Escondida-Mine: Gewerkschaften lehnen Verhandlungspause nach tödlichem Unfall ab
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der chilenischen Kupfermine Escondida haben die zuständigen Gewerkschaften einen Antrag des Betreibers BHP abgelehnt, die laufenden Tarifverhandlungen vorübergehend auszusetzen.
Das Management hatte die Unterbrechung nach einem tödlichen Arbeitsunfall gefordert, der sich Anfang der Woche ereignete. Die Arbeitnehmervertreter, darunter die Gewerkschaft Nr. 1 sowie die Gewerkschaft der Aufseher und Angestellten, bestehen jedoch auf einer planmäßigen Fortsetzung der Gespräche.
Tödlicher Vorfall führt zu zeitweisem Stillstand
Am Mittwoch, den 23. September 2026, kam es in der Escondida-Mine zu einem schweren Unfall, bei dem ein 53-jähriger Mitarbeiter während Wartungsarbeiten ums Leben kam. Infolge des Ereignisses setzte BHP sämtliche Bergbauaktivitäten am Standort im Norden Chiles zunächst aus. Die nationale Bergbau- und Geologiebehörde Sernageomin entsandte ein Regionalteam, um die Ursachen des Vorfalls zu untersuchen.
Nachdem der Betrieb im betroffenen Bereich zunächst stillgelegt worden war, begann BHP am Donnerstag, den 24. September 2026, mit einer schrittweisen Wiederaufnahme der Aktivitäten.
In Chile ist es üblich, dass Minenbetriebe nach tödlichen Unfällen erst dann wieder vollständig hochgefahren werden dürfen, wenn staatliche Inspektoren die Sicherheit der Bedingungen bestätigt haben. Laut Unternehmensangaben liefen einige Bereiche zeitweise mit reduzierter Kapazität.
Die Gewerkschaft Nr. 1 kritisierte den schnellen Weiterbetrieb und gab an, nicht rechtzeitig über die Pläne informiert worden zu sein. Zudem behaupteten die Arbeitnehmervertreter, dass ein Großteil der Aktivitäten zunächst fortgeführt und erst nach dem Einschreiten der Behörde Sernageomin teilweise gestoppt wurde. Gewerkschaftliche Kreise wiesen zudem darauf hin, dass Sicherheitswarnungen im Vorfeld des Unfalls unbeachtet geblieben seien.
Konflikt um den Zeitplan der Tarifverhandlungen
Vor dem Hintergrund des Unfalls bat das BHP-Management um eine 15-tägige Aussetzung der Verhandlungen mit den Aufsehern und dem Fachpersonal. Die Gewerkschaften lehnten dies jedoch ab. Die Situation bleibt angespannt, da der aktuelle Tarifvertrag für rund 1.020 Aufseher und Angestellte Ende September ausläuft. Diese Gruppe stellt etwa ein Viertel der direkten Belegschaft der Mine dar.
Der Tarifvertrag für rund 1.020 Aufseher und Angestellte der Escondida-Mine läuft Ende September aus, die Abstimmung über das BHP-Angebot ist für den 28. bis 30. September angesetzt — die Gewerkschaftsführung empfiehlt bereits die Ablehnung. Wer die Folgen für Kupferpreis und BHP-Aktie einordnen will, findet in der kostenlosen Analyse die wichtigsten Szenarien. Kupfer-Analyse jetzt kostenlos anfordern
Die Führung der Gewerkschaft empfahl ihren Mitgliedern bereits, das jüngste Angebot von BHP abzulehnen. Die Abstimmung über diesen Vorschlag ist für den Zeitraum vom 28. bis zum 30. September 2026 angesetzt. Sollte das Angebot abgelehnt werden, gilt ein Streik als wahrscheinlich. Die Gewerkschaft Nr. 1, die rund 2.300 Beschäftigte vertritt, signalisierte bereits Unterstützung für mögliche Arbeitskampfmaßnahmen.
Das vorliegende Angebot des Unternehmens umfasst einen Netto-Abschlussbonus von 23,5 Mio. chilenischen Pesos bei einer Vertragslaufzeit von 36 Monaten. Demgegenüber steht eine Forderung der Gewerkschaft, die von Prozesskennern mit insgesamt US-Dollar 69,5 Mio. bewertet wird.
Bedeutung für die globale Kupferversorgung
Die Escondida-Mine gilt als die weltweit größte Kupfermine. Im Geschäftsjahr 2026 produzierte der Standort laut BHP-Angaben insgesamt 1.261.000 Tonnen Kupfer. Berechnungen von Chile País Minero zufolge entspricht dies einer täglichen Menge von rund 3.450 Tonnen. Ein längerer Stillstand könnte das globale Angebot erheblich verknappen; so wird das Volumen bei einer Woche Produktionsausfall auf etwa 24.000 Tonnen geschätzt.
Nach dem tödlichen Unfall vom 23. September kritisieren die Gewerkschaften den schnellen Weiterbetrieb und sagen, Sicherheitswarnungen seien zuvor unbeachtet geblieben. Diese Analyse ordnet ein, was die laufende Untersuchung durch Sernageomin und die angespannte Stimmung für den Minenbetrieb und die Produktionsprognose 2027 bedeuten. Analyse zum Escondida-Betriebsrisiko sichern
Für das kommende Geschäftsjahr 2027 prognostiziert BHP aufgrund sinkender Erzgehalte eine Produktion zwischen 1 und 1,1 Mio. Tonnen. An der Mine hält BHP einen Anteil von 58,5 % und fungiert als Betreiber.
Weitere Anteile liegen bei Rio Tinto mit 30 % und JECO mit 12,5 %. Die BHP-Aktie reagierte am Donnerstag, den 24. September 2026, mit einem leichten Plus von 0,1 % an der New Yorker Börse und schloss bei 85,03 US-Dollar, nachdem sie am Vortag um 3,3 % nachgegeben hatte.
