ESRS, Nachhaltigkeitsberichtspflichten

ESRS 2.0: EU reduziert Nachhaltigkeitsberichtspflichten um 60%

04.06.2026 - 08:14:42 | boerse-global.de

Unternehmen reformieren Führungsstrukturen und Vergütung. EU plant drastische Erleichterungen bei Nachhaltigkeitsberichten.

Alphabet culmina una semana decisiva con una adquisición récord y avances en defensa - Bild: über boerse-global.de
Alphabet culmina una semana decisiva con una adquisición récord y avances en defensa - Bild: über boerse-global.de

Unternehmen und Regierungen auf mehreren Kontinenten haben Anfang dieser Woche ihre Führungs- und Kontrollstrukturen grundlegend überarbeitet. Die Reformen zielen auf mehr Unabhängigkeit in Aufsichtsräten, leistungsorientierte Vorstandsvergütung und schlankere Nachhaltigkeitsberichte ab.

KazTransOil setzt auf unabhängige Kontrolle

Der kasachische Ölpipeline-Betreiber KazTransOil JSC hat am 3. Juni eine neue Version seines Corporate Governance Kodex verabschiedet. Entwickelt nach den Standards der staatlichen Samruk-Kazyna-Gruppe, zielt das Update auf mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht ab. Kernstück: Die Empfehlung, den Anteil unabhängiger Direktoren im Aufsichtsrat auf 60 Prozent zu erhöhen. Das Unternehmen verspricht sich davon eine nachhaltigere Entwicklung und eine schärfere Kontrolle des Managements.

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Neue Vergütungssysteme in Europa

Auch europäische Unternehmen justieren ihre Vergütungspolitik nach. Der Modekonzern Wolford AG veröffentlichte am 3. Juni eine aktualisierte Richtlinie, die erstmals aktienbasierte Vergütung für den Vorstand einführt. Die variable Vergütung wird auf 150 Prozent des Bruttogrundgehalts gedeckelt. Gemessen wird der Erfolg an harten Kennzahlen: Nettoumsatz, EBIT und operativer Cashflow.

Parallel dazu verabschiedeten die Aktionäre von SUSS MicroTec SE auf ihrer Hauptversammlung am 3. Juni ein neues Vergütungssystem. Vorstandschef Burkhardt Frick präsentierte zudem die Strategie „Ambition 2030", die eine EBIT-Marge zwischen 20 und 22 Prozent vorsieht. Die Hauptversammlung ermächtigte den Vorstand außerdem zur Ausgabe von Wandel- oder Optionsanleihen im Gesamtwert von bis zu 300 Millionen Euro.

Bei der ProCredit Holding AG segnete die Hauptversammlung den Vergütungsbericht 2025 ab und beschloss eine Dividende von 0,47 Euro pro Aktie. Im Aufsichtsrat gibt es personelle Veränderungen: Eelko Bronkhorst und Markus Neukirch wurden neu gewählt, Bronkhorst anschließend zum Vorsitzenden bestimmt.

EU vereinfacht Nachhaltigkeitsberichte

Während Unternehmen ihre internen Regeln schärfen, will die EU-Kommission den bürokratischen Aufwand senken. Am 4. Juni präsentierte sie den Entwurf ESRS 2.0, der eine drastische Reduzierung der Pflichtangaben vorsieht. Die geforderten Informationen könnten um 60 Prozent sinken, einzelne Datenpunkte sogar um über 70 Prozent.

Die Reform soll den betroffenen Unternehmen Kosteneinsparungen von mehr als 30 Prozent bringen. Hintergrund: Die Kritik an der Komplexität der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) war zuletzt lauter geworden. Trotz der Erleichterungen bleibt die Regulierungsbehörde hart: Gegen die Crédit Agricole verhängte sie kürzlich ein Bußgeld von 7,55 Millionen Euro wegen Mängeln im Klimarisikomanagement.

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Kasachstan setzt auf KI gegen Korruption

In Kasachstan verabschiedete das Parlament am 3. und 4. Juni ein Gesetzespaket zur Stärkung der lokalen Selbstverwaltung. Dörfer erhalten künftig einen Anteil an Grundsteuern und Umweltabgaben aus nicht-ölbezogenen Sektoren. Parallel dazu wurden neue Regeln für Notare eingeführt, darunter ein Verbot von Amtshandlungen bei Interessenkonflikten mit Verwandten.

Das Wirtschaftsministerium kündigte zudem eine neue Methodik an, die ab dem 9. Juni Künstliche Intelligenz zur Überwachung der Arbeitsbelastung und potenzieller Korruptionsrisiken von Regierungsbeamten einsetzen wird. Dieser technologische Ansatz ist Teil eines breiteren Vorstoßes, die regionale Wirtschaft von einem „deals-basierten" zu einem „regelbasierten" System zu transformieren – eine Forderung, die Branchenanalysten auf dem dieswöchigen Atameken Business Forum erhoben hatten.

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