ERP-Migration, SAP-Wartungsende

ERP-Migration: Unternehmen rüsten vor SAP-Wartungsende 2027 auf

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

HARTING hat den Wechsel zu SAP Cloud ERP Private eingeleitet. NTT DATA begleitet die Cloud-Transformation vor dem SAP-Wartungsende 2027.

HARTING startet mit SAP Cloud ERP die digitale Modernisierung
Eine moderne, leere Industriehalle mit Regalsystemen und Förderbändern in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die HARTING Technologiegruppe hat Anfang September 2026 einen langfristigen Vertrag für das Paket „RISE with SAP“ unterzeichnet und damit den Wechsel auf SAP Cloud ERP Private eingeleitet. Dieser Schritt markiert eine zentrale Weichenstellung in der digitalen Strategie des Unternehmens.

CEO Philip Harting bezeichnete die Entscheidung als strategische Maßnahme, um die Transformation zu einem agileren und datengetriebenen Unternehmen zu beschleunigen. Begleitet wird dieser Prozess durch die NTT DATA Business Solutions AG, die als Partner für die Cloud-Transformation fungiert.

Strategische Modernisierung vor dem Ende des Wartungszeitraums

Die Migration erfolgt vor dem Hintergrund auslaufender Fristen für ältere Systeme. Die reguläre Mainstream-Wartung für SAP ERP endet im Jahr 2027. Unternehmen, die darüber hinaus Unterstützung benötigen, müssen bis 2030 auf den kostenpflichtigen Extended Support zurückgreifen.

Um den Übergang zu S/4HANA effizient zu gestalten, bietet SAP unter anderem den „Manage Now Transcelerator“ an. Dieses Werkzeug ermöglicht laut Anbieter eine strukturierte Vorstudie sowie eine automatisierte Umstellung des kundeneigenen Programmiercodes zum Festpreis.

Neben HARTING melden auch andere Unternehmen Fortschritte bei ihren ERP-PROJEKTEN. So ist das indische Unternehmen NHPC bereits mit SAP S/4HANA live gegangen, unterstützt durch Implementierungspartner wie Deloitte und Grant Thornton. Auch im skandinavischen Raum gibt es ähnliche Bestrebungen: Elvenite, eine Tochtergesellschaft von Combinedx, plant ab September 2026 eine Vorstudie für ein ERP-Upgrade der Molkerei TINE auf die Infor M3 CloudSuite.

Prozessautomatisierung und Logistiksteuerung im Fokus

Die Modernisierung der ERP-Landschaften geht in der Industrie häufig mit einer Optimierung der Logistik und Produktion einher. Die NÖM AG hat in diesem Zusammenhang die Einführung von SAP EWM (Extended Warehouse Management) inklusive Materialflusssteuerung abgeschlossen.

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Während das manuelle Lager in Guntramsdorf bereits seit Mai 2025 produktiv ist, wurde der Hauptstandort in Baden im Juni 2026 umgestellt. Für das erste Quartal 2027 plant das Unternehmen zudem die Inbetriebnahme eines neuen Hochregallagers mit 26.000 Palettenplätzen.

In der Fertigungssteuerung setzt beispielsweise Haver & Boecker auf das Manufacturing Execution System (MES) cronetwork von Industrie Informatik, um eine werksübergreifende Kontrolle der Produktion, Personalplanung und Feinplanung zu erreichen.

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Auch für spezialisierte Branchen wie die Kunststoffverarbeitung werden Systeme weiterentwickelt. Sage veröffentlichte eine neue Version von Wincarat, die technologische Upgrades wie 64-Bit-Unterstützung und ein Modul zur CO2e-Nachkalkulation umfasst.

Integration von Künstlicher Intelligenz in Unternehmensprozesse

Ein wesentlicher Treiber für den Wechsel in die Cloud ist die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI). Laut dem SAP Engagement Index 2026 betrachten 73 Prozent der Entscheider KI als wichtiges Instrument für die Kundenbindung; ebenso viele haben die Technologie bereits integriert. Dabei berichten 76 Prozent der Befragten von Produktivitätssteigerungen, während 32 Prozent die Cybersicherheit als Hürde nannten.

SAP SE zielt mit „SAP Industry AI“ auf die autonome Ausführung von Branchenprozessen durch KI-Agenten ab, etwa in der Anlagenverwaltung oder der regulierten Fertigung. Auch Rewe Digital nutzt bereits Agentic Orchestration auf Basis der Camunda Enterprise-Plattform, um komplexe Abläufe bei Bestellungen, Rechnungen und in der Logistik der rund 7.300 Märkte und 60 Logistikzentren zu steuern.

Der Softwareanbieter PTC verweist in diesem Kontext darauf, dass KI-Agenten repetitive Aufgaben übernehmen können, wodurch Effizienzgewinne von über 20 Prozent möglich seien.

Wirtschaftlich spiegelt sich der Trend zur Cloud-Modernisierung in den Kennzahlen von SAP wider. Nach einem Tiefststand der Aktie bei 127,5 Euro im Juli 2026 verzeichnete das Papier einen deutlichen Anstieg.

Das Unternehmen weist derzeit eine Marktkapitalisierung von 210 bis 220 Milliarden Euro und eine Netto-Marge von 20,85 Prozent aus. Der Gewinn je Aktie liegt bei 6,82 Euro, wobei für das Jahr 2029 eine Steigerung auf 11,9 Euro prognostiziert wird.

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