ESG-Umsetzung, BASF-Chef

ESG-Umsetzung: 80 Prozent der Unternehmen schlecht vorbereitet

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 20:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BASF-Chef Kamieth warnt vor beschleunigtem Niedergang der Industrie durch geplante Reform des EU-Emissionshandels.

BASF-Chef Kamieth kritisiert EU-Emissionshandel scharf
Moderne Chemieanlagen bei Dämmerung als Symbol für die europäische Industrie und klimapolitische Herausforderungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF, Markus Kamieth, hat die geplante Reform des europäischen Emissionshandels (EU-ETS) massiv kritisiert. Steigende CO?-Preise setzten die Industrie unter Druck, während gleichzeitig die Voraussetzungen für klimaneutrale Investitionen fehlten. Das Vorhaben könne den industriellen Niedergang Europas beschleunigen und die Abwanderung von Unternehmen verstärken, warnte Kamieth in einer Stellungnahme.

Zertifikate gegen Investitionszusagen

Im Zentrum der Kritik steht die Absicht der EU-Kommission, die Zuteilung kostenloser Emissionszertifikate bis 2040 zu verlängern. Die Bedingung: strikte Investitionszusagen. Nach den Plänen sollen Unternehmen 80 Prozent der Zertifikate bereits bei Vorlage von Investitionsplänen erhalten, die restlichen 20 Prozent erst nach tatsächlicher Umsetzung.

Kamieth betonte, dass Unternehmen damit zu weitreichenden Investitionszusagen gezwungen würden – obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür noch nicht gegeben seien. Grüner Wasserstoff etwa sei derzeit nicht wettbewerbsfähig. Der Stahlverband Eurofer teilt diese Einschätzung. Hauptgeschäftsführer Axel Eggert erklärte, die geforderten Bedingungen seien ohne eine gesicherte Versorgung mit bezahlbarem Wasserstoff nicht erfüllbar.

Zehn Prozent weniger Produktion

Die wirtschaftlichen Folgen der bisherigen Energie- und Klimapolitik sind bereits spürbar. Seit 2022 hat die chemische Industrie in Europa zehn Prozent ihrer Produktionskapazität verloren. Doch es gibt auch politischen Widerstand gegen die geplanten Ausnahmen für Unternehmen. Schwedens Klimaministerin Romina Pourmokhtari kritisierte die Zugeständnisse bei der Vergabe kostenloser Zertifikate. Die Reform ist noch nicht abschließend beschlossen.

Hinzu kommen weitere strenge ESG-Vorgaben. Ab dem 27. September 2026 treten neue EU-Regeln gegen irreführendes Nachhaltigkeitsmarketing in Kraft. Der Vorbereitungsgrad der Unternehmen gilt jedoch als lückenhaft.

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Große Lücken bei der Umsetzung

Analysen zeigen: 80 Prozent der Unternehmen haben keinen dokumentierten Prozess zur Identifikation von Nachhaltigkeitsrisiken in ihren Lieferketten. 73 Prozent berichten noch nicht über ihre Scope-3-Emissionen – also die indirekten Treibhausgasemissionen in der Wertschöpfungskette. Und 78 Prozent haben sich noch keine wissenschaftsbasierten Klimaziele gesetzt.

Einzelne Vorreiter trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Trotz der allgemeinen Kritik zeigen einzelne Unternehmen Fortschritte. Die Schwarz Gruppe hat einen Klimatransitionsplan veröffentlicht und strebt Netto-Null bis 2050 an. Gegenüber 2019 konnten dort die Scope-1- und Scope-2-Emissionen bereits um 44,1 Prozent gesenkt werden. Auch der Automobilzulieferer Continental erreichte Spitzenplatzierungen in Nachhaltigkeitsbewertungen.

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Und in Rechtsfragen zeichnet sich teilweise Klarheit ab: Der Bundesgerichtshof hat zuletzt Klimaklagen gegen BMW und Mercedes-Benz abgewiesen.

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