volkswirtschaften.

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Ein aktueller Streitpunkt ist die geplante Übernahme des Handelsunternehmens Ceconomy, zu dem MediaMarkt und Saturn gehören, durch den chinesischen Anbieter JD.com für 2,2 Mrd. Euro.

Die EU-Kommission prüft auch diesen Vorgang. Peking reagierte bereits mit deutlicher Ablehnung und bezeichnete die europäischen Maßnahmen als unangemessene extraterritoriale Schritte. Chinesischen Unternehmen wurde von Regierungsseite untersagt, bei den Untersuchungen der EU zu kooperieren.

Der Geschäftsträger Chinas in Spanien nannte das Vorgehen der EU enttäuschend und kündigte an, dass sein Land zu Reaktionen gezwungen sei, sollten diskriminierende Bestimmungen nicht gestrichen werden. Peking drohte zudem mit Vergeltungsmaßnahmen, falls die EU an ihrem Instrumentarium gegen Überkapazitäten festhalte.

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