ETS-Benchmarks, Papierindustrie

ETS-Benchmarks 2026–2030: Papierindustrie rechnet mit 140 Mio. Euro Mehrkosten

16.06.2026 - 19:45:48 | boerse-global.de

Neue EU-Emissionshandels-Benchmarks für 2026-2030 verabschiedet. Chemie- und Papierindustrie warnen vor massiven Mehrkosten und Carbon Leakage.

EU-Staaten billigen neue ETS-Benchmarks: Industrie protestiert
ETS-Benchmarks - Industrieschornsteine emittieren Dampf oder weißen Rauch, vor einem dramatischen Himmel, der regulatorische Änderungen und wirtschaftliche Auswirkungen symbolisiert. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Beschluss legt fest, wie viele kostenlose CO2-Zertifikate Industrieanlagen zwischen 2026 und 2030 erhalten. Wirtschaftsverbände reagierten umgehend mit scharfer Kritik.

Chemieindustrie: „Massiver Rückschlag“

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) rechnet mit jährlichen Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sprach von einem massiven Rückschlag. Die neuen Werte seien realitätsfern: Sie orientierten sich teilweise an skandinavischen Anlagen, deren Technologie nicht auf den gesamten europäischen Markt übertragbar sei.

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Der VCI betont, die Transformation zu klimaneutralen Verfahren scheitere derzeit an unzureichender Infrastruktur und hohen Energiekosten. Der Verband fordert, die CO2-Zertifikatkosten vorübergehend auf dem Niveau von 2025 einzufrieren. Zudem müsse die Berechnungsmethodik im Rahmen der für Juli 2026 erwarteten ETS-Reform grundlegend überarbeitet werden.

Papierindustrie: 140 Millionen Euro Mehrbelastung pro Jahr

Auch die Papier- und Zellstoffindustrie schlägt Alarm. Der Verband DIE PAPIERINDUSTRIE beziffert die jährlichen Einbußen auf rund 140 Millionen Euro. Präsident Hans-Christoph Gallenkamp kritisiert die Methodik als fehlerhaft. Die Benchmarks basierten auf Sonderfällen mit hohem Biomasseeinsatz – für die breite Industriebasis seien sie nicht repräsentativ.

Ohne leistungsfähige Netzanschlüsse und Wasserstoffversorgung werde die Transformation durch die Kostensteigerungen gebremst, nicht beschleunigt. Auf europäischer Ebene warnt der Branchenverband Cepi: Die Revision könne die jährliche Investitionskapazität für Dekarbonisierungsprojekte um fast eine Milliarde Euro senken. Die Berechnungen basierten auf Daten von 2021 und 2022, die die aktuellen Marktbedingungen nicht widerspiegelten. Die Folge drohe: Abwanderung von Industriekapazitäten (Carbon Leakage).

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Umweltverbände fordern stabiles CO2-Preissignal

Ein Bündnis aus mehreren Umweltorganisationen sieht die Sache anders. In einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz fordern DNR, BNW und weitere Verbände eine Stärkung des Emissionshandels. Ein stabiles CO2-Preissignal sei essenziell für Planungssicherheit bei Investitionen in klimaneutrale Technologien.

Das Bündnis appelliert an die Bundesregierung, Eingriffe in den ETS abzulehnen. Stattdessen solle sie den Umbau der Industrie durch den Ausbau erneuerbarer Energien und Klimaschutzverträge unterstützen. Parallel dazu prüfen NGOs auf europäischer Ebene die Methoden für Bioenergie-CO2-Entnahmen – ein formeller Antrag wurde Mitte Juni eingereicht. Ziel: sicherstellen, dass zertifizierte Projekte tatsächlich zu Netto-Emissionsminderungen führen.

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