ESG-Ratings in China: Unternehmen verlieren Vertrauen in inländische Agenturen
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 22:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der chinesischen Wirtschaft wächst die Kritik an den aktuellen Strukturen zur Bewertung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG). Berichten aus Fachkreisen zufolge äußern zahlreiche Unternehmen ein mangelndes Vertrauen in inländische ESG-Ratingagenturen. Die Akteure fordern eine engere Synchronisierung zwischen staatlicher Regulierung und verbindlichen Branchenstandards, um die Verlässlichkeit der Bewertungen zu erhöhen.
Vertrauenskrise gegenüber nationalen Anbietern
Die Organisation ????? (Zhongchengxin Green Gold) berichtet von einer deutlichen Skepsis der Unternehmen gegenüber heimischen Rating-Dienstleistern. In der Praxis zeige sich ein Trend, bei dem internationale Agenturen bevorzugt und inländische Anbieter vernachlässigt würden.
Zudem werde kritisiert, dass der Fokus der Bewertungen zu stark auf den Endergebnissen liege, während die zugrunde liegenden Managementprozesse der Unternehmen oft nicht ausreichend berücksichtigt würden.
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Um die Entwicklung der Branche zu fördern, spricht sich ????? für die Einführung synchronisierter Regulierungen und Industriestandards aus. Dies solle unter anderem durch klare Qualifikationsanforderungen für Ratingagenturen sowie durch die Etablierung von Belohnungs- und Sanktionssystemen unterstützt werden. Ziel sei es, einen verlässlichen Rahmen für die Bewertung nachhaltiger Unternehmensführung zu schaffen.
Datenqualität als zentrale Herausforderung
Ein Experte der Zentraluniversität für Finanzen und Wirtschaft (??????), ??? (Shi Yichen), ordnet ESG-Ratings als eine Form der Kreditbewertung für die nachhaltige Entwicklungskapazität von Unternehmen ein. Seiner Einschätzung nach liege die dringlichste Aufgabe jedoch nicht primär in der Regulierung der Agenturen selbst. Vielmehr müsse die Qualität der ESG-Datenoffenlegung durch die Unternehmen signifikant verbessert werden.
Dass verschiedene Agenturen zu unterschiedlichen Rating-Ergebnissen für dasselbe Unternehmen kommen, hält der Experte für gerechtfertigt. Dennoch erwarte er, dass sich diese Abweichungen in der Zukunft verringern werden, sobald die Standards für die Berichterstattung vereinheitlicht sind.
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Methodische Defizite und mangelnde Transparenz
Auch aus der Investmentbranche kommen Hinweise auf strukturelle Schwierigkeiten. Der Vermögensverwalter ???? (Invesco Great Wall), dessen eigenes ESG-Rating-System sowohl A-Aktien als auch H-Aktien abdeckt und 15 Themenbereiche mit insgesamt 60 Indikatoren umfasst, berichtet von einer uneinheitlichen Qualität der vorliegenden ESG-Daten.
Die Korrelation zwischen den Bewertungsergebnissen verschiedener Agenturen sei derzeit niedrig, was auch auf mangelnde Transparenz in den angewandten Methodiken zurückzuführen sei.
Ein weiteres Problem bestehe darin, dass internationale Bewertungssysteme nur begrenzt auf chinesische Unternehmen anwendbar seien. Dies verstärke den Ruf nach spezifischen, auf den chinesischen Markt zugeschnittenen Standards, die dennoch internationale Anschlussfähigkeit besitzen.
