Handel und Geopolitik - Chinas Staatschef Xi startet Europareise
05.05.2024 - 11:11:04Nach seiner Ankunft an diesem Sonntagnachmittag stehen am Montag GesprÀche mit PrÀsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen an.
Auf der Agenda im Pariser ĂlysĂ©e-Palast steht zum einen der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Hier wollen die EuropĂ€er und Frankreich erreichen, dass China zumindest mĂ€Ăigend auf den Kreml einwirkt. China seinerseits will die EuropĂ€er aus dem engen Bund mit den USA lösen. Weiterer Punkt: Die EU pocht auf faire Handelsbedingungen mit China und wehrt sich gegen den Import subventionierter Produkte - gleichzeitig hofft Macron auf neue HandelsvertrĂ€ge mit dem Riesenreich.
Deutschland sitzt nicht mit am Pariser Beratungstisch, anders als bei Xis letztem Frankreich-Besuch 2019. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) war kĂŒrzlich selbst in China und besprach sich zudem am Donnerstag vorab mit Macron bei einem privaten Abendessen in Paris. Sollte er da noch zu einer Teilnahme ĂŒberredet werden? In Berlin verwies man am Freitag auf eine seit Langem geplante Kanzlerreise nach Litauen und Lettland in dieser Woche.
Aus Sicht Pekings geht es darum, die Beziehungen zu Europa zu stĂ€rken. Chinesische Staatsmedien zeichneten vor Xis Abreise ein Bild, wonach sich die EuropĂ€er insbesondere nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges in die AbhĂ€ngigkeit Washingtons drĂ€ngen lieĂen. Wenn die EuropĂ€er an diesem Kurs festhielten, könnten sie "dem Schicksal, ein Vasall der USA zu werden, nicht mehr entkommen", hieĂ es etwa in der staatlichen "Global Times". Zur selben Vokabel griff der mehr europĂ€ische SouverĂ€nitĂ€t predigende Macron jĂŒngst, als er fĂŒr die Konstruktion eines Europas warb, das nie ein Vasall der USA sei und mit allen Weltregionen reden könne.
Beziehungen in der AbwÀrtsspirale
Seit Xis letztem Besuch in Europa vor fĂŒnf Jahren sind die Beziehungen unĂŒbersehbar in eine AbwĂ€rtsspirale geraten. NĂ€herten sich BrĂŒssel und Peking vor allem wĂ€hrend der Trump-Jahre im WeiĂen Haus noch an, wurde die Ratifizierung eines Investitionsabkommens Ende 2020 wegen zunehmender geopolitischer Spannungen und Bedenken angesichts von Menschenrechtsverletzungen in China auf Eis gelegt. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sieht sich Peking zudem mit VorwĂŒrfen aus der EU konfrontiert, Russland bei seiner Invasion zu unterstĂŒtzen.
Auch in Wirtschaftsfragen schlĂ€gt BrĂŒssel in letzter Zeit einen schĂ€rferen Ton an. So wird an höheren Zöllen auf Elektroautos aus China gearbeitet. Ein Vorhaben, das vor allem von den Franzosen vorangetrieben wird und was Deutschland eher skeptisch sieht. Die EU wirft chinesischen Elektroautoherstellern wie BYD, Geely und SAIC massive staatliche Subventionen vor, die ihnen einen unfairen Vorteil auf dem Weltmarkt verschaffen.
China reagiert auf die VorwĂŒrfe mit Zuckerbrot und Peitsche: Einerseits hat Peking seinerseits eine Antidumpinguntersuchung gegen EU-Weinbrand eingeleitet, von der vor allem französische Unternehmen betroffen sind. Andererseits wird Frankreich mit neuen Kooperationen umworben.
Macron will bei dem Staatsbesuch Chinas Einfluss in globalen Sicherheitsfragen in den Blick nehmen. Als EuropĂ€er sei es das Interesse, "zu erreichen, dass China sich fĂŒr die StabilitĂ€t der internationalen Ordnung einsetzt", sagte Macron in einem Interview des Magazins "Economist". Russland als Destabilisator dieser Ordnung, ein ins Chaos stĂŒrzender Mittlerer Osten oder ein Iran, der sich möglicherweise mit Atomwaffen ausstatten könnte - all dies sei nicht im Interesse des heutigen Chinas. "Es muss daher mit China gearbeitet werden, um Frieden zu schaffen."
Eigene Interessen schĂŒtzen
Bei den GesprĂ€chen mit Xi geht es Macron auch um Wirtschaftsbeziehungen. Er kreidete an, dass Europa mit Blick auf das Verhalten der USA und Chinas beim Handel die Wirklichkeit nicht habe sehen wollen. "Das ist ein enormer Fehler. Wenn man die Nummer Eins, die Nummer Zwei hat, die sich bewusst dazu entscheiden, kritische, fĂŒr sie essenzielle Sektoren zu subventionieren, die bereit sind, öffentliche Gelder einzusetzen, um KapazitĂ€ten anzuziehen, kann man nicht so tun, als gĂ€be es das nicht." China gegenĂŒber brauche man ein respektvolles Verhalten, das aber die eigenen Interessen schĂŒtze.
China lobt "eiserne Freundschaft" mit Serbien
China-Kritiker werfen Peking vor, seinen Willen in BrĂŒssel nicht nur durch Verhandlungen auf Augenhöhe, sondern auch durch gezielte Einflussnahme auf kleinere EU-Staaten oder sogar EU-Beitrittskandidaten durchsetzen zu wollen. Im Anschluss an seinen Frankreich-Besuch reist Xi Jinping weiter nach Serbien und Ungarn.
TatsĂ€chlich hat Peking die bevorstehenden Besuche in den beiden osteuropĂ€ischen Staaten mit besonders freundlichen Worten unterstrichen. China freue sich darauf, die "eiserne Freundschaft" mit Serbien auszubauen, sagte Lin Jian, ein Sprecher des Pekinger AuĂenministeriums.
In Ungarn stehe ein "Meilenstein-Besuch" bevor, der den Beziehungen zwischen China und der EU neuen Schwung verleihen werde, sagte Lin, der auch darauf hinwies, dass Ungarn im Juli die EU-RatsprĂ€sidentschaft ĂŒbernehmen wird. Dies werde beiden Seiten helfen, "ihre Differenzen besser zu ĂŒberwinden". China investiert seit Jahren stark in Serbien und Ungarn als Teil seiner Initiative "Neue SeidenstraĂe", die darauf abzielt, die Handelsverbindungen zwischen Asien und Europa zu stĂ€rken.

